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Arbeit Eine schrecklich nette Bürofamilie

Plaudertasche, Pausenclown, Prinzipienreiter – wie sind die Job-Rollen in Ihrer Abteilung verteilt? Wer das weiß, macht sich das Arbeitsleben leichter.

Job-Rollen

Jeden Tag teilen wir Büro und Kantine miteinander, klauen uns gegenseitig die Kugelschreiber und trinken uns den letzten Schluck Kaffee weg. Mit unseren Arbeitskollegen verbringen wir mehr Zeit als mit Familie und Freunden. Doch während wir uns Letztere aussuchen können, entscheiden Chef und Zufall, wer uns täglich am Schreibtisch gegenübersitzt. Selten entsteht dabei Sympathie auf den ersten Blick. Oft genug braucht es Zeit, bis Kollegen miteinander warm werden und ein Team bilden, das diesen Namen wirklich verdient.

Jeder übernimmt im Büro eine soziale Rolle. So entstehen Vertrauen und Verlässlichkeit

Haben wir aber erst mal Erfahrungen miteinander gesammelt, wissen wir bald ziemlich genau, wie die anderen ticken. Fast wie in einer Familie: Da gibt es den väterlichen Chef, der sich für alle(s) verantwortlich fühlt, den lustigen Onkel, der uns mit seinen Witzen aufheitert, oder die gluckenhafte Mutter, die am liebsten alle auf den Schoß nehmen und trösten würde. Psychologische Studien bestätigen dieses Phänomen. Sie zeigen: Die Beziehungen zwischen Arbeitskollegen sind weit mehr als rein beruflich. Zwischen Kopier- und Konferenzraum entstehen im Laufe der Zeit vielfältige Kontakte. Mal herzlich und freundlich, mal distanziert und kompliziert. Mit dem einen trinken wir nach Feierabend noch ein Glas Wein, mit dem anderen empfinden wir schon 30 Sekunden Fahrstuhlzeit als Belastungsprobe. Auch das erinnert stark an die Verwandtschaft.

Veränderung im Job

Unzufriedenheit, Abenteuerlust, Sehnsucht nach Neuem - die Gründe für eine berufliche Veränderung sind vielseitig. Wir haben Coach Andrea von Schröder getroffen und nachgefragt. 


Für den Freiburger Diplom-Psychologen und Führungscoach Hans-Georg
Huber (www.coachingbuero.de) ein
typischer Prozess. „In einem Team übernimmt jeder auch eine soziale Rolle. Das stellt sicher, dass ein Kollegium funktioniert und sich seine Mitglieder aufeinander einspielen und verlassen können.“ Huber vergleicht Bürogemeinschaften deshalb gern mit Fußballmannschaften: „Manche Spieler können eine Mannschaft in entscheidenden Momenten mitreißen, andere bringen die nötige Ruhe rein, wenn es brenzlig wird, und wieder andere machen völlig überraschende Sachen. Jeder hat seine Berechtigung.“ Auch jene Zeitgenossen, die uns mit ihrer geistigen Unbeweglichkeit („Das haben wir schon immer so gemacht“) oder ihrer Zukunftsangst („Das klappt nie. Wir kriegen alle die Kündigung“) gehörig auf die Nerven gehen. „Anstrengende Kollegen können ebenfalls wichtige Positionen besetzen“, sagt Huber: Sie finden das Haar in der Suppe, den Denkfehler, den alle anderen übersehen, und behalten bei Hektik häufig einen kühlen Kopf.

Die Bürofamilie darf keine Ersatzfamilie sein. Grenzen beugen Missverständnissen vor

So manche Kolleginnen und Kollegen würden wir höchstwahrscheinlich nicht wiedererkennen, wenn wir sie außerhalb des Büros träfen. Der zynische Personalchef entpuppt sich als liebevoller Familienvater, die überkorrekte Chefsekretärin spielt Volkstheater in einer Laienspielgruppe. Huber erklärt: „In einem Arbeitsteam werden jene Charaktereigenschaften eines Menschen gestärkt, die förderlich für die berufliche Gemeinschaft sind.“ Anderes wird ausgeblendet. Wer etwa durch diplomatisches Geschick auffällt, wird schneller zum Chef geschickt. Wer mit lösungsorientiertem Denken punktet, wird immer öfter um Rat gefragt. Je länger so eine Bürogemeinschaft besteht und sich einspielt, desto stärker wird das Familiengefühl. „Das ist gut so“, sagt Huber. „Dadurch wächst die Solidarität. Die Kollegen stehen stärker füreinander ein und zeigen Verständnis, etwa wenn jemand mal private Probleme hat.“ Doch bei aller „Liebe“: Zur Ersatzfamilie dürfen die Kollegen nicht werden. „Zwischen Privatleben und Büro sollte immer eine Grenze mit klaren Spielregeln bestehen bleiben“, betont Huber. Wo diese verläuft und wer sie gerade überschreitet, erkennen wir schneller, wenn wir wissen, welche „Job-Verwandten“ wir haben. Die sieben häufigsten stellen wir hier vor. Natürlich existieren auch Mischformen. Jedes Bürofamilienmitglied besitzt besondere Vorzüge, legt uns aber auch typische soziale Stolpersteine in den (Berufs-)Weg. Deshalb haben wir drei Experten gebeten, die sieben verbreitetsten Beziehungsfragen im Büroalltag zu beantworten (siehe Seite 38). Aber jetzt erst mal: Herzlich willkommen in Ihrer Bürofamilie!
 

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