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Gesundheit Schmerzen wegmassieren

Falls im Körper gerade etwas nicht stimmt, spüren sie es und richten es mit gekonntem Griff. Hier ist Medizin noch echtes Hand-Werk – und Sie können davon profitieren.
Schmerzen wegmassieren

Am Rücken, Kopf oder Bauch – instinktiv legen wir unsere Hände dorthin, wo es schmerzt. Das kennen wir seit der Kindheit, als die tröstende Hand der Mutter als Medizin oft schon ausreichte. Wie sehr Berührungen der Seele guttun, erfahren wir ja, wenn uns der Partner oder die beste Freundin liebevoll in den Arm nimmt. Der direkte Körperkontakt gehört einfach dazu, um Schmerzen und Befindlichkeitsstörungen lindern zu können. Einige Ärzte und Therapeuten be-hand-eln im buchstäblichen Sinne des Wortes: Sie diagnostizieren und therapieren „durch Handauflegen“. Diese Profis spüren Verspannungen, gestörte Bewegungsabläufe oder Fehlstellungen des Skeletts auf, sie aktivieren gezielt Triggerpunkte oder lassen blockierte Energie wieder fließen. Das funktioniert nur ganz dicht dran am Patienten, frei von jeglichen Berührungsängsten. Umso mehr gefragt sind Fingerspitzengefühl und ab und zu auch etwas Muskelkraft.

Die Palette der heilenden Hände reicht von der klassischen Physiotherapie über Chiropraktik und Osteopathie bis zu Energiearbeit und Akupressur – vital hat sich von Vertretern dieser unterschiedlichen Disziplinen deren Arbeit erklären lassen.

 

Physiotherapie: Bewegung auf Rezept

Termine beim Physiotherapeuten begin­nen meistens „hands on“, d.h. mit den Händen „auf“ dem Patienten – bei der Tastuntersuchung und in der Therapie, um zum Beispiel verhärtete, verklebte Struktu­ren aufzulösen. Das erfordert ein umfas­sendes anatomisches Wissen, denn die Verkettungen ziehen sich durch den gan­zen Körper. „Kopfschmerzen können auch am Fuß liegen und Beschwerden an der Halswirbelsäule auf eine Beckenschieflage zurückgehen“, erklärt Ute Repschläger, Physiotherapeutin aus Witten.

Im Laufe der Behandlung zieht sich der Therapeut immer mehr zurück. Bis es zum Schluss „hands off“ (Hände weg) heißt. Dann führt die Patientin die Übungen selbstständig aus. „Der Körper lernt durch Nachspüren“, sagt sie. „Unsere Aufgabe ist es, diesen Prozess anzuschieben.“

Im kurativen, also heilenden Bereich arbeiten Physiotherapeuten nur auf ärztliche Verordnung. Die Kosten trägt die gesetzliche Krankenkasse (10 Prozent Eigenanteil, je Rezept werden 10 Euro fäl­lig). Der Arzt gibt nur die grobe Richtung der Behandlung vor. „Welche Technik wir anwenden, um das Behandlungsziel zu erreichen, entscheiden wir“, ergänzt Ute Repschläger. Das können tiefegehende punktuelle Massagen, Dehnungs­- oder Kräftigungsübungen sein.

Geht es um reine Prävention oder kleinere Schwachstellen, kann man auch ohne Rezept eine Physiotherapiepraxis aufsuchen – als Selbstzahler (Richtwert: etwa 1 Euro pro Minute). „Zuerst machen wir ein Screening, ob nicht etwas außer­halb unseres Zuständigkeitsbereiches vorliegt, z. B. Osteoporose, Entzündungen oder ein Tumor“, sagt die Expertin. „Müs­sen wir eine dieser Erkrankungen ver­muten, lassen wir die Finger davon und schicken die Patientin zum Arzt.“

 

