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Balance: Beziehungen Work-Love-Balance

Wie bleibt trotz Arbeit genug Zeit für unsere Liebe? Vor dieser Frage stehen Paare immer wieder. Die Lösung liegt in ihren vergessenen Träumen.
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Liebe aus dem Bilderbuch

Es sollte ihr erster gemeinsamer Abend seit Langem werden. Oma und Opa wollten auf die Kinder aufpassen. In dem kleinen Restaurant, wo sie sich vor zwölf Jahren kennengelernt hatten, war seit 14 Tagen ein Tisch reserviert. Dann sein Anruf aus dem Büro, enttäuscht zwar, aber machtlos: „Liebling, ich komme hier nicht weg. Der Kunde will das Konzept morgen früh haben. Es tut mir so leid.“ Vorbei. Die Hoffnung, dass ihre Liebe wenigstens mal wieder für ein paar Stunden die Hauptrolle spielen könnte, zerplatzte wie eine Seifenblase. Grundsätzlich verlieben wir uns nicht in einen Gehaltszettel oder eine Berufsbezeichnung. Ein Lächeln verzaubert uns, schöne Augen, das Gefühl, sich schon ewig zu kennen, ein mitreißender Humor, eine erotische Ausstrahlung oder Arme, die Geborgenheit schenken. Plötzlich scheint uns alles möglich. Wir träumen von einer gemeinsamen Zukunft. Eine solide Ausbildung und positive Berufsaussichten beflügeln Paare sogar zu noch mutigeren Lebensentwürfen, weil sie Sicherheit vermitteln. Die Arbeit ein Risiko für die Liebe? Nein, das wird uns beiden nicht passieren.
 

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Vegan leben
Zärtlichkeiten nach Terminkalender?

Doch dann häufen sich die Überstunden, weil immer weniger Kollegen das gleiche Pensum bewältigen müssen. Im Wohnort fehlen ganztägige Krippen-, Kita- und Hortplätze. Also doch Karriere statt Kinder? Für den besseren Job umziehen oder sogar eine Fern- oder Wochenendbeziehung führen? Liebe, Sex und Zärtlichkeit nach Terminkalender? In Wahrheit beeinflusst wohl kaum etwas unser Privatleben so nachhaltig wie unser Arbeitsleben. Eine „Work-Love-Balance“ fordert deshalb die Paarberaterin Stephanie Katerle aus Paderborn. „Genau wie sich jeder Einzelne bemühen sollte, Arbeit und Freizeit in ein körperlich und seelisch gesundes Gleichgewicht zu bringen – die „Work-Life-Balance“ –, müssen Paare darauf achten, dass Beruf und Liebe in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen“, erklärt die Expertin. Das ist oft nicht leicht, vor allem für Paare, die in der sogenannten Rushhour ihres gemeinsamen Lebens stecken, etwa zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr: Beide Partner wollen beruflich durchstarten, eine Familie gründen, heiraten, vielleicht ein Eigenheim kaufen – und stehen in kürzester Zeit vor diversen weitreichenden Entscheidungen. „Diese Paare geraten häufig in eine Art Funktionsmodus“, sagt Stephanie Katerle. „Beide Partner leisten, leisten, leisten, damit der Alltag funktioniert. Sie tun alles für die ‚Normalität‘ und sind trotzdem nicht glücklich, weil sie dafür Zweisamkeit und Träume über Bord geworfen haben.“
 

Work-Love-Balance gerät ins Schwanken

Dahinter steckt häufig ein nachvollziehbares, aber auf Dauer riskantes Phänomen. „Je stärker die Partner im Alltag unter Druck stehen, desto eher orientieren sie sich an althergebrachten Rollenmustern und Vorbildern, die sie früh im Leben verinnerlicht haben“, erklärt die Expertin. Mehr und mehr schleicht sich dann z. B. doch das klassische Familien-Modell ein, in dem der Mann als Alleinverdiener und Ernährer, die Frau als Hausfrau und Mutter gilt. „Und zum deutschen Mutterbild gehört ja noch immer, dass das Muttersein die Hauptbeschäftigung für Frauen sein sollte“, so Stephanie Katerle. Mamas, die nach der Babypause wieder Vollzeit arbeiten gehen, gelten schnell als Rabenmütter. Eine Folge: „Viele Frauen arbeiten Teilzeit in einem Job, der nichts mit dem zu tun hat, was sie ursprünglich beruflich mal erreichen wollten. Eine gefährliche Falle“, warnt Stephanie Katerle. Zerstörerische emotionale Kreisläufe entstehen, etwa wenn sie mit Frust oder Eifersucht reagiert, weil er immer später Feierabend macht, er ihre Kritik als Undankbarkeit empfindet – und, ebenfalls gekränkt, noch mehr arbeitet. So gerät die Work-Love-Balance eines Paares zunehmend in Schieflage. Den Sex in einer Beziehung sollten Sie stärken.
 

Tschüss Angst, hallo Mut!

„Die Arbeit bleibt ein bestimmender Faktor“, bekräftigt Stephanie Katerle. „Ziehen z. B. die Kinder aus, entsteht oft eine große Leere: der Silberhochzeits-Koller. Vor allem Frauen Mitte 40 fragen sich dann: Soll das alles gewesen sein?“ Immer häufiger lautet die Antwort offenbar – Nein. Auch darum hat sich die Zahl der Scheidungen nach 26 oder mehr Ehejahren seit 1993 fast verdoppelt, so das Statistische Bundesamt. Diese Paare hatten sich nichts mehr zu sagen. Dabei verhindert gerade der tägliche Austausch, dass Berufstätige ihre Liebe aus den Augen verlieren. „Nehmen Sie sich z. B. jeden Abend fünf Minuten Zeit und berichten Sie sich gegenseitig von den drei Highlights Ihres Tages“, ermutigt Stephanie Katerle. „Oder sehen Sie sich alte Fotos an und überlegen Sie, wovon Sie damals geträumt haben. Das ist eine gute Basis, um zu gucken: Wo wollen wir noch hin?“ Kehrt etwa erst mit dem gemeinsamen Ruhestand wieder Entspannung ein? „Ja und nein“, schränkt unsere Expertin ein. Denn bis dahin ist freie Zeit etwas, worauf das Paar hingearbeitet hat. „Nun wird daraus Alltag, die Motivationslage gerät durcheinander. Gerade Männer tun sich schwer damit“, erklärt Stephanie Katerle. Dann sollten Lebenspartner bewusst Rückschau halten, gemeinsam und jeder für sich: Was haben wir, was habe ich alles erreicht? „So kann ein neues Gefühl aufkommen: ‚Ja, ich habe es verdient, nicht mehr arbeiten zu müssen.‘ Es öffnet sich der Raum für wichtige Fragen: Was will ich noch lernen, verändern? Wer bin ich – ohne Job, einfach als Mensch?“ Keine leichte Aufgabe. „Alte Verhaltensmuster aufzulösen ist anstrengend“, bestätigt Stephanie Katerle. „Umso beharrlicher sollten Paare sich fragen: Müssen wir wirklich alles so machen wie alle anderen? Was passiert schlimmstenfalls, wenn wir es anders versuchen? Ich möchte alle Paare anspornen: Raus aus dem Sog der Angst – rein in den Mut, neue Wege zu gehen.“