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Liebe Küssen geboten

Fürs Herz. Für die Seele. Und für die Zähne. Wie die zärtlichsten Lippenbekenntnisse uns immer wieder zum Strahlen bringen.
Ein Liebespaar küsst sich und hat ein Eis in der Hand

Siebenmal am Tag wird in Frankreich und Italien geküsst, in Deutschland liegt der Schnitt bei kümmerlichen 1,3 Bussis. Immerhin noch besser als in China oder Japan, da finden Paare nur alle zwei Tage Zeit für die zärtlichste Sache der Welt. Schade, denn Küssen ist gesund. Sehr sogar! Der Blutdruck steigt kurz auf 180, der Pulsschlag verdoppelt sich, Adrenalin und Dopamin werden gleichzeitig ausgeschüttet. Eine perfekt ausgeklügelte Kombination– gemeinsam wirken die beiden Hormone schmerzlindernd, wundheilend und reduzieren die Bildung des Stresshormons Cortisol. Weil mit einem Mal 40 000 Bakterien ausgetauscht werden, schnellt die Antikörperproduktion in die Höhe.

Bestens fürs Immunsystem, denn diese sogenannte Kreuzverkeimung härtet gegen Infekte ab. Dazu kommt der Beauty-Effekt für einen schöneren Teint, weil die Durchblutung angekurbelt wird – dafür sorgen bis zu 38 aktivierte Muskeln im Gesicht und am Kiefer, allen voran der Musculus orbicularis oris, der Lippenschließmuskel.

Und sogar unsere Zähne haben etwas davon, schließlich bilden sich beim Küssen antimikrobielle Enzyme, die Karies bekämpfen. Ganz abgesehen davon, dass uns schon der Gedanke ans Küssen den Mund wässrig macht und der vermehrte Speichelfluss den Zahnbelag löst.

Auf die Mundhygiene achten

Einen Haken hat die Sache allerdings: Auch Bakterien, die Karies und Parodontitis verursachen, werden durchs Küssen übertragen. Denn beide sind, was kaum jemand weiß, ansteckende Infektionskrankheiten. Sorgfältige Mundhygiene vor dem Küssen schützt. Eine Forsa-Umfrage hat jedoch ergeben, dass sich jeder und jede Vierte abends nicht die Zähne putzen. Wegen Stress, Übermüdung, Unlust. Überhaupt sind die Deutschen Mundhygiene-Muffel, leider. „Zahnseide ist unersätzlich, um zwischen den Zähnen zu reinigen – alle Mundduschen dieser Welt schaffen das nicht. Man sollte den Faden mit einer sachten Sägebewegung zwischen den Zähnen hin- und herziehen“, sagt Roland Frankenberger, Professor für Zahnerhaltungskunde an der Universität Marburg. „Aber nur sehr wenige Menschen benutzen regelmäßig Zahnseide. Bei täglicher Anwendung müsste der jährliche Verbrauch bei circa 180 Metern pro Person liegen, in Deutschland kommen wir aber gerade mal auf zehn“, rechnet Frankenberger vor. Auch die Zungenreinigung gehört für ihn zur guten Mundhygiene. Beides geht ruck, zuck, wenn die Kniffe für Schaber und Seide bekannt sind – und wer sich unsicher fühlt, bekommt eine Einführung beim Zahnarzt oder der Prophylaxe-Assistentin.

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Autor:
Manu Schmickler