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Krankheit Das Protokoll einer Hypochonderin

Eingebildete Kranke: Manche Menschen leiden unter Erkrankungen, die sie gar nicht haben. Die Krankheitsangst trotz negativer ärztlicher Befunde heißt Hypochondrie

Es stimmt, dass Hypochonder jahrelang leiden. Nur eben nicht an den Krankheiten, die sie sich einbilden, sondern an ihrer extremen Angst vor Krankheiten. Bis sie die einzig wahre Behandlung finden, nämlich eine psychologische Therapie, beschäftigen sie zahlreiche Ärzte. Zum Verhängnis wird ihnen auch das Internet. Auf tausenden medizinischen Seiten verlieren sie sich hoffnungslos auf der Suche nach passenden Diagnosen. Eine Frau erzählt ihre Geschichte:

„Wie der Film hieß, weiß ich nicht mehr, aber das Bild des Toten, der auf seinem Krankenhaus-Gitterbett die ganze Leinwand ausfüllte, gab mir den Rest. Ich hatte schon vorher zu meiner Freundin gesagt, dass ich mich unwohl fühle, doch sie hatte abgewinkt und mich gedrängt, der Film sei so spannend.

Krank durch das Internet?

Es kann hypochondrische Neigungen zumindest massiv verstärken. Hier findet der Angstkranke zahlreiche, vermeintlich wichtige Informationen, in denen er sich verlieren kann. Diagnose: Cyberchondrie.

Nun saß ich hier, in die Zuschauerreihen gesperrt, kein Fluchtweg offen und starrte auf diese überdimensionale Leiche. Als ich mich zu meiner Freundin neigen wollte, zog ein verspannter Muskel sekundenlang eine brennende Schmerzspur durch mich hindurch, und mein Herz begann zu klackern wie die Absätze einer Flamenco-Tänzerin. Kein Zweifel: Ich stand kurz vor einem Herzinfarkt, und kein Notarzt konnte mich hier rausholen. Bei diesem Gedanken gab mein Herz noch mehr Gas. Es trommelte, bis das Kino samt Film und Publikum im Nebel verschwand. Nur noch ich war übrig – keuchend, schwitzend, sterbend. Meine Freundin merkte nichts, sondern starrte gebannt auf die Leinwand.

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Autor:
Gabriele Bartels