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Der Schlafphasen-Wecker

Trends gibt’s ja viele. Aber was taugen sie? Wir testen für Sie Außenseitermethoden und Produkte, die Gesundheit und Wohlbefinden versprechen. Diesen Monat: Wirklich hellwach mit dem Schlafphasen-Sleeptracker?

Traumfabrik

Meinem Biorhythmus zuliebe bin ich mit ihm ins Bett gegangen. Und was war? Innere Uhr außer Rand und Band, Laken grausam zerwühlt – und ich morgens wie gerädert. Aber nicht durch die Leidenschaft der ersten Nacht. Sondern zum einen durch die „Klettigkeit“ meines Bettgenossen, dem „Sleeptracker“. Der hing mir nämlich bedrängend hautnah am Handgelenk. Ein No-go für eine Frau wie mich, die zur Fraktion der „schmucklosen Schläferinnen“ gehört. Und dann das Programmieren: Stunden hat das gedauert. Hätte ich bloß ein IT-Bachelor in der Tasche! In dem fachchinesischen, englischsprachigen Begleitheft war da vom Einstellen der „almost awake“-Momente die Rede, von „Data-Review“, „To-Bed-Feature“ und von der „Window-Funktion“. Irgendwann nach Mitternacht war der Kampf vorbei: Wecker gestellt – ich bloß nicht mehr müde.

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Den „Sleeptracker“ gibt es in mehreren Ausführungen. Z. B. für ein zartes Handgelenk oder mit kompaktem Metallgehäuse. Preis: ab ca. 150 Euro. Infos: www.sleeptracker.de

Und wozu nun das ganze Gewurstel? Gute Frage! Pünktlich wecken soll mich der „Sleeptracker“ doch in erster Linie, wie jeder stinknormale Wecker. Tut er ja auch, aber nach meinem Biorhythmus. Will heißen: Er weckt mich nur dann, wenn ich mich nicht im tiefsten Schlaf befinde, sondern in einer Leichtschlafphase. Dadurch soll ich frisch und fröhlich aus dem Bett hüpfen und mich nicht wie bei herkömmlichen Weckern übellaunig und bleischwer aus selbigem herausquälen. Das überzeugt. Rein theoretisch.

Funktionieren soll das mit einem eingebauten Bewegungsmesser. In der zweiten Nachthälfte befindet sich der Körper in sogenannten REM-Schlafphasen. In denen schnorcheln wir tief und fest, träumen und liegen bewegungslos wie ein Brett im Bett. Dazwischen sind Phasen eines leichteren Schlafs. Wir werden dann unbewusst kurz wach, um uns umzudrehen. Das soll der „Sleeptracker“ wie ein Bewegungsmelder aufzeichnen. Und er speichert die individuelle Architektur der Schlafphasen für zwölf Stunden. Mit der mitgelieferten Software kann der Wecker-Besitzer seine „Murmeltier-Muster“ dann analysieren. Schön und gut – aber ich will keine Schlafforscherin werden, sondern eigentlich nur easy und pünktlich wach werden.

Nun kommt der Clou, der den „Sleeptracker“ zum Wecker einer ganz neuen Dimension machen soll: Ich kann ein Weckzeitfenster programmieren. Ich stelle also eine spätestmögliche Weckzeit ein. Sagen wir mal sieben Uhr. Dann programmiere ich noch ein vorgelagertes Zeitfenster. Da nehme ich 30 Minuten. Der „Sleeptracker“ weckt mich also zwischen halb sieben und sieben. Und zwar genau dann, wenn ich im Leichtschlaf bin. Das Ende vom Lied: Sechs Nächte wurde ich vor lauter Schlafphasen-Bewusstsein jeden Morgen glatt eine Stunde vor dem „Sleeptracker“ wach. Leichtschlafphase hin oder her. Fazit: Ich finde den Handgelenks-Wecker nicht wirklich „ausgeschlafen“. Denn wer morgens immer zur selben Zeit aufsteht, ist sowieso schon vor dem Vibrationsalarm im Leichtschlaf. Also: viel technisches Getue um nichts!

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Autor:
Susanne Schütte