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Gesundheit Multi-Therapie gegen Kieferbeschwerden

Wenn der Kiefer verspannt, kommt die Balance zwischen Ober- und Unterkiefer aus dem Gleichgewicht. Dann hilft eine Multi-Therapie.

Kinn

Beim Essen, Trinken, Kauen oder Schlucken müssen Zähne, Kiefergelenke und Gesichtsmuskeln so präzise zusammenarbeiten wie die Räder eines Uhrwerks. Ein komplizierter Mechanismus – und leider störanfällig: Bei circa acht Millionen Deutschen klappt das nicht mehr. Sie leiden an einer sogenannten Craniomandibulären Dysfunktion (CMD), sprich der Oberkiefer passt nicht mehr exakt auf den Unterkiefer. Der Bremer CMD-Spezialist und Zahnarzt Dr. Christian Köneke: „Die meisten Betroffenen geben als Hauptsymptom Kopfschmerz an, der deutlich über ein normales Maß hinausgeht. Die Patienten leiden typischerweise unter einem Spannungskopfschmerz, der vom Hinterkopf ausgeht und oft Nacken- und Schulterbereich einschließt.“ Andere knirschen so laut mit den Zähnen, dass man es deutlich hört, leiden unter Ohren-, Gesichts- oder Rückenschmerzen, Schwindel oder Migräne. Und: Bei einem Drittel der Tinnitus-Patienten ist eine gestörte Kaufunktion für das nervige Ohrgeräusch verantwortlich.
CMD kann sogar Ischias, Hüft- und Knieprobleme auslösen, weil der Kauapparat über Muskeln und Nerven eng mit dem Kopf und der Wirbelsäule verknüpft ist. Stimmt der Biss nicht, nimmt die Statik des gesamten Körpers Schaden. Die Suche nach der Ursache ergibt oft Zahnarzt-Pfusch: Da hat einer die Backenzähne zu stark abgeschliffen, Kronen oder Brücken zu hoch eingesetzt, eine Füllung zu üppig modelliert. Schon Millimeterbruchteile zu viel oder zu wenig können die Balance zwischen Ober- und Unterkiefer kippen.
Oft steckt auch chronischer Stress dahinter, der nachts durch Zähneknirschen verarbeitet wird und sie so abschleift. Leicht zu erkennen ist die CMD nicht. Oft pilgern die Betroffenen von Arzt zu Arzt, ohne Hilfe zu finden.

Ein Selbsttest liefert erste Anhaltspunkte. Spezialisierte Zahnärzte stellen dann mit einer komplexen Funktionsanalyse fest, ob es sich wirklich um eine CMD handelt. Erster Schritt der Therapie ist eine biodynamische Zahnschiene aus Kunststoff, die die Patienten 24 Stunden am Tag tragen. Sie bewirkt, dass die Kiefermuskeln gleichmäßig belastet werden. Wegen der starken Verbindung zur Nacken- und Rückenmuskulatur zieht der Zahnarzt zusätzlich z. B. einen Orthopäden, Physiotherapeuten oder Osteopathen hinzu.
Auch Yogalehrer oder Akupunkteure kommen zum Einsatz. Nur im Team schaffen sie es, die Körperstatik des Patienten nach und nach wieder ins Lot zu bringen und ihn anzuleiten, Stress auf anderen Wegen abzubauen. Der Patient braucht für die Behandlung allerdings viel Geduld, denn sie dauert im Durchschnitt ein bis zwei Jahre – inklusive einer funktionsgerechten Zahnversorgung. Die 80-prozentige Erfolgsrate motiviert aber zum Durchhalten.

Und was kann der Patient selbst tun? Zum Beispiel ein Heizkissen oder Kühlpads (ausprobieren!) gegen den Schmerz auflegen. Auch Rotlicht hilft: dreimal täglich mit einem Abstand von 30 Zentimetern zum Kiefer strahlen lassen. Die Lippen so oft wie möglich geschlossen halten. Das entlastet die Kiefermuskeln. Nur beim Kauen oder Schlucken sollten die Zahnreihen aufeinandertreffen – am Tag aber nicht länger als 20 Minuten.
Zum Lockern der Kiefermuskulatur den Mund zwischendurch immer mal wieder zehn Sekunden lang möglichst weit öffnen. Hilft auch: eine Zeitlang auf harte oder zähe Nahrungsmittel wie Rohkost oder Brötchen verzichten und bloß kein Kaugummi kauen.

Übungen zum Lockerbleiben

Stärkere Muskeln

  1. Drücken Sie mit einer Hand gegen das Kinn. Schieben Sie es gegen diesen Widerstand nach vorn. Einatmen, Spannung etwa 10 Sekunden halten. 5-mal wiederholen. 
  2. Rechte Hand gegen die rechte Wange pressen. Kinn gegen den Druck 5-mal nach rechts bewegen. Dann mit der linken Wange. Je 3-mal pro Tag. 

Relaxte Gelenke

  1. Den Mund öffnen, die Fingerspitzen auf die unteren Schneidezähne legen. Unterkiefer nach unten ziehen. Das Dehngefühl für etwa 5 Sekunden halten. 5-mal. 
  2. Mund öffnen, mit der Zungenspitze erst 10-mal rechts herum und dann 10-mal links herum um die Lippen kreisen. Beide Übungen 3-mal pro Tag. Weniger Schmerz Die Fingerspitzen vor die Ohren legen, sanft drücken, den Mund öffnen. Leicht kreisend etwa 3 Minuten massieren. Massage weitere 3 Minuten über die Wangen ausdehnen. 5-mal pro Tag. 

Adressen von CMD Spezialisten finden Sie auf der Website www.cmd-dachverband.de

 

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Autor:
Dorothea Palte