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Unterstützung Alltagshilfe durch Assistenzhunde

Der Verein VITA von Tatjana Kreidler bildet Assistenzhunde für Kinder und Erwachsene mit Behinderung aus, denn 70 % der nötigen Unterstützung im Alltag kann ein Hund übernehmen.

Tatjana Kreidler

Ein Tag ohne Hund – für Tatjana Kreidler undenkbar. Ihren ersten, Cockerspaniel Mike, bekam sie mit sechs Jahren. Seitdem sind die Vierbeiner ihre ständigen Begleiter. Nicht nur in ihrer Freizeit. Seit fast zwölf Jahren bildet die 42-Jährige Golden und Labrador Retriever zu Assistenzhunden aus, die körperbehinderten Menschen einen unabhängigeren Alltag ermöglichen. Sie öffnen Türen, holen Gegenstände – und im Notfall auch Hilfe. „Eigentlich wollte ich Familientherapeutin werden“, erzählt die Sozialpädagogin. „Doch dann sah ich, wie positiv sich Hunde in der Heimerziehung auf Kinder auswirkten.“ Klar, dass das auch das Thema ihrer Diplomarbeit wurde.

„Danach ging ich nach England und hospitierte bei Vereinen, die Begleithunde nach internationalen Standards ausbildeten. In Deutschland war das 1999 noch völlig unbekannt.“ Das wollte sie ändern. Nach ihrer Rückkehr entwickelte sie das Gelernte weiter und gründete 2000 den Verein VITA e.V. „Konsequenz und Liebe“, so fasst Tatjana Kreidler ihr Konzept zusammen. Es formt aus einem Menschen und einem Hund Partner fürs Leben.

Das passiert nie nach Schema F. Aber jedes Mal erlebt sie einen besonderen, magischen Moment: „Wenn sich die Augen treffen und Mensch und Hund plötzlich eins werden, das ist etwas ganz Besonderes.“ Danach wird manchmal möglich, was bislang unmöglich schien. Sehr genau erinnert sich Tatjana Kreidler an jenes Kind, das erst durch seinen Hund sprechen lernte: „Zuerst sagte es seinen Namen, danach den des Hundes.“ Oft hört sie Sätze wie „Der Hund kommt vor meinem Partner“ oder „Mit ihm hat für mich ein neues Leben begonnen“. Keine leeren Worte, sondern Ausdruck einer ehrlichen, tiefen Dankbarkeit.

So eine enge Beziehung wächst langsam und behutsam. Beide Partner, Mensch und Tier, müssen lernen, dem anderen hundertprozentige Aufmerksamkeit zu schenken und sensibel auf seine Bedürfnisse einzugehen. Sie müssen zu einem Team zusammenwachsen, das sich blind vertraut. Seit der Gründung von VITA hat das insgesamt schon 30-mal geklappt. 15 Junghunde werden gerade auf ihre Aufgaben vorbereitet, auf jeden kommen sechs Bewerber von der Warteliste. Kaum einer von ihnen kann sich die 25.000 Euro teure zweijährige Hundeausbildung leisten, zu der die Krankenkassen keinen Euro beisteuern. Doch Tatjana Kreidler will möglichst vielen Bedürftigen den Traum von einem Assistenzhund erfüllen. Mithilfe von Spenden, um die sie bittet, von Sponsoren, die sie begeistert – und ihrem grenzenlosen Idealismus. Im VITA-Ausbildungszentrum in Hümmerich bei Koblenz gönnt sie sich nur ein WG-Zimmer, arbeitet sieben Tage pro Woche. „Langsam“, gesteht sie, „brauche ich mal wieder ein Eigenleben.“ Vielleicht findet sie ja einen weiteren Ausbilder. Dann hätte sie Zeit fürs Theater oder zum Ausruhen. Auch mal ohne Hund. Infos: www.vita-assistenzhunde.de

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