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Glücklicher mit Familie?

Dass man mit Familie glücklicher ist als ohne, sagen sechs von zehn Deutschen – trotz hoher Scheidungsrate. Ideologien und Gerüchte prägen die Diskussion. Zeit für Fakten!

Familie

Jugendliche finden Familie uncool und spießig

Falsch: Rund 76 Prozent der Jugendlichen sagen laut einer großen Jugendstudie, man brauche eine Familie, um wirklich glücklich zu sein. Mehr als 90 Prozent haben nach eigener Einschätzung ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern, und drei von vier Jugendlichen würden ihre eigenen Kinder nach denselben Wertmaßstäben erziehen, nach denen sie selbst erzogen wurden.

Lesbische und schwule Paare können doch Kinder adoptieren

Falsch: Bisher ist nur die Stiefkind-Adoption legal. Das heißt: Das leibliche Kind des/der einen darf von dem/der Lebenspartner/in adoptiert werden. Ein fremdes Kind, auch aus dem Ausland, dürfen homosexuelle Paare nicht gemeinsam adoptieren.

Die meisten Frauen starten nach der Elternzeit beruflich wieder durch

Falsch: Rund 77 Prozent der Mütter mit Kindern unter drei Jahren in Westdeutschland und 67 Prozent in Ostdeutschland bleiben noch länger zu Hause, während der Mann das Geld verdient. Gleichzeitig bedeutet für neun von zehn dieser Frauen der Job „persönliche Unabhängigkeit“.

Männer können sich eher ein Leben ohne Kinder vorstellen als Frauen

Falsch: Jede 10. Frau findet ihr Leben dank Freunden, Traumjob, Beziehungsglück und Freizeitspaß auch ohne Kinder großartig. Aber nur jeder 20. Mann hat von vornherein keinen Kinderwunsch.

Der Geburtenrückgang führte zu einem Adoptionsboom

Falsch: Seit 2004 sank die Zahl der Adoptionen in Deutschland um knapp ein Viertel, gegenüber 1994 sogar um mehr als die Hälfte. Im Jahr 2009 wurden in Deutschland nur noch 3888 Kinder adoptiert. 459 von ihnen lebten vorher in einem Heim. Hintergrund: Mit dem Geburtenrückgang sinkt auch die Zahl der Kinder, die zur Adoption freigegeben werden könnten. Und seit ledige Mütter gesellschaftlich kaum noch diskriminiert werden und vom Staat mehr finanzielle Unterstützung bekommen, behalten sie ihre Babys eher.

Die sogenannten neuen Väter wechseln Windeln und kümmern sich nach dem Scheitern der Ehe weiter um den Nachwuchs

Falsch: Wenn es schiefgeht, liegt die Hauptlast der Kinderbetreuung nach wie vor bei den Müttern. Trennungskinder verbringen rund 90 Prozent ihrer Zeit bei der Mutter, halten aber meistens noch Kontakt zum leiblichen Vater.

Die Patchwork-Familie ist längst die häufigste Familienform

Falsch: Die große Mehrheit der Kinder in Deutschland wächst immer noch bei ihren leiblichen Eltern in einer ehelichen Familie auf. Dies gilt für mehr als 80 Prozent der Kinder im Westen und über 70 Prozent der Kinder im Osten. Platz 2 belegen die Alleinerziehenden, Platz 3 die „Patchis“ mit leiblichen und Stiefmüttern, echten und Stiefgeschwistern. Fast jede sechste Familie setzt sich mittlerweile aus zwei gescheiterten Kernfamilien zusammen. Allerdings geht auch mehr als die Hälfte von ihnen nach einiger Zeit wieder auseinander.

Kinder reagieren traumatisiert auf die Trennung ihrer Eltern

Falsch: In ihrer Studie über Trennung und Scheidung stellte die amerikanische Psychologie- Professorin E. Mavis Hetherington fest: Bis zu 80 Prozent aller Kinder und Erwachsenen kommen gut mit der neuen Situation zurecht.

In Großstädten ist vor allem die Ein-Kind- Familie angesagt

Richtig: In Deutschland wachsen drei von zehn Kindern als Einzelkinder auf. In Großstädten hat sogar jedes zweite Kind keine Geschwister und muss erst in der Kita lernen, wie man den Streit um das schönste Sandförmchen schlichtet.

Studierte Frauen erobern erst den Chefsessel und dann den Platz an der Wiege

Richtig: Immer mehr Frauen bekommen ihr erstes Kind mit über 35 Jahren – nachdem sie ihre Karriere angeschoben haben. Derzeit verzeichnet die Statistik fast doppelt so viele späte Mütter wie vor zehn Jahren; rund 55 Prozent von ihnen haben studiert.