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Sehschwäche Alleskönner Kontaktlinsen

Statt mit einer Brille korrigieren Millionen Deutsche ihre Sehschwäche mit Kontaktlinsen. Und die sind heute wahre Alleskönner – wenn es die Richtigen sind. Alles Wichtige für den perfekten Durchblick.

Frau mit Kontaktlinse

Sie sind unsichtbar, stören weder beim Sport noch beschlagen sie bei Regenwetter. Und gut vertragen werden Kontaktlinsen in den allermeisten Fällen auch. Bleibt die Frage: Welche der kleinen Haftschalen sind die Richtigen? Es ist nämlich nicht ganz einfach, bei der Vielzahl an neuen Linsentypen und verbesserten Materialien den Überblick zu behalten. Vital hat mit Fachleuten über aktuelle Trends und Neuerungen gesprochen und sich erklären lassen, worauf es beim Linsen-Kauf ankommt.

 

Scharf und deutlich: klare Sicht für alle

Für Kurzsichtige: Eine sogenannte Myopie kann heute sprichwörtlich über Nacht verschwinden. Möglich machen das Orthokeratologie- oder kurz OK-Linsen. Es handelt sich bei ihnen um formstabile („harte“) Haftschalen, die extrem sauerstoffdurchlässig sind und die Hornhaut – während ihr Träger tief und fest schläft – in eine andere Form bringen. Tagsüber werden sie abgesetzt, scharfes Sehen geht bis zur nächsten Nacht ohne jede Sehhilfe. Allerdings korrigieren die OK-Linsen nur eine schwächer ausgeprägte Kurzsichtigkeit von bis zu -5 Dioptrien. Sie eignen sich vor allem für Menschen, die einen Job mit hoher Staubbelastung haben. Die Hightechmodelle haben allerdings ihren Preis: Die Erstanpassung kostet 400 bis 500 Euro, pro Jahr kommt die gleiche Summe für die Linsen dazu (Infos unter ok-info.org).

 

Für Weitsichtige: Bei einer Hyperopie bieten sich vor allem neuartige Silikonhydrogel-Linsen an, die man bis zu vier Wochen am Stück trägt – auch beim Schlafen. Sie bestehen aus winzigen Silizium-Sauerstoffverbindungen, die Wassermoleküle umschließen. Dieses Material ist besonders verträglich und hat gewebeähnliche Eigenschaften. Seine hohe Sauerstoffdurchlässigkeit verhindert in der Nacht eine Schwellung der Hornhaut. Die weichen Linsen können ein Spektrum von +10 und bis -12 Dioptrien ausgleichen. Erste Modelle regulieren sogar schon Hornhautverkrümmungen. Der Preis: ab 200 Euro, zuzüglich Anpassung und regelmäßiger Nachkontrolle (weitere Infos unter sehen.de).

 

Für Alterssichtige: Etwa ab 45 haben die meisten damit zu kämpfen. Lesen ohne Brille wird zunehmend anstrengend. Das betrifft auch diejenigen, die kurzsichtig sind. Doch heute muss niemand mehr mit zwei Brillen hantieren. Neue Multifokal- oder Gleitsichtlinsen (z. B. „Air Optix Aqua Multifokal“, Fachhandel) erlauben das scharfe Sehen sowohl in der Ferne als auch in der Nähe. Auch sie bestehen aus Silikonhydrogel und haben mehrere Sehzonen mit einem gemeinsamen Mittelpunkt („multifokal“). Welches Bild gebraucht wird, wählt das Gehirn automatisch aus. So können bis zu 20 Dioptrien ausgeglichen werden. Gleitsicht-Monatslinsen kosten für ein halbes Jahr etwa 180 Euro.

Hintergrund

Sehen ist der wichtigste unserer fünf Sinne: 85 Prozent der Informationen über unsere Umwelt erhalten wir über die Augen. Lässt die Sehschärfe nach, beeinträchtigt das die Lebensqualität. Fast zwei Drittel aller Deutschen über 16 Jahren benötigen eine Seh hilfe, die meisten wegen Kurzsichtigkeit. Rund fünf Prozent der Erwachsenen entscheiden sich für Kontakt linsen. Die kleinen Haftschalen, die federleicht auf der Tränenflüssigkeit schwimmen, sind inzwischen in der Lage, fast jeden Sehfehler elegant auszugleichen.

 

Bei Hornhautverkrümmung: Um einen leichten Astigmatismus auszugleichen, reicht häufig bereits eine „normale“ formstabile Kontaktlinse aus. Bei stärker ausgeprägten Formen kann jetzt eine neue torische, d. h. zylindrische Linse helfen, die dafür sorgt, dass Lichtstrahlen, die auf das Auge treffen, an einem Punkt auf der Netzhaut gebündelt werden. Dafür ist es allerdings wichtig, dass sie in genau der richtigen Position auf dem Auge sitzt. Diese Linsen gibt es in allen Stärken und inzwischen auch als weiche Haftschalen. Sie korrigieren Kurzsichtigkeit bis -12 Dioptrien und Weitsichtigkeit bis +6 Dioptrien bei einer Hornhautverkrümmung von bis zu 2,5. Es gibt torische Tages-, Wochen- und Monatslinsen, die zwischen 30 und 60 Euro kosten (Infos: kontaktlinseninfo.com).

 

Linsen aus dem Netz: keine gute Idee

Generell gilt: Wer Kontaktlinsen ausprobieren will, sollte das nicht in Eigenregie tun. Die Erstanpassung gehört in die Hand eines Optikers oder des Augenarztes. „Wir berücksichtigen den allgemeinen Gesundheitszustand. Manche Menschen haben Allergien gegen Schwermetalle, die in bestimmten Pflegemitteln vorkommen“, erklärt Christian Müller, Vizepräsident des Zentralverbandes der Augenoptiker in Düsseldorf. „Dann geht es um die Beschaffenheit des Auges. Wir vermessen die Oberfläche der Hornhaut an 9000 Punkten. Der Tränenfilm wird überprüft, die Abflachung des Auges kontrolliert und der vordere Augenabschnitt auf Verhärtungen untersucht. Anhand dieser Kriterien suchen wir die passende Linse aus.“ Das kostet etwa 50 Euro und ist keine Kassenleistung.

Optiker und Augenärzte raten dringend davon ab, sich bei Internetanbietern buchstäblich blind Linsen zu bestellen. „Die einfachen Lösungen, die da teilweise versprochen werden, gibt es nicht“, sagt Dr. Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte in Düsseldorf. „Die Fälle, in denen sich Probleme durch das Tragen falscher Linsen ergeben, häufen sich.“ So können Blutgefäße abgequetscht oder die Hornhaut beschädigt werden. Ein- bis zweimal im Jahr sollte daher geprüft werden, ob die Linsen noch korrekt sitzen. „Sie sind zwar für viele selbstverständlicher Teil des Alltags“, weiß Optiker Christian Müller. „Aber es handelt sich immer noch um ein Medizinprodukt, für das gelten ganz klare Regeln gibt.“

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Autor:
Bruntje Thielke