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Vital-Test Gehen auf Gummi-Noppen

Trends gibt’s ja viele. Aber was taugen sie? Wir testen für Sie ungewöhnliche Methoden und Produkte, die Gesundheit und Wohlbefinden versprechen. Diesen Monat: Kann Gehen auf Gummi-Noppen Nerven und Organe heilen?

Luise Iwan-Dettmar

Walken, Joggen, Wandern – ich laufe für mein Leben gern. In jedem Tempo, nur viel zu selten. Sehr beeindruckt hat mich mal ein Zen-Workshop mit stundenlangem Gehen. Bedächtig marschierten wir im Kreis, atmeten tief und vergaßen die Welt um uns herum. Darum war ich schnell von der Idee angetan, probeweise täglich auf der „Kieselsteinmatte“ zu „gehen“. Perfekt: ein Kieselstrand im Haus! Ans Meer komme ich ja nur noch selten; stattdessen kutschiere ich meine drei Söhne durch Hamburg zu Musikschule und Sport.

Voller Elan platziere ich also den Quasi-Strand vor dem Waschbecken: für jeden Fuß ein 50 x 50 cm großes Qua- drat aus hautfreundlichem Polyurethan, wie der Schweizer Hersteller der „goFit-Gesundheitsmatte“ versichert. Die Oberfläche sieht wie ein Kiesstrand aus, dessen „Kiesel“ leicht nachgeben. Ich will gleich beim Haareföhnen loslegen – trete erst mal unsicher auf der Stelle. Autsch! Die Noppen schmerzen wie echte Steine. Muss das sein?, denke ich, das Leben ist doch hart genug. Zum Glück darf ich am Anfang ein Badetuch drüberlegen, erlaubt die Gebrauchsanweisung. Danke! Hinter „goFit“ steht die Erkenntnis, dass jedem Organ eine Reflexzone auf der Fußsohle entspricht. Das regelmäßige Massieren dieser Punkte soll Blutgefäße und Darm anregen, Gang und Körperhaltung opti- mieren, Kopfweh und Erschöpfung mindern. Sogar Effekte auf das seelische Gleichgewicht wurden schon beobachtet, behauptet „goFit“. Das ist allerhand, aber vorstellbar.

Weitere Infos

Die 50 x 50 cm große goFit-Gesundheitsmatte gibt es in den Farben Blau und Terrakotta. Preis pro Stück 198 Euro. Über www.gofit-gesundheit.com, Tel. 00 41/(0) 71/9 17 29 08.



Meine Euphorie jedoch schrumpft. Lebenslang soll ich morgens und abends je 15 Minuten auf der Matte staksen? Offenbar existiert kein starkes inneres Bedürfnis, auf der Stelle zu treten. Der Mensch – jedenfalls ich – strebt vorwärts. „Laufen für die Seele“ heißt ein Bestseller von Michael Bauer. Darin erklärt der Mönch, wie man durch bewusstes Joggen Harmonie erlangt und die Persönlichkeit entwickelt. Auf meinem Gummiteppich spüre ich nichts davon. Von Mal zu Mal komme ich mir alberner vor, wie eine Marionette. Sorry, aber das „goFit-Training“ hat ein Problem: Es ist so öde! Was nützt das effektivste Fitnessgerät, wenn man sich nur schwer überwindet, es zu benutzen? Nie werde ich erfahren, ob die Matte wirklich Osteoporose verhindert. Denn ich gebe zu: Nach zwei Wochen habe ich den Test entnervt abgebrochen. Mit Schuld daran ist ein Hygiene-Problem: Zwischen den Noppen sammelt sich schnell Schmutz. Die Matten müssen regelmäßig unter die Dusche oder (flach!) in den Geschirrspüler. Nichts für Familien mit wenig Zeit und vielen dreckigen Töpfen.

Fazit: Die „goFit“-Matte mag sich für Menschen mit eiser- ner Disziplin eignen, die sich sonst wenig bewegen. Ich be- schließe, wieder öfter in Socken durchs Haus zu laufen und überhaupt mehr zu Fuß zu erledigen. So stimuliere ich die Reflexzonen doch auch, oder? Und schaue beim Föhnen nicht mehr so verkrampft aus der Wäsche.

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