VITAL Selbstmedikation

Verdauungsprobleme

"Autsch! Aber das krieg ich wieder hin." So denken viele und behandeln sich mit Hausmittel und rezeptfreien Arzneien. Welche wirklich helfen und wann Sie besser den Arzt fragen, sagt diese Serie. Diesmal: Verdauungsprobleme

Endlich Urlaub und dann das: Magen und Speiseröhre brennen nach dem Essen wie Feuer. Und der Bauch meldet "Kugelfisch-Feeling". Gerade in den ersten Tagen der schönsten Wochen des Jahres spielen Magen und Darm oft verrückt. Wieso das?  Beide Verdauungsorgane sind Knotenpunkte von insgesamt fast 130 Millionen Nervenzellen - und damit wahre Sensibelchen. Der Urlaubs-Vorbereitungs-Marathon, dazu der Reise- und Klimastress und die ungewohnte Küche: Das ist bei jedem zweiten Deutschen zu viel für die Verdauung. Sie muckt auf mit Sodbrennen und Verstopfung - gern auch im fiesen Doppelpack. Außerdem lauert vor allem in südlichen Ländern auf jeden dritten Urauber ein Reisedurchfall, weil in Wasser und verunreinigten Nahrungsmitteln Bakterien und Viren leben, die den Darm infizieren.

Die besten Hausmittel: Als Starthilfe für die Verdauung weichen Sie abends je fünf Dörrpflaumen und getrocknete Feigen in einem Liter lauwarmen Wasser ein. Morgens auf nüchternen Magen trinken, die Trockenefrüchte essen. Das hilft bei Sodbrennen: Einen Teelöffel feine Heilerde (Apotheke) mit einem halben Glas Wasser vor jeder Mahlzeit einnehmen.

Selbst behandeln - aber richtig: "Nie länger als maximal zwei Wochen selbst herumdoktoren" lautet die Faustregel bei Verstopfung und Sodbrennen. Kommen die Beschwerden nach dem Absetzten der Arzneien wieder, zum Arzt gehen. Das gilt vor allem für Abführmittel. Sie sind keine Dauerlösung, weil dann Darmveränderungen oder Herzprobleme drohen. Die sogenannten Protonenpumpenhemmer gegen Sodbrennen können Osteoporose fördern und lassen die Beschwerden nach dem Absetzten manchmal doppelt heftig wieder aufflammen. Durchfallmittel sollten nur im Notfall genommen werden, denn sie verhindern das Abtransportieren von Keimen aus dem Körper. Bei Fieber und Durchfall, der länger als zwei Tage dauert, grundsätzlich einen Arzt aufsuchen.

So schützen Sie sich: Das beste Rezept gegen Verstopfung sind fünf Portionen Obst (mit Schale) und Gemüse sowie 200 Gramm Vollkornbrot, -nudeln oder -reis pro tag. Dazu mindestens zwei Liter Flüssigkeit und 30 Minuten Power-Walking. Gut zu wissen: Antibabypille, Blutdrucksenker, Eisenpräparate oder Schlaftabletten machen die Verdauung träge. Auch vor Sodbrennen können Sie sich schützen: wenig Kaffee, Alkohol, scharf gewürzte Speisen und säurehaltige Säfte, fünf kleine statt drei große Mahlzeiten am Tag, drei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr essen und den Kopf nachts auf ein dickes Kissen betten. Die optimale Durchfall-Prophylaxe in südlichen Ländern: nur durchgegarte Lebensmittel essen, auf Salat und Eisenwürfel verzichten, Obst schälen, Wasser aus verplompten Flaschen trinken, damit auch die Zähne putzen.