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Gesundheit Angst vor Narkose

Mehr als 40 Prozent der Deutschen fürchten sich vor einer Narkose. Das wäre gar nicht nötig, denn Anästhesien sind heute so sicher und sanft wie noch nie.
Spritze

Niemand freut sich auf eine OP. Das Krankenhaus, die Schmerzen, Angst vor Komplikationen. Und dann noch die Narkose – für knapp 43 Prozent der Deutschen das schlimmste Klinik-Schreckgespenst überhaupt, Furcht einflößender als die Angst vor ärztlichen Kunstfehlern, die rund 41 Prozent der Patienten umtreibt. Es ist ja auch mehr als beunruhigend, sein Bewusstsein nach Plan zu verlieren und die Kontrolle über Kopf und Körper wildfremden Menschen anzuvertrauen.

 

Cocktail ohne Kater – dank sorgfältigem Mixen
Die größte Sorge der Patienten: nicht mehr aus der Narkose aufzuwachen. Oder unheilbar behindert. Solche Ängste kann Prof. Norbert Rolf, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Hamburger Marienkrankenhaus, zerstreuen: „Was schwere Komplikationen wie Tod, Lähmungen oder Gehirnschäden angeht, ist das Risiko der unterschiedlichen Anästhesieverfahren bei sonst gesunden Patienten extrem niedrig. Statistisch stirbt heute nur noch ein Patient von 200 000.“

Das liegt vor allem daran, dass sich die moderne Narkose durch optimierte Medikamente besser steuern lässt als früher. Dauer und Tiefe der Betäubung werden punktgenau auf den Patienten und den OP-Verlauf abgestimmt. Zudem können lebenswichtige Vitalfunktionen wie Herzschlag oder Atmung heute präziser überwacht werden, bei Gefahr wird sofort gehandelt. Nach durchschnittlich 20 bis 120 Minuten ist der Patient wieder hellwach.

 

Medikamente helfen gegen Übelkeit nach dem Aufwachen
Trotzdem muss man auch bei einer gelungenen Narkose mit kleineren „Nachwehen“ rechnen. Während einer Vollnarkose können z.B. beim Legen des Tubus (siehe Kasten) die Zähne beschädigt werden, oder der Tubus reizt den Rachen. Dann klingt die Stimme vorübergehend heiser, der Hals fühlt sich rauh und wund an. „Das passiert statistisch einem von 5000 Patienten“, sagt Prof. Rolf.
Die häufigste Nebenwirkung einer Vollnarkose erleben Patienten im Aufwachraum: Sie müssen erbrechen. Medikamente dagegen gibt man Empfindlichen oft schon während der OP. In seltenen Fällen wacht auch mal ein Patient mitten im Eingriff auf. Prof. Rolf: „Diese sogenannte Awareness (engl. Bewusstsein) kommt aber fast nur vor, wenn eine Anästhesie unter Notfallbedingungen oder bei einer Herzoperation durchgeführt wird.“

 

Eine Vollnarkose ist oft die bessere Wahl
Grundsätzlich gelten alle Narkoseformen als sicher. Doch der Glaube trügt, dass moderne Verfahren wie z.B. eine Periduralanästhesie weniger Risiken bergen als eine Vollnarkose. „Bei einer PDA kann es zu erheblichen Beeinträchtigungen der Kreislauffunktion kommen“, warnt Prof. Rolf. Auch andere lokale Betäubungsverfahren haben typische Risiken. „Sie können zu einer direkten Beschädigung von Nervenstrukturen führen“, sagt der Hamburger Chefarzt. „Deshalb sollte die Anwendung immer ein Facharzt überwachen.“

 

Im Vorgespräch ganz ehrlich sein
Ob eine Narkose ohne Komplikationen verläuft, hängt auch vom Patienten ab. Im Vorgespräch sollte er dem Anästhesisten u.a. genau mitteilen, welche Medikamente er nimmt. Das betrifft auch Präparate aus der Pflanzenmedizin. So können z.B. die Extrakte von Ginkgo, Johanniskraut, Baldrian, Rotem Sonnenhut, Knoblauch oder Ginseng die Narkosedauer beeinflussen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten hervorrufen oder die Blutungsgefahr erhöhen. Dasselbe gilt für Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminpräparate. Meist wird der Anästhesist im Vorgespräch zum rechtzeitigen Absetzen raten. Auch Genussgifte wie Nikotin oder Alkohol können die Wirkung eines Narkosemittels beeinflussen. Deshalb: Sagen Sie dem Narkosearzt ehrlich, ob und wie viel Sie konsumieren.

Grundsätzlich sollte sich kein Patient scheuen, immer wieder nachzufragen und sich umfassend aufklären zu lassen – selbst wenn der Arzt ungeduldig das Gespräch abschließen will.

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