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Leben retten 4. Juni: Tag der Organspende

Der 4. Juni heißt dieses Jahr „Tag der Organspende“. Gute Idee. Aber wir könnten auch jetzt gleich darüber nachdenken, warum wir uns so schwertun, unsere Spendenbereitschaft zu erklären.

Hier wird also über Leben und Tod entschieden: ein nichtssagender grauer Betonklotz an einem vierspurigen Autobahnzubringer im holländischen Leiden – Hauptsitz der Stiftung Eurotransplant. Sie regelt den internationalen Austausch von Spenderorganen für ein Gebiet, in dem 124 Millionen Menschen leben. Hier steht jener Computer, der bestimmt, wer von den 12 000 Patienten, die allein in Deutschland auf ein Spenderorgan warten, eines bekommt.

Britt Meyer-Sandberg aus Nordholz bei Cuxhaven steht seit November 2010 auf der Warteliste. Kurz vor dem Abitur wurde bei der 36-jährigen Zahnärztin eine unheilbare Lungenkrankheit festgestellt. Inzwischen ist sie rund um die Uhr auf ein Sauerstoffgerät angewiesen. Ihre letzte Hoffnung: eine Spenderlunge. Wie lange sie auf die noch warten muss, weiß niemand. „Ich habe sehr gemischte Gefühle“, sagt Britt Meyer-Sandberg. „Ich glaube, an dem Tag selbst werde ich ganz ruhig sein. Das Warten ist viel schlimmer.“

Schätzungen zufolge sterben täglich drei Menschen von der Warteliste, weil der Computer in Leiden kein Spenderorgan für sie findet. Denn er kann nur Herzen, Nieren, Lungen oder Bauchspeicheldrüsen zuweisen, die ihm zuvor gemeldet wurden.

Auf eine Million Einwohner kommen in Spanien über 34 Organspender. Bei uns ist diese Quote nicht einmal halb so hoch.

Genau daran hapert es in Deutschland: Nur etwa jedes zweite Krankenhaus meldet potenzielle Spender. Die anderen scheuen die Organentnahme. Sie kostet Personal, Zeit – und wird nach Meinung vieler Krankenhausbetreiber zu schlecht vergütet. „Dieses Argument trägt man immer dann vor, wenn einem nichts anderes mehr einfällt“, sagt Prof. Günter Kirste ärgerlich. Er ist medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Frankfurt (siehe Interview unten) – und auch die ist darauf angewiesen, dass Kliniken Organspender melden. „Die DSO darf nicht durchgehend in Krankenhäusern mitarbeiten. Das muss sich ändern“, fordert Kirste und verweist auf Spanien. „Dort ist die Organización Nacional de Trasplantes immer vor Ort.“ Nicht zuletzt dadurch kommen in Spanien auf eine Million Einwohner statistisch 34,4 Organspender. Bei uns sind es nicht einmal halb soviele (14,9). Prof. Norbert Klusen, seit 1996 Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK), findet das ethisch unvertretbar. „Es ist verwerflich, mögliche Organspender nicht zu melden. Wir beerdigen hier Lebenschancen“, sagt er deutlich.

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