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balance: Beziehung Die sechs Geheimnisse der Liebe

Wer liebt, bleibt trotzdem ein eigenständiger Mensch. Das Wir ersetzt nicht das Ich. Manche haben damit ihre Schwierigkeiten, doch vielen Paaren gelingt es, eins zu werden und selbstständig zu bleiben. Weil sie die sechs Spannungsfelder der Liebe gemeinsam auflösen. „Das kann jedes Paar lernen“, sagt unser Experte Jörg Berger. Das Tolle: Fängt der eine an, ermutigt er den anderen.
Verliebtes Paar umarmt sich

Einfühlsam Reden und Streiten

„Gerade am Anfang einer Beziehung, wenn zwei Leben ein Ganzes werden sollen, ist Kommunikation sehr wichtig“, sagt der Diplom-Psychologe Jörg Berger. „Doch kein Paar muss viel reden, wie in vielen Ratgebern steht. Wer darin geübt ist, dem kommen solche Ratschläge entgegen. Wer ein anderes Wesen hat, den setzen sie unnötig unter Druck. Viele Paare brauchen gar nicht so viele Worte.“ Grundsätzlich haben Paarforscher in Konfliktgesprächen vier Verhaltensmuster entdeckt, die – wenn sie auftreten – zu 90 Prozent zur Trennung führen: unsachliche Kritik („Nie denkst du an mich“), Verachtung („Kein Wunder, dass niemand mit dir auskommt“), Rechtfertigung („Ich muss dich ja kontrollieren, wenn du so nachlässig bist“) und Mauern (schweigen, wegschauen). 
 
Der US-Psychologe John Gott- man nennt sie „apokalyptische Reiter“. „Wer einen durch seine Beziehung galoppieren sieht, sollte handeln“, rät Berger. Das Ziel ist, die nur scheinbar widersprüchlichen Fähigkeiten Verstehen und Widersprechen zu vereinen. Der Schlüssel heißt Einfühlungsvermögen (Empathie): Glückliche Paare drücken Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse direkt aus. Beide Partner wiederholen oft in ihren Worten, was der andere gesagt hat, stellen offene Fragen, zeigen Verständnis, Wertschätzung und übernehmen Verantwortung („Das hätte ich machen sollen“). Im Streit verwenden sie Ich-Botschaften („Ich fühle mich übergangen“), behaupten ihre Rechte („Ich möchte wichtige Dinge mit dir besprechen können“) und zeigen Konsequenzen, die der Beziehung guttun („Dir zuliebe werde ich anderen keine heile Welt vor- spielen“).
 
Tipp von Jörg Berger: „Versuchen Sie, für Ihren Partner eine Stunde lang der perfekte Zuhörer zu sein, der ideale Frauen- oder Männerversteher: Halten Sie Blickkontakt, stellen Sie Fragen, ermutigen Sie.“
 

Gefühl zeigen und kontrollieren

„Eine tragfähige Beziehung beruht auf einem Gleichgewicht der Gefühle“, erklärt Jörg Berger. Das heißt: Beide Partner lassen Gefühle zu, zeigen sie offen und stellen sie in kritischen Momenten auch zurück. Frisch verliebten Paaren fällt das leicht. Doch dann muss sich die Liebe im Alltag bewähren, es kommt zu ersten Verletzungen und Enttäuschungen. Solche negativen Gefühle zu zeigen und zu kontrollieren ist nicht mehr so einfach. „Es können Zwänge entstehen“, sagt Berger. Partner üben Druck aufeinander aus, um den anderen zu dem zu bringen, was er nicht (mehr) freiwillig tut. Vorwürfe, gezielte Verletzungen, Strafen und Drohungen belasten die Liebe. Schlimmstenfalls.
 
Glücklichen Paaren gelingt es, einander wieder einen Vertrauensvorschuss einzuräumen und die Zwänge zu beenden. Gerade bei negativen Gefühlen schaffen sie es meistens, bewusst ein Stück zurückzutreten, um ihnen die Spitze zu nehmen, etwa bei sogenannten Blitzgedanken („Das ist Erpressung!“) oder wenn sich emotionale Erinnerungen aus der Kindheit melden. Zu starke Gefühle besänftigen sie mit Ablenkung oder einer Auszeit, oder der nicht betroffene Partner bietet dem aufgewühlten einen sicheren Rahmen an („Dir geht es gerade nicht gut, oder? Erzähl doch mal. Ich werde es schon verkraften“). „Aus vielen kleinen Gefühlserfahrungen webt sich ein festes Band“, fasst Jörg Berger zusammen.
 
Tipp von Jörg Berger: „Bitten Sie Ihren Partner, ein Gefühl zu zeigen, das er bislang verborgen hat.“
 
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