[Alt-Text]

Energie: Heldin Ein Bund fürs Leben

Seit die Kölnerin Martina Wziontek das erste Mal nach Burundi reiste, ist für sie nichts mehr, wie es war. Zum Glück.
Frau mit Kind in Burundi
Eine einzige Begegnung kann alles verändern. Die Weichen im Alltag der Kölnerin Martina Wziontek stellen sich neu, als sie 2002 die Krisenfotografin Ursula Meissner trifft. Schnell wird klar: Mit ihr will sie nach Afrika reisen, wo Meissner eine Reportage über ehemalige Kindersoldaten plant. Beide hören von Verena Stamm, einer Deutschen, die in Burundi mit ihrer „Fondation Stamm“ Heime für Kriegswaisen aufgebaut hat. Das zentralafrikanische Land galt in den letzten 25 Jahren als das ärmste der Welt, bei martialischen Auseinandersetzungen zwischen den Hutu- und Tutsi-Ethnien wurden zwischen 1993 und 2005 rund 300 000 Menschen getötet. Wziontek und Meissner beschließen, in dieses Land zu Verena Stamm zu reisen.
 
Drei Tage lang saugt Martina Wziontek alles auf, machtlos gegen Eindrücke, die sie ihr Leben lang nicht mehr loswerden wird: Bilder von verwahrlosten Kindern, Gerüche, die ihr den Atem nehmen. Blicke in Lebensumstände, die Ohnmacht, Wut, Trauer, Fassungslosigkeit auslösen. „Burundi hat mich am Anfang fertiggemacht“, sagt Wziontek, die nicht weiß, wie sie mit all dem klarkommen soll. Die Antwort liegt in einer Frage, gestellt von Verena Stamm: „Du bist doch Architektin. Kannst du für uns eine Schule bauen?“ Und wieder stellen sich die Weichen neu.

Lebens-Hilfe

Wer Burundikids, die Organisation von Martina Wziontek, unterstützen möchte, kann das ganz konkret tun: Ver-schenken Sie z.B. eine Ziege, ein Saatgut-Paket oder ein Set mit Arbeitsmaterialien für eine Schneiderin. Zu den prominenten Förderinnen gehören z.B. Ulrike Folkerts und Bettina Böttinger. Mehr Infos: www.burundikids.org

 

Die Eindrücke bleiben

Burundi soll Martina Wziontek nie wieder loslassen. Zusammen mit ihrer Lebenspartnerin entwickelt sie, zurück in Deutschland, ein Schulkonzept, sammelt Geld, sucht Gründungsmitglieder. Der Verein Burundikids entsteht. „Ich hat keine Ahnung, worauf ich mich einlasse“, sagt sie. Dieses Gefühl ist der 52-Jährigen nicht fremd: Als sie das letzte Mal handelte, ohne alle Eventualitäten zu kalkulieren, hat sie bald einen Kamp und aus dem Tierheim bei sich – Mausebär. „Manchmal“, ist die Kölnerin überzeugt, „ist es besser, nicht zu wissen, was auf einen zukommt.“
 
Sie baut ein Krankenhaus, eine Geburtshilfestation – die erste des Landes –, richtet Heime ein. Zu ihren größten Projekten zählt eine Schule, dort können Jugendliche zudem Ausbildungen absolvieren. 26-mal war Wziontek bisher in Burundi. Die Armut aber überwältigt sie jedes Mal aufs Neue. „Niemand gewöhnt sich daran“, sagt sie. „Wenn ich sehe, wie die Menschen das Wenige, was sie besitzen, durch ein Unwetter wie kürzlich verlieren, dann frage ich mich schon, was eine Seele aushält.“ Demut – dieses Wort ist ihr zu groß. Aber gelassener sei sie geworden, so Wziontek. „In Deutschland geboren worden zu sein ist ein Glück, das ich zurückgeben möchte“, sagt Martina Wziontek. Und auch sie bekommt viel zurück: Als sie Geburtstag hat, singen die Kinder eines Heimes ein Lied für sie, auf Deutsch. „Ich habe Rotz und Wasser geheult“, lacht Wziontek – eine Frau, die an die Tat und das Miteinander glaubt. Daran, dass es sich lohnt, den eigenen Blick auch mal nach rechts und links zu richten. Um dann etwas zu sehen, das alles verändern kann.
Schlagworte: