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Was sagt unsere DNA wirklich aus? Der Gentest

DNA-Tests im Internet entschlüsseln das Erbgut und sagen Gesundheitsrisiken voraus. Experten warnen davor.

Der schnelle Gentest aus ein paar Tropfen Spucke wird immer günstiger. Kostete er bei seiner Einführung in Deutschland noch rund 700 Euro, sind die Vorhersagen für das persönliche Schlaganfall- oder Brustkrebsrisiko jetzt schon ab 90 Euro zu haben. Im Rennen sind dabei fast ausschließlich ausländische Anbieter, wie die amerikanische Webseite „23andMe“ („23“ steht für die Anzahl der Chromosomenpaare), „DeCODEme“ aus Island oder auch „Navigenics“, USA.

Dabei versprechen die Unternehmen viel: Wollen Sie wissen, ob Sie einmal unter Haarausfall leiden werden? Ein Blick auf Chromosom 12 soll Aufschluss geben. Müssen Sie vorsichtig bei Ihrem Alkoholkonsum sein? Wird Ihr Kind ADHS entwickeln? Die verschlungene Kette kennt die Antwort. Auch Charaktereigenschaften und Vorlieben kann man theoretisch aus der DNA filtern. Forschungen an eineiigen Zwillingen zeigen tatsächlich, dass es bei getrennt aufgewachsenen Paaren verblüffende Parallelen gibt. Aber was kann man wirklich schon entschlüsseln, und was heißt das für uns konkret?

Die privaten Anbieter surfen nur bestimmte Stellen auf der DNA an, die bei Patienten statistisch auffällig geworden sind. Sie wollen laut Eigenwerbung auch der gesundheitlichen Aufklärung dienen. Auf der Webseite von „DeCodeme“ ist der 55-jährige Charles zu sehen. Er hat sich für die Entschlüsselung seines Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen entschieden. Das Bild zeigt ihn schlank und sportlich. Und er sieht ganz so aus, als wüsste er schon lange, wie man ein kardiovaskuläres Risiko in Schach hält. Doch das Testergebnis wäre das gleiche, wenn er ein schwer übergewichtiger Raucher in den Dreißigern wäre, der schon jetzt unter Herzverfettung leidet. Denn diese Art von Gen-Analyse sagt nichts aus über das wirkliche individuelle Gesundheitsprofil. Und was noch viel schlimmer ist: Sie sagt noch nicht mal etwas über die Erbkrankheiten aus, die man wirklich schon entschlüsselt hat. Wir sprachen mit drei Experten über den Sinn solcher Tests.

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Autor:
Yvonne Hagen