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Beziehung Redet miteinander

Viele Beziehungen, viele Ehen erreichen irgendwann einen Nullpunkt. Das ist normal. Genauso, wie sich Hilfe zu holen. Eine Therapie kann die Liebe retten, erfordert aber Mut. VITAL traf ein Paar, das ihn gemeinsam aufbrachte.
Reden in einer Partnerschaft

Sie gelten als Traumpaar: Barack und Michelle Obama, der Präsident der USA und seine Frau. Erfolgreich, attraktiv, zwei bildhübsche Töchter und so verliebt wie am ersten Tag ihrer Ehe. So sieht zumindest das Hochglanzbild aus, das uns Promi-Magazine präsentieren. Aber genau das, ein Beziehungsideal, wollen die Obamas nicht sein. „Die Hochs und Tiefs unserer Ehe können anderen jungen Paaren vielleicht helfen, zu erkennen, dass eine Ehe harte Arbeit ist“, sagte Michelle Obama in einem Interview mit der „New York Times“. „Etwas anderes zu behaupten ist unfair gegenüber der Institution Ehe und gegenüber den jungen Leuten, die eine Perfektion planen, die es nicht gibt.“

Selten sprechen Politiker über ihr Privatleben. Doch in diesem Interview gingen Barack und Michelle Obama sogar noch einen Schritt weiter: Der wichtigste Staatschef der Welt gab zu, dass er in seiner Ehe schon einmal ziemlich hilflos war und dass er und seine Frau die Unterstützung eines Eheberaters in Anspruch genommen haben. Ein Raunen ging um die Welt. Der US-Präsident und die First Lady bei der Paartherapie – unglaublich! Ja. Unglaublich mutig.

Beziehungsprobleme sind keine Seltenheit

Verliebt, verlobt, verheiratet. Zuzugeben, dass es oft heißen müsste „verletzt, verstummt, verkracht“, gilt auch hierzulande noch immer als großes Tabu. „Dabei ist es gar nicht möglich, auf Dauer eine Beziehung zu führen, ohne irgendwann an den Punkt zu kommen, wo einer sagt: "Das funktioniert nicht mehr", stellt die Berliner Partnerschaftsberaterin und Autorin Berit Brockhausen klar (Infos: www.desafinado.de, Buchtipps).

Johannes Schauer, Psychologe bei "pro familia" in München, sieht das ähnlich: „Es ist normal, Zahnschmerzen zu haben, und es ist normal, Beziehungsschmerzen zu haben. In beiden Fällen kann man sich Hilfe holen. Paartherapie ist eine völlig normale Dienstleistung.“ Und eine wirksame: Studien zeigen, dass 66 von 100 Paaren durch eine Beratung eine Verbesserung in ihrer Partnerschaft erleben.

Krisenauslöser Seitensprung? Eher selten

Doch selbst dieses Erfolgserlebnis, das schöne Gefühl, gemeinsam seine Liebe gerettet zu haben, behalten die, die es erlebt haben, lieber für sich. Auch Petra und Alex Wiedemann aus München haben erst gezögert, ihre Geschichte in der VITAL zu erzählen. Dabei ist es nur selten ein Seitensprung, der eine Beziehungskrise auslöst. Das Online-Portal ElitePartner befragte knapp 10 500 Freiwillige und verglich „sehr glücklich“ mit „eher unglücklich“ Liierten. Das Ergebnis überrascht nicht: 93 Prozent der Glücklichen sprechen viel über die Erlebnisse des Tages, bei Unglücklichen sind es bloß 52 Prozent.

Zufriedene Paare sind möglichst oft zusammen (91 gegen 34 Prozent), haben ein ähnliches Bedürfnis nach Nähe und Freiraum (88 gegen 42 Prozent), haben gemeinsame Interessen und Hobbys (79 gegen 28 Prozent), können streiten und sich schnell wieder vertragen (89 gegen 46 Prozent). „Es geht fast immer um Interessens- und Bedürfnisunterschiede“, sagt auch der Hamburger Paarberater Michael Mary (Infos: www.michaelmary.de).

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Autor:
Claudia Steiner