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Leben ändern Wege aus dem Burn-out

Zwei Frauen wollen ihr Leben ändern – bevor nichts mehr geht. Die Diplom-Psychologin und Autorin Kerstin Jähne berichtet aus einem ihrer Workshops.

Wge aus dem Burn-out

Ständig sehe ich diesen Berg Arbeit vor mir. Und egal, wie sehr ich mich abrackere, er wird nicht kleiner.“ Mich als Workshop-Leiterin erfasst ein beklemmendes Gefühl. Wie sie das sagt – mit einer Distanz, als habe dieses Bild so gar nichts mit ihr zu tun. Dabei beschreibt die zierliche Frau, die mit Ende 30 noch etwas Mädchenhaftes hat, gerade ihr eigenes Leben! Allein mit drei Kindern – zumindest unter der Woche, während ihr Mann auf Montage ist –, kümmert sie sich um Familie, Job, den Haushalt und um ihre kranke Mutter. Eine Belastung, die auf Dauer niemand erträgt. Sie muss sich ausgepowert fühlen. Aber da schwingt noch etwas anderes mit. Sie wird es irgendwann erzählen, wenn sie dazu bereit ist. Jetzt hört Karen erst einmal zu, was die anderen Seminarteilnehmerinnen bewegt. Jede hat ihre eigene Geschichte zu erzählen, doch es geht vor allem um einen Punkt: die Sorge, nicht mehr zu „funktionieren“.

Die Angst vor der totalen Erschöpfung, dem sogenannten Burn-out, erfasst vor allem Menschen, die sich chronisch überlastet fühlen. Weil die Vorgaben nahezu unerfüllbar sind, Unterstützung ausbleibt oder die Arbeit sie emotional stark belastet. Das passiert besonders in sozialen Berufen, in denen intensive Beziehungsarbeit geleistet werden muss.

Heike, Anfang 40, kennt das. Als Krankenschwester ist sie Tag und Nacht für ihre Patienten da. Je nach Schicht und oft dar über hinaus. „Ich habe zusätzlich Wochenenddienste übernommen, war Heiligabend im Krankenhaus und auch zu Silvester. Auf mich wartet ja keiner mehr.“ Sie hält inne, fügt dann hinzu: „Seit mein Mann mich verlassen hat.“ Ihre volle Stimme verliert an Kraft, während sie das sagt. Fast ein bisschen verunsichert schaut sie zur Seite. Dabei kennt jede hier im Raum das Gefühl, auf dem falschen Weg zu sein, wo jeder Schritt weiter wegführt vom eigenen Selbst. Von persönlichen Bedürfnissen. Kurz: von dem, was wirklich wichtig ist. Stattdessen steuern viele auf anderer Ebene gegen: Nachdem Heike ihre Schicht beendet hat, schenkt sie sich oft erst einmal ein Glas Rotwein ein, um „runterzukommen“. Das entspannt. Wenigstens für den Moment. Karen leidet unter Schlafstörungen und nimmt regelmäßig Beruhigungsmittel. Sie schläft dann „wie ein Stein“, doch morgens fühlt sie sich nicht fit. Dann trinkt sie extra viel Kaffee und nimmt manchmal Aspirin.

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