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Schwerhörigkeit Neues Mini-Hörgerät

Ich höre schlecht? Kann gar nicht sein! Freiwillig gibt es niemand zu, sondern schiebt die Schuld auf Nuschler oder den Lärm. Ein neues, unsichtbares Mini-Hörgerät nimmt der Schwerhörigkeit ihren Grusel.

Schlecht hören

Von außen bleibt der kleine Helfer unsichtbar. Er sitzt tief im Gehörgang verborgen, 24 Stunden am Tag, vier Monate lang ohne jede Wartung. Beim Duschen, Tanzen oder Joggen, beim Schlafen, Telefonieren oder Musikhören. Und niemand ahnt auch nur ansatzweise, dass seine Trägerin eine kleine Hörschwäche hat. Durch das neue Einmal-Hörgerät „Lyric“ (vom Schweizer Hersteller Phonak) im Miniformat lassen sich Hörprobleme jetzt optimal lösen und elegant verstecken. Es ist eine Art „Kontaktlinse fürs Ohr“, ideal für alle, die auf keinen Fall mit einem sichtbaren Hörgerät in der Öffentlichkeit unterwegs sein wollen.

Denn noch immer gilt Schwerhörigkeit als Makel, bestätigt der Deutsche Schwerhörigenbund in Berlin. Auch deshalb tragen nur 2,5 der rund 14 Millionen Schwerhörigen bei uns ein Hörgerät. Wer gibt schon gern zu, dass er Gesprächen nicht mehr so gut folgen kann, wer will denn immer wieder nachfragen: „Was hast du gesagt?“ An Menschen mit Hörgerät haftet das Stigma „alt und gebrechlich“ – obwohl bereits jeder sechste Teenager schwer hört. Genau hier liegt die Chance für das neue, inklusive Batterie nur 16 Millimeter kleine Gerät, das schmerzfrei von einem Hörgeräte-Akustiker eingesetzt und wieder entfernt wird.

Aber „Lyric“ eignet sich nicht für jeden Patienten. Infrage kommt es nur bei leichter und mittlerer Schwerhörigkeit – also nur bei jedem zweiten Hörgeschädigten.

Adressen & Tipps

Deutscher Schwerhörigenbund e. V., Breite Str. 23, 13187 Berlin, Tel. 030/47 54 11 14, www.schwerhoerigen-netz.de

Website Hear-it: Diese nicht kommerzielle Internetseite nennt alle aktuellen wissenschaftlichen Informationen zur Schwerhörigkeit. www.german.hear-it.org

Wer zu Ekzemen oder Hautallergien neigt, sollte vorsichtig sein, denn die Haut an der Einsatzstelle im Gehörgang reagiert sehr sensibel. Auch Menschen mit starker Ohrschmalzproduktion könnte der kleine Verstärker Probleme bereiten. Und vor dem Schwimmen muss ein maßgefertigter Nässeschutz davorgesetzt werden. Neben diesen kleineren Nachteilen bringt das Gerät aber einen Riesenvorteil mit: Das gefürchtete Rückkopplungspfeifen im Ohr bleibt aus. Beim Preis glaubt man allerdings, nicht richtig gehört zu haben: „Lyric“ wird als Abonnement mit Laufzeiten von zwei bis drei Jahren angeboten. Pro Ohr und Monat werden für das Wegwerfgerät rund 150 Euro fällig. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nichts dazu. Verglichen mit der Lebensdauer eines normalen Hörgerätes von etwa sechs Jahren fallen für das Abo stattliche 10 000 Euro und mehr an. Im gleichen Zeitraum kostet eine High-End-Hörsystemlösung mit zwei Hörgeräten, Fernbedienung und Bluetooth nur rund 6500 Euro, von denen die Kasse bis zu 800 Euro erstattet.

Doch jedes High-End-System ist sichtbar, „Lyric“ dagegen wirkt im Geheimen. Das ermutigt dazu, überhaupt ein Hörgerät anzuschaffen. Gut so, denn schon beim ersten Zeichen von Hörproblemen sollte man gegensteuern. Eine aktuelle niederländische Studie mit 1511 Teilnehmern zwischen 18 und 70 Jahren zeigt: Das Risiko einer schweren Depression wächst pro Dezibel Hörverlust um fünf, das von Einsamkeitsgefühlen um sieben Prozent. Also, bitte keine falsche Scham!

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