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Gesundheit Therapien gegen Schlafstörungen

Ausgeruht aufwachen – das möchten wir alle. Aber Stress und Sorgen lassen viele von uns erst gar nicht einschlafen. Oder nachts stundenlang wach liegen. Helfen kann dann ein Termin in der Schlafschule. Vital war dort.

Frau liegt im Bett

Am Ende bleibt von einer Nacht nicht mehr übrig als zwei Blatt Papier. Auf dem einen stehen Zahlenreihen, auf dem anderen verlaufen bunte Linien, mal wild gezackt, mal schnurgerade. „Hier“, sagt Prof. Christian Krüger, Leiter des Universitären Schlafmedizinischen Zentrums Hamburg, und tippt auf einen winzigen schwarzen Balken, der eine rote Linie unterbricht. „Das war eine REM- oder Traum-Phase.“ Sein Zeigefinger wandert weiter. „Da war der Patient wach, hat es aber wahrscheinlich gar nicht gemerkt. Und da hat er sich umgedreht. Das macht jeder von uns bis zu zwölfmal in jeder Nacht.“ Besorgt ist er über etwas anderes: Atemaussetzer, sogenannte Schlaf-Apnoen. „40-mal hat der Patient aufgehört, zu atmen“, erklärt Prof. Krüger, hebt seine buschigen Augenbrauen und weist auf eine Linie in der Mitte des Blattes hin. „Sehen Sie, wie die Sauerstoffsättigung absinkt? Der Körper stand die ganze Nacht unter Stress. Wie soll er sich da erholen?“ Eine rhetorische Frage.

 

Je stärker wir Schlaf herbeisehnen, desto seltener stellt er sich ein
Rund 1500 solcher Ausdrucke werten Krüger und sein Team jedes Jahr aus. Es verbringen also etwa 125 Patienten pro Monat eine Nacht im Schlaflabor im vierten Stock des Krankenhauses Bethanien in Hamburg-Eppendorf, das es seit 1995 gibt. Zuvor war Krüger Chef-Internist einer anderen Klinik. Als die Schlafmedizin immer wichtiger wurde, sattelte er um. Inzwischen hat er das Rentenalter erreicht. Doch die Frage, was zwischen Wachen und Träumen geschieht, lässt ihn nicht los. „Es ist noch viel zu tun.“ Er meint die Forschung. Sie hat viel darüber herausgefunden, was nachts in uns passiert. Aber fast genauso viel liegt buchstäblich noch im Dunkeln.

„Ohne Computer wären wir längst nicht so weit“, meint Krüger. Pro Patient und Nacht fällt eine Datenmenge an, die ein Buch mit 900 DINA4- Seiten füllen würde. Ausgewertet wird sie von einem handelsüblichen PC. Atmung, Herzschlag, Gehirnaktivität, Muskelzuckungen, Beinbewegungen, Sauerstoffsättigung – all diese Daten werden gespeichert und aus den neun „Schlafzimmern“ der Station auf verschiedene Bildschirme in einem engen Kontrollraum übertragen. Hier kommen auch die Bilder der Restlichtkameras an, die alle Schlafenden filmen. Für Krüger und sein Team sind diese Aufnahmen Routine. Finden es die Patienten nicht merkwürdig, sich am nächsten Tag selbst beim Träumen beobachten zu können? „Nein“, sagt der Experte nach kurzem Nachdenken. „Sie sind erstaunt und häufig erleichtert darüber, dass sie tatsächlich schlafen.“

Denn bis zu diesem Moment sind viele Betroffene überzeugt, dass sie es nicht tun. „Diese Fehlwahrnehmung verschärft Ein- und Durchschlafprobleme noch“, erklärt Prof. Krüger. „Sie kann zu einer regelrechten Aversion gegen den Schlaf führen.“ Je stärker die Gedanken um ihn kreisen, desto seltener stellt er sich ein und umso größer wird die Abneigung. Ein Teufelskreis, der nicht selten dazu führt, dass Patienten regelrecht verlernen, zu schlafen.

So war es auch bei Helene Schwarz aus Limburgerhof bei Mannheim. „Trotzdem fand ich es schwierig, fast peinlich, zum Arzt zu gehen“, sagt die 55-jährige Erzieherin. „Ich wollte es allein schaffen.“ Doch je länger der Schlaf gestört ist, desto schwieriger wird es, sich aus eigener Kraft dagegenzustemmen. Deshalb gilt bei dem Kölner Schlafmediziner Dr. Michael Feld die sogenannte „Dreier-Regel“: Wer innerhalb von drei Wochen in drei oder mehr Nächten pro Woche drei Stunden oder länger wach liegt, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Insomnien, so der Fachbegriff, können körperliche Ursachen haben. Auch das sollte medizinisch abgeklärt werden. Außer Atemaussetzern rauben chronische Schmerzen, unruhige Beine, das sogenannte Restless-Legs-Syndrom, oder Probleme mit der Schilddrüse den Schlaf. Vor allem aber ist es der Kopf, der nicht zur Ruhe kommen will.

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Autor:
Stephan Hillig