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Beziehungen Der neue Mensch in meinem Leben

Eine neue Freundschaft inspiriert und gibt Denkanstöße, eine Liebe beginnt, während sich der Kopf um anderes dreht: Wie Begegnungen unverhofft alles verändern können.
Neuer Mensch im Leben

Es passiert meist dann, wenn wir am wenigsten damit rechnen. Da fließt unser Leben dahin wie ein Fluss, scheinbar unaufhaltsam, unbeirrbar, nichts scheint seinen Verlauf stören zu können. Und dann tritt plötzlich dieser neue Mensch in unser Leben. Unverhofft, als würde sich eine unsichtbare Tür öffnen. Zufall? Schicksal? „Wieso hat der Himmel diese Person ausgerechnet jetzt geschickt?“, schießt es einem durch den Kopf. Wer es schon erlebt hat, weiß: Einer solchen Begegnung wohnt etwas Magisches inne, etwas Unerklärbares. Unfassbar. Mit einem Mal entsteht da eine Nähe, eine Vertrautheit mit jemand völlig Fremden. Nicht immer dreht es sich dabei um partnerschaftliche Liebe, ums Verlieben. Auch, aber eben nicht nur.

Vielleicht haben Sie Ähnliches schon erlebt: Da stand diese Einladung zu einer Party im Raum. Eigentlich zu kaputt von der Arbeitswoche, sind Sie doch hingegangen. Die Frau, die Ihnen in der Küche ein Glas Sekt in die Hand drückt, erfüllt Sie spontan mit einer Welle von Sympathie. Da kommt etwas in Gang, was eigenen Regeln zu folgen scheint: Worte und Gedanken sprudeln wie von allein, ein bisschen fühlt es sich so an, als würden Sie Ihr Gegenüber schon aus einem anderen Leben kennen. Zugleich vertraut und doch neu und aufregend. Aus anfänglichem Smalltalk entwickelt sich eine enge, inspirierende Freundschaft. Oder im neuen Job fragt die auf den ersten Blick sympathische Kollegin, wie es denn aussehe mit einem gemeinsamen Mittagessen?

Plötzlich bekommt der Neuanfang, den im Vorfeld ein mulmiges Gefühl begleitet hat (Schaffe ich das? Werde ich nette Leute kennenlernen?), eine Leichtigkeit, die kaum möglich schien. Oder: Auf einer Veranstaltung begegnen Sie jemandem, der sich als Mentor ent­ puppt, und plötzlich geht es beruflich voran, obwohl Sie sich eben noch in einer Sackgasse wähnten. Wie ein unerwartetes Geschenk, eine Überraschung erscheinen solche Begegnungen, wenn auf Anhieb ein fast wortloses Verständnis zwischen zwei Menschen besteht“, sagt die amerikanische Psychologin Mary Lamia. „Viele sprechen dann von Seelenverwandt­ schaft. Es beschleicht einen das Gefühl, die Gedanken des anderen lesen zu können, besonders der Blickkontakt geht durch Mark und Bein. Da ,klickt‘ etwas in der Seele“, so beschreibt die Professorin am kalifornischen Wright Institute in Berkeley den Zustand von Seelenzwillingen. Sie zieht eine neurowissenschaftliche Er­ klärung heran: Wenn sich zwei Menschen seelenverwandt fühlen, kommunizieren sie besonders gut auf unbewusster Ebene – Körpersprache und emotionale Signa­le in der Stimme harmonieren, ohne dass sich die beiden dessen bewusst sind. Es kommt zu „einem Dialog zwischen den rechten, gefühlsbetonten Hirnhälften beider Menschen“, so Lamia.

Oft geben glückliche Zufälle unserem Leben einen unerwarteten Dreh. Auch Bücher können uns anstupsen und in eine andere Richtung lenken, auf Ideen bringen, bereichern. Oder eine Reise, Musik, vielleicht ein Film. „Aber kaum etwas wirkt so stark wie die Nähe zu einem besonderen Menschen, der auf einmal in unser Leben tritt“, sagt Janka Hegemeister, Kommunikations­Expertin aus Berlin (mehr auf www.home­of­ coaching.de). Sie weiß aus der Erfahrung mit ihren Klienten, welcher Zauber einer Begegnung innewohnen kann. Wenn die berühmte Chemie stimmt und jenseits der sichtbaren Oberfläche Prozesse ablaufen, die sich jeglicher Steuerung entziehen. „Treffe ich so jemanden, muss ich mich nicht groß anstrengen, da werden Gedan­ kenlawinen in meinem Gehirn ausgelöst, neue Ideen brechen sich Bahn, nach denen ich sonst viel länger gesucht hätte. Oft ist dieser Moment einmalig, mit Glück ent­ wickelt sich eine echte Beziehung aus so einer magischen Begegnung.“ Sie rät: „Seien Sie offen, gehen Sie auf andere zu, denn Sie wissen nie, was passieren kann.“ Denn gar nicht so selten stellt die Nähe zu einem neuen Menschen das bisherige Leben auf den Kopf. Die wohl einschnei­ dendste und berührendste Form der Begegnung: Wenn der neue Mensch zum Lebensretter wird (lesen Sie dazu die Geschichte von Jutta Lüske und Joshua Preis auf Seite 88) und dadurch eine be­ sondere Verbindung entsteht. In jedem Fall bewegt sich etwas, wird das Leben reicher und erfüllter.

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