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Gesundheit Belebendes Räucherstövchen

Trends gibt’s ja viele. Aber was taugen sie? Wir testen für Sie ungewöhnliche Methoden und Produkte, die Gesundheit und Wohlbefinden versprechen. Diesen Monat: Wirkt das Räucherstövchen reinigend und belebend?

Carolin Streck

Mit dem Rauchen habe ich zum Glück schon vor vielen Jahren aufgehört. Das war schwer genug. Jetzt fange ich wieder an – wenn auch in neuer, nikotinloser Form. Ich sitze vor meinem Versuchsobjekt, einem Räucherstövchen. Das miederfarbene tönerne Teil erinnert mich an meine Teenagerzeit. Da trank ich im Jugend- zentrum literweise aromatisierten Kirschtee, buk beseelt Friedensengel und zündete so viele Räucherstäbchen, -kegel und Duftkerzen an, dass der Küster stets streng mit dem Anrücken des kompletten kleinstädtischen Feuerwehrzugs drohte.

„Räucherkultur für Körper, Geist und Seele“ verspricht der Prospekt der Räuchermanufaktur Labdanum. Aha, Wellness durchs Riechorgan, das kann mir nur guttun, finde ich. Zumal Räuchern seit Anbeginn der Menschheit ein gern gepflegtes Ritual ist und von vielen Hochkulturen zelebriert wurde und heute noch wird. Was die Maya inspiriert, sollte mich auch ein Stück voranbringen. Also setze ich die Stövchenteile zusammen: lege das Edelstahldrahtsieb auf dem Gefäß ab und stelle ein angezündetes Teelicht hinein. Auf das Sieb streue ich das „Rauchwerk“. Die im Plastikbeutelchen mitgelieferte Kräutermischung trägt den Namen „Heilende Kraft“ und verheißt mir neue Kraft, Gesundheit und Vitalität. Hitze entwickelt sich, es kokelt, hellgrauer Rauch steigt auf. Bei mir setzt spontaner Hustenreiz ein. Ich habe den Eindruck, jedes einzelne meiner Lungenbläschen rebelliert. Doch so schnell möchte ich nicht aufgeben, ich bleibe dran.

Weitere Infos

Verkauft wird das Räucherstövchen „Ton“ für 33 Euro, Kräutermischungen kosten ab 7,90 Euro.

Kontakt: www.labdanum.de, Tel. 0 71 59/4 51 01

Im nächsten Heft: der Magic Sit zum Kräftigen des Beckenbodens

Oder besser: davor sitzen. Ich inhaliere tief, fühle mich aber bald nur benebelt und alles andere als inspiriert. Die freigesetzten Duftmoleküle sollen zwar gehörig das limbische System meines Gehirns stimulieren, aber Freude und Wohlgefühl fühlen sich für mich anders an. Sosehr ich mich auch bemühe: Die Bewusstseinserweiterung bleibt ein Wunschtraum. Es öffnet sich während der „spirituellen Reinigung“ auch kein innerer Seelenraum. Öffnen möchte ich dringend mein Fenster, und zwar sperrangelweit. Denn durch die vor sich hin glühende Kräutermischung riecht meine Küche inzwischen wie ein stark frequentierter Coffeeshop in Amsterdam.
Von wegen „ein wunderschöner Duft, der den ganzen Raum erfüllt“, wie der Prospekt sagt. Ich bin froh, dass ich die Küchentür geschlos- sen habe und so der Rest meiner Wohnung geruchstechnisch nicht kontaminiert wird. Dabei preist der Hersteller das Räuchern an als gut geeignet für „Kinderzimmer, Büros, Konferenz-, Praxis-, Behandlungs- und sehr kleine Räume“.

Nachtrag: Freunde von mir, die vier Tage nach meinem Selbstversuch zu Besuch kamen, fragten überrascht und vorsichtig: „Sag mal, bist du jetzt unter die Kiffer gegangen? Hier riecht es irgendwie komisch...“

Fazit: viel Rauch um nichts. Das Räucherstövchen wird aus meiner Wohnung verbannt.