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Interview mit Dr. Annett Gauruder-Burmester Der Liebesmuskel

Heute schon mal intensiv an Ihrem Lieblingsduft geschnuppert oder den Himmel genau angeschaut? Das schärft Ihre Sensibilität – und stärkt den Beckenboden. Und das wiederum steigert Lust und Gefühle. Eine Expertin erklärt’s.

Sinnlich klingt der Begriff „Beckenboden“ nicht gerade. Genauso unsexy kommt seine medizinische Definition als bindegewebig-muskulöser Boden des kleinen Beckens rüber. Aber die moderne Sexualmedizin macht Schluss mit seinem rein anatomischen Schattendasein. Sie erkennt immer klarer, dass er der „Liebesmuskel“ der Frau ist, eine feinnervige Empfangszentrale für Lust und Gefühle, eine Art zusätzliches Sinnesorgan mit direktem Draht zum Gehirn. Wie das genau geht, erklärt eine Beckenboden-Expertin.

Interview mit Dr. Annett Gauruder- Burmester, Leiterin des Interdisziplinäre Beckenbodenzentrums in Berlin

VITAL: Spüren alle Frauen ihren Beckenboden?

Dr. Annett Gauruder-Burmester: Die meisten wissen, dass sie einen Beckenboden haben, aber nicht genau, wo er sich eigentlich befindet. Bei vielen Frauen funktioniert er von allein, reagiert reflexartig, also automatisch z.B. beim Husten, und sorgt so dafür, dass die Harnröhre geschlossen bleibt. Aber durch Geburten, starkes Übergewicht oder einfach, weil man ein schwaches Bindegewebe hat, kann diese Funktion gestört sein. Millionen Frauen leiden deshalb unter Inkontinenz. Dann wird es wichtig, die Beckenbodenmuskulatur gezielt aufzubauen. Außerdem profitiert jede Frau von einem guten Körpergefühl in diesem Bereich. Denn so kann sie nicht nur einer Blasenschwäche vorbeugen, sondern auch die genitale Sexualität intensiver empfinden.

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