Allergien

Hilfe bei Heuschnupfen

Frühling voraus – wir freuen uns jetzt schon drauf. Doch für mehr als 20 Millionen Deutsche liegt dann was in der Luft: Sobald die ersten Pollen von Erle oder Birke fliegen, kommt der Heuschnupfen zurück. Vielen würde aber eine Hyposensibilisierung helfen. Gemeinsam mit einem Allergologen erklären wir die verschiedenen Varianten. Und wir haben einen Terminplan aufgestellt, damit Sie sehen, wann Sie loslegen sollten – und den nächsten Frühling uneingeschränkt genießen können

Frau, Wiese

7 Tage bis 4 Wochen vor der Pollensaison
Ideal für Berufstätige: Eine Turboversion der Hyposensibilisierung ist die Cluster-Immuntherapie. Wie bei den anderen Formen der Spezifischen Immuntherapie (SIT) erhält der Pollenallergiker per Spritze in steigender Konzentration genau die Pollen, die bei ihm die lästigen Heuschnupfenbeschwerden auslösen (= Allergene). Dies wirkt ähnlich wie eine Impfung gegen eine Infektionskrankheit. Das Immunsystem lernt nach und nach, nicht mehr oder zumindest weniger stark auf den Allergieauslöser zu reagieren.

Die Cluster-Immuntherapie beeindruckt durch die deutlich verkürzte Grundbehandlung, die Erhaltungstherapie wird schneller erreicht. „Bei dieser neuen Form der Hyposensibilisierung verabreicht man in wöchentlichen Abständen zwei bis drei Injektionen pro Behandlungstag – mit einer Pause von mindestens 30 Minuten zwischen den Einzelinjektionen“, erklärt Prof. Ludger Klimek, Leiter des Allergiezentrums Wiesbaden. „So wird die individuelle Maximaldosis schon nach sieben Tagen bis vier Wochen erreicht. Dadurch sparen die Patienten viel Zeit. Aber vor allem wirkt die Cluster-Immuntherapie sehr gut. Deshalb stellt sie für viele Allergiker die ideale Behandlung dar.“ Weil die Therapie jedoch wie jede Hyposensibilisierung besonders am Anfang allergische Reaktionen auslösen kann, muss sie streng vom Arzt überwacht werden.

 

4 bis 8 Wochen vor der Pollensaison
Eine Alternative zur „Schnell-Impfung“ ist die Kurzzeit-Immuntherapie. Dabei gibt der Arzt dem Patienten vor dem ersten Pollenflug vier bis acht Spritzen mit „seinen“ Allergenen. „Auch bei dieser Variante soll die allmählich ansteigende Dosis unempfindlicher machen gegen die Allergene“, sagt Klimek. „Das Erfolgsrezept jeder Hyposensibilisierung besteht nach heutigen Erkenntnissen darin, dass sie regulierende Immunzellen aktiviert, die vor zukünftigen allergischen Reaktionen schützen. Das Abwehrsystem des Körpers kann sich auf diese Weise später selbst vor einem allergischen Schub bewahren. Das ist im besten Sinn sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe.“

Besonders empfindliche „Heuschnupfler“ vertragen aber manchmal keine Injektionen. Sind Gräserpollen ihre Feinde, können sie auf Tropflösungen ausweichen. Sie werden unter die Zunge geträufelt und dann über die Mundschleimhaut aufgenommen. Diese Form der Hyposensibilisierung nennen Mediziner auch Sublinguale (lat: unter der Zunge) Immuntherapie (SLIT). Obwohl diese Methode für den Laien zunächst nicht so effektiv klingt wie die per Spritze: Zahlreiche Studien belegen ihre therapeutische Wirksamkeit.

Alles Abzocke?

