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Die perfekte Kontaktlinse

Sie sind so dünn und klein wie nie. Trotzdem sollte jede Kontaktlinse immer exakt ans Auge angepasst werden

Frage: Was macht ein Brillenträger, wenn er aus der herbstlichen Kälte ins gemütlich beheizte Zuhause kommt? Antwort: Er wartet, bis sich der Nebel verzogen hat. Längst nicht die einzige Situation, in der Kontaktlinsen un(be-)schlagbar im Vorteil sind. Fast unsichtbar, stören sie nicht wie eine Brille im Gesicht beim Sport, und auch der Blick zur Seite bleibt scharf – ohne Randerscheinung.

Für einen Computer sieht unsere Hornhaut fast so aus wie der Meeresboden

Tatsächlich gibt es mittlerweile kaum noch einen Sehfehler, der nicht mit Kontaktlinsen korrigiert werden kann. „Trotzdem sind und bleiben sie ein Fremdkörper im Auge“, betont Dr. Gudrun Bischoff, Augenärztin in Hamburg und Vorsitzende der Deutschen Augenärztlichen Kontaktlinsengesellschaft (DAKG). „Jede Linse muss so genau wie möglich angepasst werden. Sie muss zum Leben und vor allem zum Auge ihres Trägers passen.“ Keine leichte Aufgabe. Ist doch unsere Hornhaut, auf der die Haftschale später schwimmt, so individuell wie unser Fingerabdruck. Wird die Wahl der passenden Linse damit aber nicht zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen? Nein, nicht mehr. Denn die erledigen heute Computer (Keratographen). Mittlerweile gibt es Systeme, die über 22 000 Messpunkte auf der Hornhaut innerhalb von Sekunden erfassen können. Dazu schicken sie Licht- oder Laserstrahlen in das Auge und ermitteln, wie viele davon zurückkommen. Eine spezielle Software berechnet daraus ein mehrfarbiges dreidimensionales Bild der Hornhautoberfläche. „Das sieht dann etwa so aus, als hätte ein Forschungsschiff den Meeresboden abgetastet“, erklärt Dr. Bischoff. Die Farbe Grün heißt: Hier gleicht die vermessene Hornhaut der eines Durchschnitts-Europäers. Gelbe und rote Bereiche sind steiler, blaue und violette Bereiche flacher. „Die Kontaktlinse an solche Abflachungen genau anzupassen, ist das eigentliche Kunststück“, so die DAKG-Expertin. „Die Zahl der Messpunkte, die der Computer erfassen kann, ist deshalb auch nicht so entscheidend. Viel wichtiger ist die Software, die sie verarbeitet.“

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