[Alt-Text]

Freiheit Endlich befreit

Zu unserem Gefühl des Monats haben Philosophen Lebenswerke verfasst, wurden Revolutionen eingeläutet, und es bestimmt unser Denken, unser Handeln – Freiheit. Dass wir fähig sind, uns innerlich und äußerlich frei zu fühlen, gehört für vital-Autorin Nadine Barth zum wahren Wohlfühlglück.
Frau mit Schirm ist frei
Du weißt, ich liebe das Leben.“ Ein wundervoller Song von Vicky Leandros. „Dein Koffer wartet schon in der Tür, du lässt mich allein.“ Doch Vicky ist tapfer, ist stark, sie fängt sich und singt: „Sorg dich nicht um mich, du weißt, ich liebe das Leben, und weine ich manchmal noch um dich, das geht vorüber, sicherlich, was kann mir schon geschehen, glaub mir, ich liebe das Leben.“
Mein Song, der mir in solchen Momenten immer Kraft gegeben hat, war ja Gloria Gaynors „I Will Survive“. Diese Idee, dass da ein Kerl ist, der sie schlecht behandelt, den sie rausschmeißt, und denkt, sie hätte das Schloss an der Tür längst auswechseln müssen. Ich sehe mich auf dem Boden sitzen vor der Anlage, mit meiner besten Freundin, wir trinken Tee, ich heule, sie spielt mir dieses Lied vor, ich lache, wir singen zusammen, „go now, go, walk out the door, you are not welcome anymore“, und da war da dieses Gefühl von Stärke, die hochkochte, sich ausbreitete und uns trug, in den Hamburger Abend hinein. Wir fuhren mit dem Mokick in die „Cha Cha“-Bar, und als dieser Junge wieder auftauchte und mit ihm der Liebeskummer, war es anders als vorher, ich konnte ihm anders begegnen, war unangreifbar, hatte einen Schutzschild. Und dahinter – ja ich glaube, dahinter war ich frei. Zumindest ein bisschen.
Freiheit

Ich mache was ich will

Das Recht auf Freiheit

Freiheit ist ein großes Wort. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit waren die Ideale der Französischen Revolution, heute ist Freiheit ein Grundrecht in demokratischen Gesellschaften: Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit etc. Sie bilden ein Korsett, in dem wir uns sicher fühlen können. Und wenn wir auf andere Länder schauen, in denen diese Freiheiten nicht gewährleistet sind, macht uns das traurig, wütend, lässt uns zu Akteuren werden, diesen Zustand zu ändern. Wir möchten, dass alle Menschen frei sind, und was das bedeutet, geht wieder in den persönlichen Bereich hinein. Es geht um die Freiheit des Willens, darum, das eigene Handeln zu bestimmen. Ich kann entscheiden, ob ich links langgehe oder rechts, ob ich die Treppe nehme oder den Fahrstuhl, ob ich stehen bleibe oder hochspringe. In jeder Minute habe all ich diese kleinen Möglichkeiten, die natürlich banal sind, aber ein gutes Training, wenn es um die großen Fragen des Lebens geht. Darum, ob man seiner Liebe in eine Stadt folgt, die für einen selbst gar keinen Sinn macht. Die Frage, ob man einen Job macht, der zwar Geld bringt, aber keinen Spaß. Die Frage, ob man ein Kind will oder nicht. Natürlich gibt es gewisse Zwänge, die meine Entscheidung beeinflussen – spielt der Partner mit, der Arbeitgeber, der eigene Körper. Aber innerhalb dieser Koordinaten habe ich die Freiheit zu entscheiden, was ich will.
 
Schlagworte:
Autor:
Nadine Barth