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Problembereich Rücken Bandscheibenvorfall - Symptome und Behandlung

Rückenleiden kennen heutzutage 60 Prozent der Deutschen. Nicht jeder Rückenschmerz verwandelt sich dabei in einen Bandscheibenvorfall. Sollte es allerdings dazu kommen, ist das Leben nicht automatisch vorbei. In unserem Ratgeber gehen wir auf Ursachen und Prävention, aber auch auf Übungen und Verhaltensweisen nach einem Bandscheibenvorfall ein.
Hilfe bei Rückenschmerzen

Steckbrief Bandscheibenvorfall

Symptome: Rückenschmerzen mit Taubheitsgefühl in Beinen oder Armen (je nach Bandscheibe)

Behandlung: Meist muss keine operative Behandlung stattfinden. Physiotherapie, Wärmetherapie, Sport und eine rückenfreundliche Lebensweise sorgen in 90 % der Fälle für eine Heilung.

Vorbeugen: Ein Aufbau der Rückenmuskulatur und eine schonende Lebensweise kann einem Bandscheibenvorfall vorbeugen. Wenig Sitzen hilft ebenso.

Unsere Wirbelsäule und die Bandscheiben sind ein echtes Lastentier. Wir belasten sie täglich auf das Äußerste und trotzdem verrichten sie die meiste Zeit problemlos ihre Arbeit. Leider kommt auch die fleißigste Wirbelsäule einmal an ihre Grenze. Die Folgen: Rückenschmerzen. Handelt Ihr jetzt nicht, kann daraus ein Bandscheibenvorfall entstehen. Was das bedeutet, erfahren jährlich 180.000 Menschen in Deutschland. Nicht immer muss es dabei eine Bandscheibenoperation richten. Oft helfen bei Beschwerden auch einfache Übungen und eine richtige Haltung. Doch kann man in unserer heutigen Gesellschaft einen Bandscheibenvorfall überhaupt verhindern? Oder sind alle Übungen nur ein Hinauszögern des Unvermeidlichen? Wir haben uns die Diagnose Bandscheibenvorfall einmal genauer angeschaut und klären Euch über die Prävention, den richtigen Umgang und den medizinischen Vorgang dabei auf.

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?

Die Wirbelsäule ist nicht ein langer Stab, sondern setzt sich aus 24 Wirbelkörpern zusammen. Diese gliedern sich in drei Bereiche: Lendenwirbelsäule (LWS), Brustwirbelsäule (BWS) und Halswirbelsäule (HWS). Aus jedem Wirbel treten seitlich Nerven aus. Zwischen den Wirbeln sitzen die Bandscheiben, die für Beweglichkeit und Elastizität sorgen. Jede Bandscheibe hat in ihrem Innern einen Gallertkern (Nucleus pulposus), welcher die einzelnen Wirbel voreinander schützt. Damit der Kern bleibt wo er ist, wird er von einem harten Faserring (Anulus fibrosus) umschlossen. Im Laufe der Zeit können sowohl der Kern als auch der Faserring spröde werden und Risse bekommen. Wird die Wirbelsäule nun zu stark oder durch falsche Bewegungen belastet, kann sich der Gallertkern durch einen Riss drücken - ein Bandscheibenvorfall. 

Lässt sich das Austrocknen der Bandscheibe verhindern?

Damit der Gallertkern geschmeidig bleibt, saugt er sich über Nacht mit Wasser voll, welches er von der umliegenden Gewebeflüssigkeit abzapft. Tagsüber gibt er dieses Wasser nach und nach wieder ab. Im Laufe der Jahre können die Bandscheiben dieses Wasser allerdings immer schlechter aufnehmen. Könnt Ihr etwas dagegen tun? Leider nein. Die Austrocknung des Rings und des Kerns sind Alterungsprozesse, denen jeder Körper unterliegt. Deshalb sind Bandscheibenvorfälle auch eher Alterserscheinungen. Allerdings können auch junge Menschen einen Bandscheibenvorfall bekommen. Ursache ist meist Übergewicht, eine zu schwache Rückenmuskulatur oder zu starke oder falsche Belastung. Allerdings können auch Gene einen Bandscheibenvorfall begünstigen, denn oftmals trägt auch zu schwaches Bindegewebe Schuld daran. 