Die Industrie bringt ständig neue Produkte gegen Heuschnupfen auf den Markt – einige mit dubiosem Nutzen

Cremes und Sprays, die in der Nase einen Schutzfilm gegen Pollenattacken bilden sollen: Die meisten Allergologen bezweifeln ihre Wirkung. „Ich kenne keine Studie, die ihre Wirksamkeit belegt“, sagt Prof. Ludger Klimek, „deshalb rate ich von solchen Produkten ab.“

Schutzgitter für die Fenster: Studien belegen, dass derartig abgeschottete Räume zwar eine niedrigere Pollenkonzentration aufweisen, aber eben nicht pollenfrei sind. Kein schlechter Ansatz, doch wer hält sich den ganzen Tag drinnen auf?

Adressen & Tipps

Deutscher Allergie- und Asthmabund, Fliethstr. 114, 41061 Mönchengladbach, Tel. 0 21 61/81 49 40, www.daab.de

Allergiezentrum Wiesbaden, An den Quellen 10, 65183 Wiesbaden, Tel. 06 11/3 08 60 80, www.allergiezentrum.org

 

6 Wochen bis 4 Monate vor der Pollensaison
Ein Klassiker und auch häufigste Form der Immuntherapie ist die Subkutane (lat: unter der Haut) Hyposensibilisierung (SCIT). Wer sich in Form der Cluster- oder Kurzzeittherapie nicht durch die Spritzenzyklen hetzen möchte, wählt das „gemütlichere“ Modell, bei dem die Grundbehandlung im Schnitt bis zu vier Monate dauern kann. Der Arzt spritzt wöchentlich eine standardisierte Allergenlösung mit ansteigender Dosierung unter die Haut am Oberarm. Abwehrzellen, die im Hautgewebe patrouillieren, nehmen den Allergieauslöser auf und alarmieren das Immunsystem. Es reagiert zwar noch darauf, aber von Mal zu Mal schwächer. Die Spritzenimpfung wird so lange fortgeführt, bis eine vom Arzt errechnete Höchstdosis erreicht ist.

„Moderne Präparate erzielen einen hohen Therapieerfolg. Davon profitiert nicht nur die Mehrzahl der Heuschnupfenpatienten, sondern auch die der Insektengift- und Hausstaubmilbenallergiker“, so Klimek. „Diese Wirkung hält meist noch Jahre nach Beendigung der Therapie an – oftmals sogar das ganze Leben lang. Dann kann man tatsächlich von einer Heilung sprechen.“ Wichtig zu wissen: Haben Naselaufen und Augenbrennen schon eingesetzt, kommt jede Art der SCIT, jede Form der Hyposensibilisierung generell zu spät.

 

3 Jahre vor der Pollensaison
Für alle Varianten der Spezifischen Immuntherapie gilt: Sobald die Allergen-Höchstdosis erreicht ist, schließt sich eine Fortsetzungsbehandlung an. Die Allergenlösung wird dann über einen Zeitraum von etwa drei Jahren circa alle vier bis sechs Wochen unter die Haut gespritzt. Das lockt das Immunsystem immer wieder aus der Reserve und macht es schließlich unempfindlich. Im Idealfall lernt es, sich mit harmlosen Waffen gegen den Allergieauslöser zu wehren. Statt des Allergiefördernden Antikörpers IgE produziert es dann den Antikörpertyp IgG, der völlig „handzahm“ ist und keine Allergie anschiebt.

Die sogenannte Gräserimpftablette ist eine Dauerform der Hyposensibilisierung. Einfach jeden Tag eine mit der Höchstdosis an Gräserextrakten unter die Zunge legen – schon kommen die Niesattacken deutlich seltener. Gleichzeitig braucht man weniger Medikamente gegen Heuschnupfensymptome. HNO-Arzt Prof. Ludger Klimek: „Diese Immuntherapie per Tablette ist eine große Chance für Gräserpollenallergiker, die immerhin rund 70 Prozent der Heuschnupfenpatienten ausmachen.“ Allerdings eignet sie sich nicht für Ungeduldige: Die Gräserimpftablette muss Tag für Tag, drei Jahre lang, gelutscht werden. Das kann schon mal nerven.