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Vital-Test Die Lichttherapie-Brille

Trends gibt’s ja viele. Aber was taugen sie? Wir testen für Sie ungewöhnliche Methoden und Produkte, die Gesundheit und Wohlbefinden versprechen. Diesmal: Ist man topfit, happy und ausgeschlafen mit einer Blaulicht-Brille?

Das mal gleich vorweg: Eitel darf man nicht sein, wenn man sich die „BlueLight mobile“-Brille aufsetzt. Und man braucht eine gehörige Portion Schmerzfreiheit, um den Spott der lieben Kolleginnen auszuhalten. Denn der ist einem sicher: Die Lichttherapie-Brille sieht ziemlich albern aus. Ich denke sofort an Commander Geordi La Forge aus dem Star-Trek-Universum. Ja, der muss sie haben, der spaced damit ganz cool durch fremde Galaxien. Ich aber sitze mit der futuristisch gehypten Brille auf der Nase stinknormal, schlicht und unprätentiös an meinem mausgrauen Schreibtisch.

Beim Stichwort Nase fällt mir gleich die nächste Schikane ein: Der „Tragstrahler“ (so die putzige Produktbezeichnung des Herstellers) kneift mit seinem harten Plastiksteg unerbittlich in meinen Nasenrücken. Und die gegabelten Bügel enden nehmen meinen Schädel mit eisernem Griff in die Zange. Eine Stunde pro Tag das Ding tragen – das schaffe ich nie im Leben! Unrelaxte, ziemlich gequälte 20 Minuten am Stück, mehr geht nicht. Dann kriege ich Kopfschmerzen. Vielleicht komme ich deshalb nicht so richtig in den Gesundheits-Genuss des Therapielichts. Es soll den Winterblues und Schlafprobleme vertreiben, gegen Jetlag, Schlappheit und Konzentrationsschwäche helfen und gute Laune machen. Das alles mit dem blauen Spektralbereich des Lichts, das von einer LED-Technik erzeugt wird und meine Augen in Form von zwei Kreisen anstrahlt – netterweise so platziert, dass das Licht nicht frontal ins Auge scheint, sondern eher von oben. Dadurch bleibt das Blickfeld größtenteils frei. Und ich soll weiterarbeiten, -lesen, meine gewohnte Brille tragen können.

Mich hat das eher wuselig gemacht: Da kneift was auf meiner Nase, ich muss ständig um den ausladenden Steg herumplinsen, die Stirn „vernagelt“ durch einen quietschblauen Plastikreif. Und dann leuchten mir auch noch zwei blaue Spots auf die Oberlider. Von konzentriertem Arbeiten keine Spur mehr. Wozu nun das ganze Gedöns? Die Brille soll Gesundheitsprobleme durch Lichtmangel positiv beeinflussen. Indem sie Blaulicht zu speziellen Rezeptoren in der Netzhaut schickt. Darüber wirkt es auf die Zirbeldrüse im Gehirn und steuert die Produktion des „Schlafhormons“ Melatonin. Mit ihm Stimmungen, Antrieb, Schlaf-wach-Rhythmus, Konzentration und Leistungsfähigkeit. Medizinisch alles korrekt, aber ich bezweifle sehr, dass die Lichtintensität für diese Wirkungen ausreicht. Ich zumindest spüre nichts. Auch nicht nach 42 – zugegeben, nur jeweils 20-minütigen – Lichtduschen.

Weitere Infos

Der kompakte LED-Blaulichtstrahler „BlueLight mobile“ wird in den Farben Grau und Blau angeboten. Preis: ca. 357 Euro. Ausführliche Beschreibung auf www.drhoenle.de.

Fazit: Der Tragekomfort der Blaulicht-Brille ist eine Katastrophe. Wäre das meine Lesebrille, müsste ich meinen Job aufgeben. Laut Hersteller kann man während der Lichttherapie „lesen, arbeiten, fernsehen oder einfach nur ausspannen“ – auch Fehlanzeige. Mehr als ein wenig Wohlgefühl stellte sich nach der Lichtdusche nicht ein. Und das bestimmt nur, weil ich immer so happy war, wenn ich das Brillen-Monster wieder abnehmen durfte.

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