Übungen für einen starken Rücken
Brücke, Rückenschmerz-Übung

Ein gesunder Rücken ist ein wichtiger Bestandteil unseres Körpers. Bewegung ist das A und O für einen schmerzfreien Rücken. Hier findet Ihr unsere Übungen.

Woran erkennt man einen Bandscheibenvorfall?

Wenn man die Symptome nicht kennt, ist es manchmal schwer, die Schmerzen eines Bandscheibenvorfalls von "herkömmlichen" Rückenschmerzen zu unterscheiden. Denn nicht immer muss ein Bandscheibenvorfall plötzlich kommen. Teilweise erstreckt er sich über Jahre. In der Regel solltet Ihr aufmerksam werden, wenn Ihr unter einem Kribbel- oder Taubheitsgefühl im Arm oder Bein leidet. Dies ist oft ein Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall, da der ausgedrückte Gallertkern auf die Nerven oder die Nervenwurzel drückt und sie abklemmt. Dabei sind taube oder kribbelnde Arme ein Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule, kribbelnde oder taube Beine deuten auf einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule hin. Letztere ist übrigens der häufigste Bereich von Beschwerden an der Bandscheibe. 90 Prozent aller Vorfälle ereignen sich in der Lendenwirbelsäule. Nur zehn Prozent fallen auf die Halswirbelsäule. Bandscheibenvorfälle in der Brustwirbelsäule treten verschwindend gering auf. Unser Ratgeber über Rückenschmerzen zählt noch weitere Ursachen auf.

Wie kann man einem Bandscheibenvorfall vorbeugen?

Besitzt Ihr noch eine gesunde Wirbelsäule, dann könnt Ihr die Bandscheiben mit fast jeder Sportart, die den Rückenbereich trainiert, unterstützen. Auch Gewichtheben kann hilfreich sein. Doch Vorsicht: Trainiert nur mit einem ausgebildeten Therapeuten. Eine falsche Haltung oder Bewegung beim Trainieren kann einen Bandscheibenvorfall begünstigen. Besser geeignet sind so genannte rückenfreundliche Sportarten - wie Schwimmen, Joggen, Radfahren oder Reiten. Zu viel Sitzen oder Liegen schadet der Wirbelsäule ebenso. Arbeitet Ihr in einem Büro, legt Euch einen ergonomischen Stuhl zu oder arbeitet öfter mal im Stehen. Achtet darauf, schwere Gegenstände wie Getränkekästen, Taschen oder Pakete nicht aus dem Rücken, sondern aus den Knien zu heben. Das sieht vielleicht nicht sportlich aus, schont Euren Rücken aber ungemein. Wie Ihr Euren Rücken einfach stärken könnt, erfahrt Ihr in unserem Ratgeber

Nach dem Bandscheibenvorfall: Was tun?

Die gute Nachricht ist: 90 Prozent aller Bandscheibenvorfälle lassen sich ohne operative Therapie beheben. Das funktioniert zu Beginn hauptsächlich mit schmerzlindernden Medikamenten und einer Physiotherapie. Im Anschluss daran sorgen Wärme und Sport für eine weitere Verbesserung des Zustands. Auch das richtige Bett kann bei der Heilung helfen. Gute geeignet sind Stufen- und Boxspringbetten, da beide Arten die Wirbelsäule und Bandscheiben unterstützen. Sport sollte sich allerdings dann auf Schwimmen, Gymnastik oder Nordic Walking beschränken. Eine Operation ist nur dann nötig, wenn Schmerzmedikamente keine Linderung zeigen, Lähmungserscheinungen auftreten oder der Bandscheibenvorfall extrem starke Schmerzen auslöst. Übrigens: Ein Bandscheibenvorfall ähnelt in vielen Dingen einer Spinalkanalstenose, auch weil ähnliche Ursachen vorliegen. Allerdings handelt es sich hier um zwei unterschiedliche Erkrankungen. Die Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Wirbelkanals. Auch wenn die Ursachen oft gleich sind, unterscheiden sich die Therapien doch erheblich. Interesse an mehr Infos rund um den Rücken? Lest unsere 20 Rücken-News.

 

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Autor:
Alexander Scherb