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Erinnerungen Warum wir an bestimmten Dingen hängen

Die Schränke quellen über. Längst müsste mal Klarschiff gemacht werden. Wenn das nur so einfach wäre! Viele Sachen können wir einfach nicht wegwerfen. Weil sie eine wichtige Bedeutung haben Und das ist auch gut so.
Erinnerungsstücke aufbewahren

Natürlich war der Pullover zu teuer. Und für den sperrigen Holzelefanten, den wir im Urlaub gekauft haben, ist in der Wohnung eigentlich kein Platz. Doch bei manchen Dingen überwältigt uns das Gefühl, dass sie zu uns passen, perfekt ausdrücken, wer wir sind. Dann müssen wir zugreifen. Geld spielt keine Rolle.

Der Besitz verrät viel über unsere Persönlichkeit

Ob Spontankauf oder Überzeugungstat: Ungefähr 10 000 Dinge besitzt ein Durchschnittseuropäer. Jeder Haushalt ist dabei so individuell wie ein Fingerabdruck. Schon der erste Blick in die Wohnung offenbart eine Menge über die Persönlichkeit ihres Besitzers: Ist sie bunt, sachlich, aufgeräumt oder chaotisch? Ein Nirvana-Poster verrät den Musikgeschmack, das große Gewürzregal den Feinschmecker. „Die Persönlichkeit eines Menschen hinter- lässt Spuren in der materiellen Welt“, meint die Autorin Annette Schäfer („Wir sind, was wir haben“, DVA, 256 Seiten, 19,99 Euro). Für ihr Buch hat sie diverse Studien zur Psychologie der Dinge durchforstet. Ihr Fazit: „Dinge sind nicht nur Ausdruck unseres Selbst, sie sind Teil des Selbst.“ Fehlt dem Kleinkind das Schnuffeltuch, ist das Geschrei groß. Aus gutem Grund: Solche Lieblingsdinge stärken das Ich-Gefühl und die Autonomie. Der Schnuller sorgt für Geborgenheit, und mit einem ramponierten Teddy im Arm wirkt das Leben nur halb so gefährlich. Später, in der Pubertät, wenn das Ich noch einmal kräftig durchgerüttelt wird, übernehmen Statussymbole wie hippe Klamotten oder coole Handys diesen Part. Danach, im Erwachsenenalter, sind es schließlich sehr persönliche Dinge, die uns Glück, Kraft oder Trost spenden. Ob die von der Oma geerbte Teekanne oder eine Schmuckschatulle, die meisten Dinge, die wir um uns herum anhäufen, sind mehr als reine Materie. Sie sind ein Abbild unserer Seele, Ausdruck unseres Lebensgefühls. 


Hab-Seligkeiten: Viele Dinge sind wichtiger, als wir denken

Je prominenter wir etwas in den eigenen vier Wänden aufstellen oder je öfter wir es dabeihaben, desto stärker spüren wir, wie heiß und innig unsere Liebe ist. Auch vor anderen können und wollen wir sie nicht geheim halten. „Dass auch viele andere Sachen eine große Bedeutung haben, wird uns oft erst deutlich, wenn sie weg sind“, weiß Annette Schäfer, die mit Menschen gesprochen hat, die etwa bei Hochwasser oder Feuer alles verloren haben. Plötzlich lösen auch die verbrannte Büchersammlung, das völlig durchnässte und unbrauchbare Sofa und ruinierte Kleidungsstücke ungeahnte Trauer aus.
Besonders weh tut der Verlust von Erinnerungsstücken, die unersetzbar sind. Wir fühlen uns beraubt, leer, als hätte jemand einen Teil unseres Lebens gelöscht. Gleichwohl kann zu viel Besitz auch belasten. Etwa wenn zu viel Krimskrams den Blick auf das Wesentliche versperrt. Dann tut eine Pause nur mit dem Notwendigsten gut (siehe Kasten links). Oder konsequentes Ausmisten. Dabei hilft den allermeisten eine simple Frage, die es aber in sich hat: Besitze ich eine Sache, weil sie mir etwas bedeutet, oder bedeutet sie mir nur etwas, weil ich sie besitze? Viel Spaß beim nächsten Keller- und /oder Dachboden-Check!
 

Und genau von solchen Dinge möchten wir uns am liebsten nie wieder trennen. Kennen Sie dieses Gefühl auch? Wovon können Sie sich einfach nicht trennen? Was hat einen festen Platz in Ihren vier Wänden und in Ihrem Herzen gefunden? Verraten Sie es uns unter www.facebook.com/vital.de