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Die Rasterbrille

Trends gibt’s ja viele. Aber was taugen sie? Wir testen für Sie Außenseitermethoden und Produkte, die Gesundheit und Wohlbefinden versprechen. Diesen Monat: Kann eine Rasterbrille zu neuen Seh-Eindrücken verhelfen?

Aus dem Spiegel starrt mir Puck, die Stubenfliege, entgegen. Ich muss unwillkürlich lachen. Im Optik-Test bekommt meine neue Rasterbrille trotz des sportlichen Designs also nicht die volle Punktzahl. Aber darum geht es schließlich auch nicht. Sie soll die Augen entspannen, wo ständige Computerarbeit sonst den Blick erstarren lässt. Mit etwas Training ließen sich ganz neue Seh-Eindrücke gewinnen, und möglicherweise verbessere sich sogar die Sehschärfe, heißt es in einschlägigen Büchern und Info-Schriften. Das klingt interessant.

Weitere Infos:

Rasterbrillen gibt’s ab ca. 25 Euro. Bestellen: Medinat, Tel. 0 87 66/92 09 10, www.medinat.de/shop. Buch-Tipp: „Natürlich besser sehen“, von Janet Goodrich, VAK-Verlag, 14,95 Euro.

Doch zunächst muss ich mich mit meiner Lochbrille noch ein bisschen mehr vertraut machen. Während beim normalen Sehen auf die gesamte Pupille Licht trifft, das dann gebündelt und zur Netzhaut geleitet wird, bündelt die Rasterbrille das Licht vor dem Auge. Die kleinen Löchlein lassen nur die Strahlen, die direkt auf das Zentrum der Netzhaut, also auf die Stelle des schärfsten Sehens, gerichtet sind, durch.

So entstehen scharfe, aber unzusammenhängende Einzelbilder, die sich teilweise auch noch überlagern. Dieser etwas verwirrende Seh-Eindruck fordert das Gehirn heraus. Es versucht nun, aus den Detailausschnitten ein stimmiges Gesamtbild herzustellen. Um das zu erreichen, erhöht es die Geschwindigkeit der Blickbewegungen. Das wiederum kräftigt die Augenmuskulatur. So weit die Theorie.

Aber halten sich meine Augen auch daran? Ich folge den Übungsvorschlägen: Zunächst betrachte ich mich eine Weile durch die Brille im Spiegel. Nehme die Löchlein bewusst wahr und bewege den Kopf leicht hin und her. Dann wird der Rundumblick trainiert: langsames Drehen im Kreis, Durchschreiten des Raumes erst mit, dann ohne Brille. Dafür muss ich leider auf meine gemütlichen Schummerlampen verzichten. Da die Rasterbrille rund 70 Prozent des Lichteinfalls abschirmt, brauche ich es jetzt richtig hell. Die verwirrten Blicke meiner Kollegen, die sich offensichtlich fragen, warum ich mich bei Festbeleuchtung und mit dunkler Brille auf der Nase minutenlang um die eigene Achse drehe, versuche ich zu ignorieren. Die Belohnung: Schon nach kurzer Zeit fühlt sich das veränderte Sehen nicht mehr fremd an. Das Bild wird schärfer und ein Ganzes, die Überlagerungen verschwinden. Noch zwei kurze Entspannungsübungen – schon sind die 20 Minuten Eingewöhnungsprogramm herum. An den nächsten Tagen geht es mit Augen-Yoga sowie neuen Seh- und Bewegungsübungen weiter. Das klappt gut und entspannt den Blick innerhalb weniger Minuten. Beim Lesen und Fernsehen ziehe ich aber nach wie vor einen (raster-)freien Blick vor.

Fazit: Die Lochbrille verschafft den Augen eine angenehme Auszeit während oder nach der Bildschirmarbeit. Ob ich zukünftig auch auf meine Kontaktlinsen verzichten kann, werde ich wohl frühestens in ein paar Wochen wissen. Aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

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Autor:
Eva Möller-Hübbe