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Gesundheit Je eher, desto besser

Die Chancen auf Heilung stehen gut, wenn eine Krankheit zeitig entdeckt wird. Früherkennung kann Leben retten - doch oft nutzen wir die Angebote nicht, die uns zustehen. Warum?
Krebs-Früherkennung

Vorsorge = Früherkennungs-Untersuchung

Ständig macht die Medizin Fortschritte in Sachen Diagnostik und Therapie. Doch am besten werden wir gar nicht erst schwer krank. Deshalb haben die Gesetzgeber bestimmte Untersuchungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen. Sie sollen Gesundheitsgefahren aufspüren und Krankheiten bereits im Frühstadium entdecken. Wer sagt „Ich gehe zur Vorsorge“, meint also eigentlich „Ich lasse eine Früherkennungs-Untersuchung machen“. Denn verhindern kann der regelmäßige Check beim Arzt eine Erkrankung nicht. Er erhöht allerdings die Heilungschancen um ein Vielfaches, gerade bei den gefürchteten Krebserkrankungen.

Darmspiegelung gegen Tumorbildung

Auf die richtet sich auch das Hauptaugenmerk der Kassen – durchaus mit Erfolg: Vor 30 Jahren starben noch gut zwei Drittel der Patienten an ihrer Krebserkrankung. Heute können bei manchen Arten, z. B. Brustkrebs, neun von zehn Betroffenen geheilt werden. Das liegt einerseits an weiterentwickelten Therapie- methoden, andererseits daran, dass immer mehr Tumoren frühzeitig entdeckt werden können. Liegt ein genetisches Risiko vor, übernimmt die Kasse die Kosten für eine frühere oder engmaschigere Überprüfung. Experten halten besonders die Darmspiegelung (Koloskopie) für sinnvoll. Denn dabei kann der Untersucher bereits Vorstufen identifizieren – Früherkennung im wahrsten Sinne des Wortes. Die Stellen werden dann abgetragen, noch bevor sich Krebstumoren bilden. Obwohl diese Untersuchung etwas Überwindung kostet, so überwiegt ihr Nutzen allemal. Trotzdem nimmt nur knapp die Hälfte der Frauen diese kostenlosen Termine in Anspruch, bei den Männern nur jeder fünfte.

Wir sind Meister der Verdrängung

Aber warum drücken wir uns vor Maßnahmen, die unser höchstes Gut, die Gesundheit, erhalten können? „Da spielen mehrere Punkte eine Rolle“, sagt Dr. Wolfgang Blohm von der Fachklinik für Hypnotherapie in Breklum. „Zum einen jagen uns schwere Krankheiten natürlich Angst ein, darum sind wir Meister im Verdrängen. Die meisten denken, mir passiert das nicht, das betrifft nur die anderen, und schieben die Bedrohung weit von sich. Zum anderen herrscht große Verunsicherung. Heute sagen Studien, diese und jene Untersuchungen seien nötig, morgen lesen wir von anderen, die behaupten: Alles Quatsch.“

Fehldiagnosen schwächen Körper und Geist

Tatsächlich mehren sich die Stimmen unter Medizinern, die den Nutzen der Mammografie (Röntgenuntersuchung der Brust), des Hautkrebs-Screenings und vor allem des PSA-Tests für Männer, der auf Prostatakrebs hinweisen soll, für fragwürdig halten. Etwa 80 Prozent der Männer über 70 zeigen diese Gewebeveränderung. Doch die meisten Männer sterben mit diesem sehr langsam wachsenden Krebs, aber nicht an ihm. Eingriffe führen meist zu Inkontinenz und Impotenz. Die Mammografie kann kleinste Gewebeveränderungen, auch harmlose, sichtbar machen. Rettet dieses Wissen wirklich Leben? Die Statistik sagt: eher nicht. Von 1000 untersuchten Frauen erhalten 100 die Fehldiagnose Brustkrebs („falsch positiver Befund“), von denen fünf mit Chemotherapie und Bestrahlung behandelt werden – inklusive aller körperlichen und seelischen Nebenwirkungen.

