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Psychologie Burn-Out: Wege aus der Krise

Es ist ein schmaler Grat, und ihn zu erkennen verdammt schwer. Denn wir alle schlafen mal schlecht, fühlen uns mal erschöpft, im Stimmungstief oder im Job überfordert. Das ist normal, wir sind eben Menschen, keine Maschinen. Doch viele versuchen, um jeden Preis zu funktionieren. Sie wollen zeigen, dass sie für alle Aufgaben „brennen“ – und merken nicht, dass das innere Feuer sie auffrisst.

Kirsten Müller

Bis ihre Psyche die Notbremse zieht. Ein Infarkt der Seele, vergleichbar mit einem Herzanfall. Die Betroffenen werden apathisch, kraftlos, depressiv, können sich kaum noch konzentrieren, denken an Selbstmord . Bereits 1975 wurde dafür ein Begriff erfunden: Burn-out. Kritiker monieren, er sei zum Mode wort mutiert, zu einer zweifelhaften Auszeichnung in einer leistungsorientierten Jobwelt – und damit selbst Teil des Problems. Viele Fachleute sprechen stattdessen von einer Erschöpfungsdepression. An der dramatisch steigenden Zahl der Betroffenen ändert das natürlich nichts. Einer Analyse der AOK zufolge haben sich Burn-out-bedingte Fehltage in den letzten sechs Jahren um fast das Neunfache erhöht, auf 1,8 Millionen Tage im Jahr 2010.

 

Chronischer Stress führt bei jedem zu chronischer Überforderung

Burn-out ist längst keine „Manager-Krankheit“ mehr. Es trifft zwar oft Führungskräfte, doch auch immer mehr Arbeiter und Angestellte fühlen sich leer und ausgebrannt. Kaum eine Berufsgruppe bleibt verschont, da in fast allen Branchen immer kleinere Teams immer größere Aufgaben bewältigen müssen. Viele arbeiten wie selbstverständlich abends und am Wochenende. Multitasking ist nicht nur im Job gefragt, sondern gehört längst zu unserem Alltag. „Dieser chronische Stress führt unweigerlich zu chronischer Überforderung“, warnt Dr. Dominique Schwarz vom Burnout-Zentrum, dem Europäischen Fachverband für Stressbewältigung und Burn-out-Prävention in Waldbrunn bei Würzburg. „Einige halten dem zwar länger stand als andere, doch gesundheitlich unbedenklich ist das für niemanden.“ Kurz: Jeder brennt irgendwann aus. Umso wichtiger ist es, früh gegenzusteuern – sobald man merkt, dass sich die Stressspirale dreht. Drei Strategien helfen, das Burn-out- Risiko klein zu halten.

Erstens: Bewusst abschalten! Festnetz, Handy, E-Mail, Facebook – wir sind nicht nur jederzeit erreichbar, all diese Kanäle sind auch immer enger vernetzt. Was ist Arbeit, was Vergnügen? Das lässt sich oft kaum noch trennen. Schluss damit! Läuten Sie den Feierabend und das Wochende mit einem Ritual ein, z. B. indem Sie Ihr Mobiltelefon ausschalten. Gönnen Sie sich eine Mittagspause außerhalb des Büros. Wenn Sie Kinder haben, verbringen Sie trotzdem regelmäßig Zeit allein. Gehen Sie z. B. eine Stunde spazieren oder zu einem Entspannungskurs. Nicht schummeln! Tragen Sie wenigstens einen Relax-Termin pro Woche als verbindlich in den Kalender ein.

Zweitens: Runter vom Gas! Sie müssen nicht immer 120 Prozent geben. 80 Prozent reichen meist völlig aus. Gut ist gut genug, bei der Arbeit genauso wie im Alltag. Sie haben es heute nicht geschafft, Ihr Haar zu waschen? Binden Sie sich einen Zopf. Ihre Wohnung ist unaufgeräumt? Treffen Sie Freunde im Café.

Drittens: Die Seele pflegen. Besonders in stressigen Zeiten braucht der Körper Nervennahrung wie Blattgemüse, Nüsse und Zitrusfrüchte. Die enthaltenen Vitalstoffe wie Folsäure und Vitamin C wirken Stress entgegen. Lavendelöl (z. B. in „Lasea“, Apotheken) kann Ängste lindern und kreisende Gedanken stoppen. Wer außerdem dreimal pro Woche eine halbe Stunde Ausdauersport treibt, baut effektiv Stresshormone ab und verhindert so, dass die Burn-out-Falle zuschnappt.

 

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