[Alt-Text]

Elektromagnetische Strahlung Risikofaktor Elektrosmok

Elektrosmog: Zu diesem Thema kursieren fast so viele Ansichten wie Geräte, die elektromagnetische Felder freisetzen. Darum fragen sich die stark verunsicherten Verbraucher, wie sie sich am besten vor Strahlen schützen.

Frau mit Handy

„Handys könnten Krebs verursachen“, warnte im Juni die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Nur einen Monat später ergab eine Studie des Britischen Instituts für Krebsforschung, dass es „immer wahrscheinlicher“ wird, dass mobiles Telefonieren das Tumor-Risiko nicht erhöht. Was stimmt denn nun? Wie gefährlich ist der sogenannte Elektrosmog? VITAL hat nachgehakt.

 

Was ist Elektrosmog überhaupt?
Ob Haartrockner, CD-Player, Fernseher oder Computer: Sobald Strom fließt, bauen sich elektromagnetische Felder auf. „Unterschieden werden sie nach ihrer Wellenlänge“, erläutert Anja Schulte-Lutz vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter. „Niederfrequente elektromagnetische Felder treten bei Stromfluss auf. Hochfrequente Felder werden für die Funkübertragung genutzt, etwa beim Radio oder für das Handy.“ Ein Fön erzeugt z.B. ein drei Kilohertz starkes Feld, also 3000 Schwingungen pro Sekunde, eine drahtlose Internetverbindung (kurz: WLAN) sogar bis zu fünf Milliarden Schwingungen in der Sekunde. Umgangssprachlich hat sich dafür der Begriff „Elektrosmog“ eingebürgert. Allerdings sind elektromagnetische Felder weder ein Abfallprodukt, noch verteilen sie sich in der Luft.

 

Nimmt der Elektrosmog in der Umwelt zu?
Eindeutig ja. „Mit der Zahl der technischen Geräte steigt die Zahl potenzieller Elektrosmog-Quellen“, sagt Dr. Rolf Buschmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Außerdem werden die bestehenden Funknetze hochgerüstet, weil immer mehr Menschen per WLAN ins Internet gehen oder mit dem Handy kommunizieren. Auch neue Technik im Haushalt – etwa Energiesparlampen oder die Funkfernsteuerung für die Heizung – erhöht die Elektrosmog-Belastung. „In der Summe kommt da ganz schön was zusammen“, sagt Buschmann.

 

Wie reagiert der Körper auf elektromagnetische Felder?
Das hängt von ihrer Stärke und Frequenz ab. Intensive niederfrequente Felder können z. B. Nerven- und Muskelzellen reizen. „Schlimmstenfalls stört das die Herzfrequenz“, warnt Anja Schulte-Lutz. Einigen Studien zufolge steigt bei Dauerbelastung das Alzheimer-Risiko – etwa bei Menschen, die sehr nahe an einer Hochspannungsleitung wohnen. „Innerhalb der gültigen Grenzwerte ist jedoch keine Gesundheitsgefahr zu befürchten“, sagt die BfS-Sprecherin. Elektromagnetische Felder von Handy oder Mobilfunk-Masten werden dagegen vom Körpergewebe aufgenommen und in Wärme umgewandelt. Ob dies nach Jahren Krebs auslöst, wird intensiv erforscht – bislang ohne eindeutige Ergebnisse.

 

Was genau besagt die neue Handy-Studie der WHO?
Sie lieferte sozusagen nur einen leisen Verdacht. 31 Forscher werteten für die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) nochmals verschiedene große aktuelle Studien aus. Ergebnis: Nach zehn oder mehr Jahren haben nur Vieltelefonierer ein leicht erhöhtes Risiko, an sehr seltenen Hirntumoren zu erkranken. Das Ganze, räumten die Forscher ein, könne aber auch ein statistischer Zufall sein. Dennoch raten sie, nicht mehr Handystrahlung zu riskieren als nötig. „Aus Vorsorgegründen ist dieser Ratschlag absolut vernünftig“, sagt auch BfS-Expertin Schulte-Lutz. Das gilt vor allem für Kinder.