Chiropraktik: Und es hat knack gemacht

Den korrekten Bewegungsablauf in den Gelenken wiederherzustellen ist das Ziel der Chiropraktoren. Nein, kein Tippfehler. Die Berufsbezeichnung Chiropraktiker tragen Heilpraktiker mit Zusatzaus­bildung. Im Gegensatz dazu hat der Chiro­praktor einen akademischen Heilberuf erlernt (Adressenverzeichnis unter www.chiropraktik.de). Viele Patienten wandern jahrelang von einem Arzt zum nächsten, ohne ihre Beschwerden loszuwerden. „Meist wird nur die Schmerzstelle behan­delt. Entscheidend ist jedoch die stumme Fehlfunktion, die sich zwar nicht bemerk­bar macht, aber die eigentliche Ursache der Beschwerden ist“, erklärt Timo Kaschel, Chiropraktor in Leipzig. „Das Leiden hört auf, sobald diese stumme Fehlfunktion behoben ist.“

Die entdeckt der Chiropraktor durch eine ausführliche Befragung zur Krank­heitsgeschichte und den Tastbefund. „Da­bei erspüren wir, ob sich die Gelenke in den vorgesehenen Bewegungsabläufen bewe­gen.“ Ertastet der Experte eine Störung an der Mechanik der Wirbelsäule, kann er die Blockade lösen. Dabei wird das Gelenk mit einem kurzen, präzisen Griff bewegt. Der Fachbegriff dafür lautet „Adjustment“ (engl.: Berichtigung, Justierung). Wenn es dabei knackt, fallen Gasblasen im Gelenk­spalt zusammen, das tut nicht weh.

Dem Knacks folgt die Langzeittherapie. Denn die Fehlbelastungen haben sich meist über Jahre aufgebaut. Muskeln und Sehnen müssen sich erst wieder an die verlernte, ursprüngliche Funktionsweise gewöhnen. „Nur durch stetiges Wieder­holen können sich die richtigen Bewe­gungsabläufe mit der Zeit im Nerven­system verfestigen“, erklärt Timo Kaschel.

In Deutschland können Chiropraktoren ihre Leistungen ausschließlich über eine Heilpraktiker-Lizenz abrechnen. Lediglich private Krankenkassen und Beihilfestellen erstatten die Kosten (ca. 50–55 Euro pro Behandlung, der erste Termin mit Befunderhebung kostet meist etwas mehr).

 

Osteopathie: Den ganzen Körper im Blick

Weiter als die um etwa 20 Jahre jüngere Chiropraktik geht die 1874 von einem amerikanischen Arzt begründete Osteopathie. Beide Heilberufe wollen funktionelle Fehlsituationen normalisieren. „Anders als die Chiropraktik, die sich ausschließlich mit Muskeln und Skelett befasst, kümmert sich die Osteopathie aber auch um die inneren Organe und Nervenbahnen“, erklärt Osteopathin Prof. Marina Fuhrmann. Die Grundlage ist, dass alle Körpersysteme über das Bindegewebe, die Faszien, miteinander verbunden sind und dass der Körper sich selbst heilt, wenn die Dynamik zwischen diesen Strukturen ungestört abläuft. Jede Bewegungseinschränkung verursacht eine Minderversorgung und behindert diese Regenerationsfähigkeit.

Mit ihren Händen können Osteopathen Veränderungen aller Gewebeschichten aufspüren. „Der Schmerz ist das Warnsignal“, sagt Prof. Fuhrmann. „Dennoch untersuchen wir ganz neutral den gesamten Körper. Alle Befunde werden dann entsprechend ihrer Bedeutung bzw. Wichtigkeit geordnet.“ So finden Osteopathen die Ursache, warum der Körper aus der Balance geraten ist. „Das kann auch ein Verkehrsunfall vor Jahren sein, den man längst vergessen hat. Das Trauma bleibt im Gewebe gespeichert“, erklärt sie.