Die Schweiz hat sich daher kürzlich gegen die Einführung des flächendeckenden Mammografie-Screenings entschieden. Ähnliche Zahlen liegen zum Hautkrebs-Check vor. Von den 1000 Personen, die regelmäßig vor dem Hautarzt alle Hüllen fallen lassen, bekommen 340 einen auffälligen Befund – und durchleben bis zum Ergebnis der Biopsie Tage größter Angst. Doch nur drei von ihnen haben tatsächlich einen Tumor. Lohnen sich die dadurch ausgelösten Sorgen? Ist ein einziges gerettetes Leben den Stress der anderen Untersuchten wert? Diese Fragen muss jeder für sich bewerten und beantworten. Wenn Ihnen das Hautkrebs-Screening und die Mammografie ein gutes Gefühl verschaffen, gehen Sie hin! Falls Sie sich aber dagegen entscheiden, achten Sie unbedingt selbst auf Veränderungen, und gehen Sie bei Auffälligkeiten zum Arzt. Lassen Sie sich von Ihrer Frauenärztin zeigen, wie Sie Ihre Brüste abtasten können (online zu sehen auf www.brustkrebsdeutschland.de).

"Sie profitieren in jedem fall von der Untersuchung"

Hautkrebs können Sie tatsächlich vorbeugen: indem Sie sich an sonnigen Tagen sorgfältig eincremen. In der teils berechtigten Kritik am Nutzen mancher Früherkennungs-Methoden liegt gleichzeitig die Lösung des Problems: Nicht die Untersuchung richtet Schaden an Leib und Seele an, sondern der Umgang damit. Ärzte können Ängste nehmen, indem sie ausdrücklich von Vorstufen oder einem Verdacht und nicht gleich von Krebs sprechen. Und wir Patienten können uns bemühen, Ruhe zu bewahren, trotz der Angst überlegt zu handeln und nicht gleich den Teufel an die Wand zu malen. Nur selten bestätigt sich ein Verdacht. Dr. Blohm weiß, wie Sie das schaffen: „Machen Sie sich klar, dass Sie in jedem Fall von der Untersuchung profitieren. Wenn nichts gefunden wird – super! Und falls doch, besteht die größtmögliche Heilungs- chance“, erklärt der Mediziner. „Außerdem haben Sie in einem frühen Stadium noch Zeit, sich über die verschiedenen Therapiemöglichkeiten zu informieren und sich dann möglicherweise für eine weniger aggressive zu entscheiden.“

Abstand für Früherkennungs-Untersuchungen

Neben der Krebs-Früherkennung steht der „Check-up 35“ jedem über 35 im Abstand von zwei Jahren zu. Dabei sucht der Hausarzt nach Zeichen für Diabetes sowie Herz-Kreislauf- und Nieren-Erkrankungen. Auch der halbjährliche Termin beim Zahnarzt, der Zähne, Mund- und Rachenraum inspiziert, zählt zu den Kassenleistungen, die Schlimmeres verhindern sollen. Die Knochendichtemessung dagegen dient eher zur Diagnose der Osteoporose als zu deren Früherkennung. Liegen bestimmte Risikofaktoren vor und kam es bereits zu Knochenbrüchen, kommt die Krankenkasse für die Gebühr auf.

Uneinigkeit herrscht bei der Glaukom-Früherkennung. Die Augenerkrankung (grüner Star) kann im schlimmsten Fall zu Erblindung führen. Manche Ärzte empfehlen daher die Untersuchung des Sehnervs und des Augeninnendrucks für alle über 40 Jahre. Doch die gesetzlichen Kassen tragen die etwa 30 Euro dafür nur im Verdachtsfall. Unstrittig ist die Botschaft alle Früherkennungs-Maßnahmen: Geben Sie gut auf sich acht! Zwar bekommen Sie keine Garantie, doch am besten sorgen Sie mit einem gesunden Lebensstil vor und indem Sie die Allround-Risikofaktoren Übergewicht, Alkohol und Rauchen vermeiden. Vorbeugen, Anzeichen nicht ignorieren und dann durch einen Arztbesuch sicherstellen, dass rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden – diese drei Punkte bilden das Dream-Team für Ihre Gesundheit.