 

Löst Elektrosmog Symptome wie Kopfschmerzen aus?
Immer mehr Bundesbürger antworten: Ja, gar kein Zweifel. Rund sechs Prozent der Deutschen fühlen sich laut einer Umfrage des BfS durch die Strahlung von Handys oder Schnurlostelefonen in ihrer Gesundheit beeinträchtigt – vor allem in Form von Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Schlafstörungen. „Wissenschaftliche Studien bestätigen solche Gesundheitsfolgen allerdings nicht“, schränkt Elektrosmog-Experte Buschmann ein. So können Menschen, die sich als „elektrosensibel“ bezeichnen, zum Beispiel nicht besser als andere feststellen, ob in ihrer Nähe ein Mobiltelefon funkt.

 

Bilden sich Betroffene ihre Elektrosensibilität nur ein?
Nein, die Kopfschmerzen oder Schlafprobleme sind real. „Menschen, die über Elektrosensibilität klagen, leiden unter ernst zu nehmenden Beschwerden“, betont Schulte-Lutz. Dennoch bleibt der Auslöser der Gesundheitsprobleme oft rätselhaft. Gut möglich, dass das Unbehagen vor der unsichtbaren Strahlung, also die Psyche, eine wichtige Rolle spielt. Denkbar ist aber auch, dass vor allem viele verschiedene Elektrosmog-Quellen einem empfindlichen Organismus tatsächlich zusetzen. „Gerade was das Zusammenwirken verschiedener Felder betrifft, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, so Buschmann.

Sicher mit dem Handy telefonieren
  • Voller Empfang: Telefonieren Sie möglichst nicht im Keller oder in der Tiefgarage. Je schlechter der Empfang, desto stärker die elektromagnetische Strahlung des Handys. Ein Blick aufs Display verrät, ob man gerade im Funkloch steht. 
  • Freisprechanlage: Baut das Handy eine Verbindung auf, erhöht sich kurz seine Sendeleistung. Halten Sie das Gerät also erst ans Ohr, wenn’s beim anderen klingelt. Noch besser sind Freisprechanlagen, weil sie den Abstand zur Handyantenne vergrößern. 
  • Handy-Kauf: Achten Sie auf einen niedrigen SAR-Wert (spezifische Absorptionsrate). Er sollte bei 0,6 Watt pro Kilogramm Körpergewicht oder niedriger liegen. Weitere Infos dazu finden Sie unter bfs.de.

 

Wie reduziert man den Elektrosmog im eigenen Haushalt?
Das gelingt schon mit einfachen Tricks: Schalten Sie den Fernseher oder die Stereoanlage immer komplett ab – nicht auf Stand-by lassen. „Elektrische Geräte, die nachts im Schlafbereich eingesetzt werden – wie Babyfone und netzbetriebene Radiowecker –, sollte man mit Abstand zum Bett aufstellen“, rät Anja Schulte-Lutz. „Denn die Wirkung der Strahlen lässt schon nach kurzer Entfernung deutlich nach.“ Deshalb verbannt man auch die Basisstation des Schnurlostelefons am besten vom Wohnzimmer in den Flur, wo man sich nur selten aufhält. Einige Experten empfehlen auch – EU-Verordnung hin oder her –, die Schreibtischleuchte mit einer klassischen Glühbirne zu bestücken statt mit einer Energiesparlampe. Denn die erzeugt ebenfalls ein hochfrequentes Feld.  

 

Krank durch Elektrosmog – wer hilft einem dann?
Ziehen Sie einen Baubiologen zurate. Der Experte scannt die Wohnung mit speziellen Messgeräten und ermittelt so die tatsächliche Höhe der Strahlenbelastung. „Zugleich erkennt er, ob etwa eine Hochspannungsleitung, ein Funkmast, eine defekte Mikrowelle oder eine andere Quelle dahintersteckt“, sagt Verbraucherschützer Buschmann. Qualifizierte Sachverständige nennt der Berufsverband Deutscher Baubiologen in Jesteburg unter Tel. 08 00/2 00 10 07 und baubiologie.net. Wünschelruten eignen sich dagegen nicht, um Strahlenquellen aufzuspüren. „Das ist esoterischer Humbug“, warnt Dr. Buschmann.