Auch in der Behandlung kommen weder Geräte noch Medikamente zum Einsatz. Mit teils sanftem, teils kräftigem Druck oder Zug der Hände lösen Osteopathen Funktionsstörungen und Blockaden, die eine Krankheit hervorgerufen haben oder aufrechterhalten. „Wir bringen den Körper dazu, sich selbst zu regulieren und wieder vom Ist-Zustand in den Soll-Zustand zu kommen“, sagt Prof. Fuhrmann. Das läuft meist über mehrere Etappen. Jede Sitzung wird individuell auf den Stand der Symptome ausgerichtet. Nach etwa vier Behandlungen sollte eine spürbare Besserung eintreten. Eine Behandlung bei einem osteo­pathisch arbeitenden Arzt oder Heilprak­tiker kostet etwa 60–150 Euro. Manche gesetzlichen Krankenkassen übernehmen anteilige Kosten. Auf www.osteopathie.de finden Sie eine Liste mit gut ausgebildeten Therapeuten und eine Übersicht der erstattenden Kassen.

 

Jin Shin Jyutsu: Heilende Energieströme

Die japanische Heilkunst geht davon aus, dass ein Mangel an innerer Harmonie krank macht. Das können äußere Einflüsse wie ungesunde Ernährung oder zu wenig Schlaf sowie innere Einflüsse, z. B. Stress oder Sorgen sein, die durch den Körper fließende Energie stören. Diese Blockaden führen dazu, dass wir uns unwohl fühlen oder krank werden.

Über 26 Energiepunkte am Körper, die mit bestimmten Organen, Körperregionen und der Psyche verbunden sind, lassen sich diese Blockaden lösen – entweder durch einen Therapeuten in der Praxis, Sie können diese Methode aber auch leicht zu Hause selbst anwenden. Zum „Strömen“, wie die Experten sagen, berühren Sie die Energiepunkte und halten diese für min­destens drei Minuten. „Man spürt dann meist ein Kribbeln, vielleicht wird die Stelle auch heiß oder es strömt Wärme durch den Körper“, erklärt Nicola Kessler.

Die Buchautorin („Jin Shin Jyutsu – Schnelle Selbsthilfe durch Heilströmen“, zusammen mit Christiane Kührt, GU, 128 Seiten, 12,99 Euro, eine Neuauflage erscheint im September) betont: „Beim Jin Shin Jyutsu geht es darum, die Lebensenergie wieder in Fluss zu bringen, Beschwerden zu lindern und nebenbei herauszufinden, warum sie sich bemerkbar machen. Denn zu jedem körperlichen Symptom gibt es auch einen psychischen Aspekt.“

Die einstündige Behandlung beim Therapeuten kostet etwa 75 Euro (Adressen erhalten Sie unter www.jinshinjyutsu.de). Die Anzahl der Sitzungen hängt stark von der Art und Weise der Beschwerden ab.

 

Su Jok: Akupunktur auf Koreanisch

Auch die Su-Jok-Therapie (Su = Hand, Jok = Fuß), die 1987 in Südkorea entwickelt wurde, basiert darauf, dass an bestimmten Stellen Punkte sitzen, die mit anderen Körperteilen oder Organen in Verbindung stehen. Sie zu reizen setzt einen Selbstheilungsprozess in Gang. „Die Ähnlichkeit von dem Mikrosystem Hand („Su“) und Fuß („Jok“) zum ganzen Körper ist so groß, dass die Verständigung weitaus besser funktioniert als bei anderen Körper-Mikrosystemen“, sagt Dr. Njasik Touch, Ärztin und Ausbilderin bei der Su Jok Germany-Akademie.

„Bei Krankheiten oder Beschwerden gehen Signale an das Gehirn raus. Das leitet sie weiter an die Mikrosysteme, wo sich biologisch aktive Punkte (BAP) bilden“, erklärt Dr. Njasik Touch. „Diese kleinen Knötchen sind sehr schmerzhaft und daher leicht zu finden. Sie zu stimulieren löst einen Reiz aus, der wie eine elektromagnetische Welle zurück zum Gehirn rollt und dort das ausgesandte Signal auslöscht.“ In den Webinaren (Seminare, die im Internet stattfinden) auf www.sujokgermany.com können Sie sich die Methode zeigen lassen und selbst einmal ausprobieren.