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Frauen unter sich

Immer mehr Frauen in den besten Jahren bleiben beim Feiern am liebsten unter sich. VITAL-Kolumnistin Verena Carl fragt sich: Ist das angestrengter Neo-Feminismus – oder eine ganz entspannte Idee?

Beim ersten Mal dachte ich noch: Das ist ja originell. Meine Freundin Nadja hatte zu ihrem Geburtstag ausschließlich Freundinnen eingeladen, Männer mussten leider draußen bleiben. Denn schließlich, sagte Nadja, sei sie mit den Frauen befreundet. Weniger mit deren früher oder später dazugestoßenen Lebensgefährten: „Wenn ich mir Vorträge über das Wunder von Wolfsburg oder die letzten Steueroasen Europas anhören will, kann ich auch den Fernseher anmachen.“ Als nächste feierte Bettina in weiblicher Gesellschaft, während ihr derzeitiger Lover in der Küche stand und Sushi bastelte. Als dann auch noch Birgit zu einer „Women only“-Party lud, wusste ich: Das ist kein Zufall. Das ist ein Trend.

Ich wusste nur nicht, wie ich den finden sollte. Als Spross der letzten geburtenstarken Jahrgänge trifft man ja derzeit viele alte Bekannte wieder: selbstgemachte Strickpullis, Einbauküchen in grellen Farben und bunt geblümte Tuniken mit so vielen Fältchen, dass sie auch noch im Endstadium einer Zwillingsschwangerschaft passen. Auf den Bestsellerlisten rangeln neo-feministische Schwarten aus Schweden und bundesdeutsche Sumpfblüten miteinander um die vorderen Plätze. Und ein Blick in die Schaufenster zeigt: Lila ist das neue Schwarz. Jetzt also die Frauen-Party. Wollen wir die wirklich wiederhaben?

Nach der dritten männerlosen Veranstaltung bin ich überzeugt: Ja, das wollen wir. Denn ebensowenig, wie die Einbauküchen, Tuniken und Strickpullis genauso aussehen wie vor 30 Jahren, ist heute ein Feier-Abend mit Frauen noch eine ideologische Veranstaltung. Man sieht zwar viel Lila, aber nur sehr wenig wild wucherndes Achselhaar. Und hört von Männern, die sehr – wie nannte man es in den Siebzigern? – „solidarisch“ sind: weil sie als Babysitter, Asia-Snack-Zubereiter und Amnächsten-Morgen-Aspirin-Lieferanten ihren Frauen den Rücken frei halten.

Dass meine drei so unterschiedlichen Freundinnen – die eine mit Ehemann, Villa und Zweitwagen, die andere mit Fahrrad, Freund und Besenkammerdusche, die dritte notorischer Immer-wieder-Single – alle auf die gleiche Idee kommen, ist wohl das Zeichen eines äußerst entspannten Feminismus. Dabei würden mindestens zwei von ihnen das F-Wort nicht einmal in den Mund nehmen. Aber gerade weil wir keine erbitterten Grabenkämpfe mehr austragen müssen, können wir uns das Beste aus beiden Welten herauspicken. Mit Freundinnen feiern. Den Liebsten in die Küche schicken. Und am nächsten Morgen mit ihm aufwachen.

Frauen sind nicht die besseren Menschen. Aber manchmal die besseren Seelenverwandten. Mit elf, wenn wir bei Brombeer- und Vanilletee das Erwachsensein spielen. Mit 25, wenn wir unsere Freundinnen zum Händchenhalten im Beziehungsdschungel brauchen. Und mit 39, wenn wir von einer Party weder tiefe Blicke von fremden Schönlingen erwarten noch mit anderen Paaren über Abwrackprämien fachsimpeln wollen. Sondern einfach nur ein bisschen gefühlsduselig werden, Rotwein trinken und uns retro fühlen. In lila Blümchentuniken, in grellfarbigen Küchen. Vielleicht sollte ich meinem Mann mal ein Tapas-Kochbuch mitbringen. Dann kann er schon mal für meine nächste Party üben.

Autor:
Verena Carl