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Alternative Heilmethoden Antroposophische Medizin

Letzter Teil unserer Serie: Rudolf Steiner (1861–1925) hat mit seinen Theorien in vielen Bereichen Spuren hinterlassen. Auch in der Medizin. Alles Esoterik? Eindeutig nein, zeigen inzwischen immer mehr Studien Heilen auf allen Ebenen

Es ist nicht gerade schmeichelhaft, wenn man von Zeitgenossen als „krampfhafter Magier“ bezeichnet wird. So urteilte Hermann Hesse 1935 über Rudolf Steiner. Auch Kurt Tucholsky ließ an dem Begründer der Anthroposophie kein gutes Haar: Der „Jesus Christus des kleinen Mannes“ glaube sich ja selbst „kein Wort von dem, was er da spricht“, wetterte er 1924. Schon Steiners Doktorarbeit war 1891 lediglich mit „rite“, ausreichend, bewertet worden. Seine Thesen waren also – positiv formuliert – umstritten. Trotzdem: Wie Steiner haben nur wenige Theoretiker in so vielen Lebensbereichen ihre Spuren hinterlassen. Das gilt auch und besonders für die Medizin. Mit der Ärztin Dr. Ita Wegmann entwarf der Österreicher eine neue, die anthroposophische Medizin.

Die Idee dahinter

Steiners und Wegmanns Buch „Grundlegendes zu einer Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen“ erschien 1925. Die anthroposophische Medizin wird dieses Jahr also 85. Im Vergleich zur traditionellen chinesischen Medizin (siehe VITAL 3/2010) oder zum Ayurveda (siehe VITAL 1/2010), die es seit Jahrtausenden gibt, ist sie noch ein „Medizin-Baby“. Allerdings nur auf den ersten Blick. „Wenn man vergleicht, wie die anthroposophische Medizin, TCM und Ayurveda erklären, wie Krankheit entsteht, findet man große Ähnlichkeiten“, sagt Prof. Peter Heusser, seit Juli Inhaber des Lehrstuhls für Medizintheorie, integrative und antroposophische Medizin an der Uni Witten-Herdecke. „Alle drei Systeme reduzieren Krankheit nicht wie die Schulmedizin auf Moleküle, die nicht richtig zusammenarbeiten. Sie verstehen sie als Prozess. Körper, Geist, Seele und die Lebenssituation des Patienten spielen zusammen. Sie müssen alle in die Behandlung einbezogen werden.“ Damit ist die anthroposophische Medizin beides: jung und gleichzeitig alt im Sinne von traditionell.

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Autor:
Stephan Hillig