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Stammzellen-Forschung Heilung aus dem Labor

Ganze Organe sollen zukünftig im Reagenzglas nachwachsen. „Tissue Engineering“ heißt diese neue Technik. Heilsbringer oder Humbug?

Labor

Der Knorpel braucht jetzt eine Pause. Er steckt in einem sogenannten Bioreaktor am Institut für Technische Chemie der Universität Hannover. Dr. Cornelia Kasper hat ihn entwickelt und bereitet ihn in dem Gerät auf seine Arbeit im menschlichen Körper vor. „Die Zellen müssen schon jetzt so belastet werden, wie es ihrer natürlichen Aufgabe entspricht. Sonst würden sie sich gar nicht erst in die richtige Richtung entwickeln“, erklärt die Forscherin. „Züchten wir Blutgefäße, lassen wir sie von einer Pumpe ständig mit Nährlösung durchspülen, damit die Zellen sich auf diese Dauerbelastung einstellen. Knorpelgewebe wird von einer Maschine immer wieder vorsichtig zusammengedrückt.“ Aber es darf sich auch mal erholen. „Das ist wie beim Sport“, sagt Dr. Cornelia Kasper. „Der Körper passt sich ja einer wachsenden Belastung an, wenn Reize regelmäßig einwirken und zwischendurch Erholungsphasen kommen.“ Nein, das ist keine Szene aus einem Zukunftsroman.

Forscher können tatsächlich die Bauteile, aus denen wir bestehen, außerhalb des Körpers nachzüchten. „Tissue Engineering“ nennen sie das. Wörtlich übersetzt: Gewebe-Bau. Neben den USA führt Deutschland dieses Medizingebiet an, mehrere Institute arbeiten parallel an neuen Anwendungsmöglichkeiten. Allein in diesem Jahr erhalten sie dafür von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn und dem Bundesforschungsministerium in Berlin rund 23 Millionen Euro.

Eine Menge Geld für einen ehrgeizigen Plan: Jede Art von Gewebe – Haut, Knochen, Nerven, Organe, Gefäße –, das durch eine Krankheit oder einen Unfall beschädigt wird, soll in Zukunft aus gesunden körpereigenen Zellen des Patienten im Labor nachgezüchtet werden. Weder kommen ethisch umstrittene embryonale Stammzellen zum Einsatz, noch muss länger auf ein Spenderorgan gewartet werden, das der Körper schlimmstenfalls wieder abstößt.

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