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Ratgeber VITAL-Check: Woran erkennt man einen guten Arzt?

Was macht einen guten Arzt aus? Damit die Antwort leichter fällt, müssen alle Praxen in Deutschland jetzt Qualitätsstandards einführen.

Mehr als ein Viertel aller Patientinnen beschwerten sich Anfang September in einer Umfrage darüber, dass ihre Ärzte zu wenig Zeit für sie haben und ihnen nicht zuhören. Im Mai 2008 war noch alles in Ordnung. Damals war fast jede Zweite (47 Prozent) mit ihrem Arzt sogar sehr zufrieden. Aber woran erkennt man eigentlich einen guten Arzt und was macht seine Patienten zufrieden? Und noch wichtiger ist doch, wie ich einen Mediziner finde, bei dem ich wirklich gut betreut bin. Bislang gab es auf diese Fragen leider keine allgemeingültigen Antworten. Das soll sich jetzt ändern. Bis Ende nächsten Jahres, so hat es das Bundesgesundheitsministerium bereits 2004 festgelegt, müssen alle deutschen Arztpraxen ein sogenanntes Qualitätsmanagement- System (QM-System) einführen. „Es muss dann in jeder Praxis eine Art Handbuch geben, das festlegt, welche Leistungen sie den Patienten anbietet, wer dafür verantwortlich ist und wie man mit Fehlern und Beschwerden umgeht“, erläutert Tobias Huttner, 38, Fachmann für Qualitätsmanagement und Praxis-Prüfer beim TÜV Süd in München.

Eine gute Praxis weiß, was Patienten wollen

Zwei QM-Systeme haben sich mittlerweile durchgesetzt. Ihre Namenskürzel „ISO 9001“ und „QEP“ klingen beeindruckend kompliziert. Aber was nützen sie dem Patienten? „Sie schaffen Vertrauen“, sagt Huttner. „Der Patient sieht: Diese Praxis kümmert sich um Qualität. Sie achtet auf die Bedürfnisse der Patienten. Fragen diese z.B. oft nach einem bestimmten Test, wird die Praxis ihn bald anbieten. Alle Geräte werden regelmäßig gewartet, die Abläufe so geplant, dass sie schnell einen Termin bekommen und dann nicht länger als 30 Minuten warten müssen, außer es gibt einen Notfall. Läuft etwas nicht so gut und Patienten kritisieren das, können sie sicher sein, dass die Praxis ihre Kritik ernst nimmt.“

Immer mehr Ärzte sind bereits zertifiziert

Klingt gut. Aber auch das Papier eines QM-Handbuchs ist geduldig. Ist nicht schnell alles wieder beim Alten? „Nein“, beruhigt Tobias Huttner. „Immer mehr Praxen, die ein QM-System haben, lassen sich inzwischen zusätzlich zertifizieren.“ Noch ist das freiwillig. „Aber ein Zertifikat ist für den Arzt ein zusätzliches Qualitätssiegel.“ Um es zu bekommen, beauftragt er unabhängige Tester wie Tobias Huttner, die dann prüfen, ob das QM-System so umgesetzt wird, wie es die international gültige Norm vorschreibt. „Sicher, auch diese Prüfung ist immer nur eine Stichprobe“, weiß Huttner. „Doch Praxen, die ein Zertifikat haben, werden jährlich erneut begutachtet und können es auch wieder verlieren.“ Für uns Patienten heißt das: nachfragen, ob die Praxis zertifiziert ist. Und wenn ja, das sichere Gefühl genießen, dass man in guten Händen ist.

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Autor:
Stephan Hillig