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Gefälschte Pillen Arznei-Plagiate im Internet

Wer Arzneien im Internet kauft, um zu sparen, geht ein hohes Risiko ein. Viele sind gefälscht.

Erschreckende Zahlen: Jede zehnte Pille, die Patienten weltweit schlucken, ist gefälscht. In Deutschland sind rund 16 Millionen der 1,6 Milliarden jährlich verkauften Medikamente Fälschungen. Das betrifft Original-Präparate genauso wie „Nachahmer“- Arzneien (Generika), ja sogar rezeptpflichtige. Verkauft werden sie vor allem im Internet, gefälscht wird alles, was Geld bringt. „Von Fälschungen sind längst nicht mehr nur Lifestyle- Produkte wie Potenzmittel oder muskelaufbauende Anabolika betroffen“, warnt Prof. Rainer E. Kolloch, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Wiesbaden. „Fälscher schrecken auch vor lebenswichtigen Arzneien wie Antibiotika, Schmerzmitteln und rezeptpflichtigen der Aids- und Krebstherapie nicht zurück.“

Fakten & Zahlen

Fachleute schätzen den jährlichen Umsatz von gefälschten Medikamenten auf 16 bis 18 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Plattenindustrie geht von einem Verlust von „nur“ 2 Milliarden Euro durch Raubkopien aus. Die Zahl der gefälschten Medikamente, die beim Import in die EU beschlagnahmt wurde, stieg von 2005 bis 2007 um 570 Prozent – das macht insgesamt über 4 Millionen Arzneimittel-Packungen.



Welche Gefahren drohen durch gefälschte Medikamente?

Etwa 60 Prozent der Fälschungen enthalten den angegebenen Wirkstoff überhaupt nicht, 16 Prozent davon zu wenig für eine Heilwirkung. In den USA wurden unlängst rund 1,5 Millionen Antibabypillen mit zu wenig Wirkstoff beschlagnahmt. In Großbritannien starben 2007 sechs herzkranke Männer, weil sie gefälschtes, bis zu 300 Prozent überdosiertes „Viagra“ eingenommen hatten. Weitere 16 Prozent der illegalen Medikamente werden von Hinterhof- Labors sogar durch Schadstoffe vergiftet. Unterm Strich sind also nur 8 Prozent der Pharma-Fakes ungefährlich. 

Was verrät Fälschungen?

Leider können selbst Experten den Betrug oft nur durch eine aufwendige chemische Analyse entlarven. Verbraucher sollten immer dann skeptisch werden, wenn die Arznei anders wirkt oder wenn Packung oder Beipackzettel auffällig anders aussehen als üblich.

Was schützt mich?
Es gibt ein paar Grundregeln: Finger weg von preiswerten Medikamenten aus privater Hand – egal, ob im Internet, in Fitnessstudios oder bei Bekannten, die „Original“-Medikamente aus dem Ausland mitbringen. Die Alarmglocken sollten läuten, wenn verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept angeboten werden, wenn der Beipackzettel oder der in Blindenschrift aufgedruckte Markenname fehlt. Auch dubios: ein Hologramm, das ähnlich wie bei Geldscheinen für die Echtheit garantieren soll. Achten Sie bei Online- Apotheken darauf, ob sie auf Nachfrage einen Kontakt zu einem Apotheker herstellen können. Bei 94 Prozent der Online-Anbieter ist das nicht möglich. Unseriös sind meist auch Versender, die Massenrabatte anbieten. 

Wie erkenne ich seriöse Versandapotheken?
Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken vergibt ein Gütesiegel auf der Startseite des Anbieters. Zudem können Verbraucher bei den Gesundheitsbehörden der Bundesländer anfragen, ob die Versandapotheke eine Genehmigung hat. Mehr Tipps bietet die Webseite www.bmg.bund.de des Bundesgesundheitsministeriums.     


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Autor:
Dorothea Palte