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Vital-Test Schonende Kopfhöhrer

Trends gibt`s ja viele. Aber was taugen sie? Wir testen für Sie ungewähnliche Methoden und Produkte, die Gesundheit und Wohlbefinden versprechen. Diesen Monat: Wie gut rockt ein Knochenleitkopfhöhrer?

Götz Poggensee

Dass Musik durch Mark und Bein geht, demonstrieren meine Kinder immer wieder. Den Spießer-Satz „Mach das leiser“ wollte ich eigentlich nie zu ihnen sagen. Ich tat’s trotzdem. Bill Kaulitz war schuld! Wir fanden einen Kompromiss: „Bitte nimm wenigstens die Kopfhörer.“ Schnell folgte dann ein kleiner MP3-Player, denn der ist ja so praktisch: Da passen zig Folgen TKKG drauf, was einen davor bewahrt, während einer achtstün-digen Autofahrt fünfmal „Alarm im Zirkus Sarani“ mithören zu müssen (für Fans: Folge 10).

Und da fängt schon das nächste Problem an: Als VITAL- Redakteur weiß man natürlich, dass stundenlanges MP3- Hören dem Trommelfell schadet. Was dort maximal aus den Stöpseln schallt, ist mit einem Lärmpegel knapp über 100 Dezibel mit Presslufthammer und Kettensäge vergleichbar – je nach Musikgeschmack durchaus passende Assoziationen. Ein Walkman der 80er-Jahre gab im Vergleich dazu Warmwassermusik von sich. Und gerade die modernen Einsteckstöpsel bewirken eine Verdoppelung der wahrgenommenen Lautstärke im Vergleich zu den Hörern mit Ohrmuscheln. Schon nach einstündiger Beschallung lassen sich Sensibilitätsverluste von 1,2 Dezibel messen. Zum Vergleich: So laut rascheln Blätter im Wald. Aber gerade nach diesem Geräusch sehnen wir uns doch so oft.

Dass Musik durch die Knochen geht, nutzten auch die japanischen Konstrukteure des Audio Bone. Denn ihr „Knochenleitkopfhörer“ überträgt Schallwellen direkt durch den Schädelknochen an das Innenohr. Der Vorteil: Das Trommelfell wird geschont. Na dann: Ich installiere die Hörer auf dem „Warzenfortsatz des Schläfenbeins“, schließe den Kopfhörer an, drücke auf Play und drehe die Lautstärke ordentlich auf. Schadet ja nix! Aber was ist das? Hört sich an wie ein altes Transistorradio am Boden einer Regenwassertonne. Die Bässe haben keinen Druck, die Höhen keine Brillanz, der Gesang wirkt gedrungen. Ich wechsle von Rock zu Mozart: Auch die perlenden Klavierläufe versuppen und machen nicht so richtig Spaß.

Weitere Infos

Schwimmer und Regen-Jogger nehmen gleich den Audio Bone Aqua, der funktioniert auch unter Wasser. Preise: 129 Euro (Aqua) bzw. 159 Euro. Tel. 0 21 59/9 29 78 00, www.audio-bone.eu

Und wie finden Kinder das Gerät? „Der Sound geht gar nicht, sieht uncool aus und meine Schwester kriegt voll mit, was ich höre.“ Begeisterung klingt anders. Enttäuscht stöpsle ich den Hörer in den Computer und höre Nachrichten übers Webradio. Und hey: Das ist gut! Denn mit dem Audio Bone höre ich das Telefon klingeln, die Kollegen auf dem Gang quatschen und fühle mich nicht so abgekapselt wie mit einem Ohrstöpsel. Der Bügel am Hinterkopf trägt sich zudem bequem und schont die Frisur (sagen die Kolleginnen).

Fazit: Viel Geld für ein Gerät, das nicht schön aussieht und nicht gut klingt. Aber Audio Bone ist eine echte Alternative für alle, die z. B. beruflich viel Kopfhörer tragen. Sei es beim Abhören von Diktiergeräten oder bei der Arbeit am Computer. Auch für Hörbücher gut geeignet. Aber leider nicht, um sich in Musik zu verlieren.

 

 

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