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Gesundheit Hilfe für die Venen

Die besten Tipps für gesunde Beine. Denn wenn es gut läuft, kommen Sie trotz Venenschwäche leichtfüßig durch den Sommer.
Tipps für die Venen

Hübsch sehen sie nun wirklich nicht aus, diese dunklen, bläulich-rötlich schimmernden Linien auf dem Bein. Etwa 66 Prozent der weiblichen und 51 Prozent der männlichen Bevölkerung sind von Varizen, so der medizinische Fachbegriff, betroffen: Besenreiser oder, im fortgeschrittenen Stadium, Krampfadern. Ausgeleierte Venen wie diese braucht kein Mensch. Aus ästhetischen Gründen, aber – und das ist noch wichtiger – vor allem im Hinblick auf Ihre Gesundheit.

Der Blutkreislauf folgt einem strengen Einbahnstraßen-System. Das Herz pumpt das in den Lungen mit Sauerstoff angereicherte Blut durch die Arterien bis in die entlegensten Körperpartien. Der Rückweg läuft über die Venen. Sie bringen das „verbrauchte“ Blut zurück, und dann geht der ganze Prozess wieder von vorn los. Tägliches Transportaufkommen: etwa 7000 Liter. Seit der Mensch den aufrechten Gang für sich entdeckt hat, müssen in den Beinen auch senkrechte Wege entgegen der Schwerkraft zurückgelegt werden. Ein harter Job. Doch mit starken, elastischen Venenwänden klappt das einwandfrei. Denn innerhalb der Venen regeln spezielle Ventile, die Venenklappen, einen fließenden Verkehr: Sie öffnen sich für den Strom aufwärts zum Herzen hin und klappen zu, wenn das Blut in die falsche Richtung zurücksackt. Unterstützung kommt außerdem von der Muskulatur der Waden. Stellen Sie sich vor, Sie halten eine offene Tube Zahncreme in der Hand, die Öffnung zeigt nach oben, und Sie schließen die Faust. So ähnlich funktioniert die „Muskelpumpe“. Durch das Anspannen der Muskeln drücken sie wie eine Schraubzwinge die Venen zusammen, und das Blut wird nach oben gepresst.

Solche Idealbedingungen gibt es im Alltag so gut wie nie. Stundenlanges Sitzen oder Stehen beim Bürojob oder als Verkäuferin erschwert die Zirkulation. Wenn das Bindegewebe, das den Venen ihre Festigkeit verleiht, zu wünschen übrig lässt, steckt in 80 bis 90 Prozent der Fälle eine genetische Veranlagung dahinter. Sommerliche Temperaturen erschweren die Situation zusätzlich, weil sich in der Hitze die Blutgefäße weiten. Die Venen werden überdehnt und leiern mit der Zeit aus wie das Bündchen des zu oft gewaschenen Lieblingspullis.
Beim Abbau der elastischen Fasern in den Venenwänden entstehen zudem sogenannte lysosomale Enzyme. Als blutinterner Reinigungstrupp entsorgen sie Schadstoffe. Übersteigt ihre Konzentration jedoch das Normalmaß, vergreifen sich diese Enzyme auch an dem Kollagengeflecht der Venenwände und machen sie dadurch durchlässig: Flüssigkeit tritt in das umliegende Gewebe aus, die Beine schwellen an und schmerzen. Wirksamen Schutz vor solchen Ödemen bieten bestimmte Pflanzenstoffe, etwa aus Rosskastaniensamen (z. B. in „Venostasin“, in Apotheken): Das enthaltene Aescin dichtet geschädigte Venenwände ab, hemmt Entzündungen und fördert die Durchblutung, dazu liegen zahlreiche Studien vor.
In den schlaffen Venen klappt natürlich das Öffnen und Schließen der Venenklappen nicht mehr. Das Blut staut sich, die Venen beulen aus. Während die feinsten Krampfadern dicht unter der Haut (Besenreiser) in erster Linie ein kosmetisches Problem darstellen, sieht es bei den deutlich hervortretenden, knötchenförmigen großen Krampfadern der Hauptvenen und ihrer Seitenäste schon anders aus. Bei so ausgeprägten Varizen können sich durch den gestörten Blutfluss Venenentzündungen bilden und Thrombosen. Das sind Blutgerinnsel, die zu einem lebensbedrohlichen Gefäßverschluss führen können. Wer unter Venenschwäche leidet, sollte auf Flugreisen daher unbedingt Stützstrümpfe (rezeptfrei in Apotheken) oder Kompressionsstrümpfe (auf Rezept in Sanitätshäusern) tragen. Auf Dauer drohen bei Durchblutungsstörungen auch offene Beine. Nehmen Sie das Problem also nicht auf die leichte Schulter, sondern packen Sie es an.

Wurden die konservativen Therapiemöglichkeiten, etwa mit Kompressionsstrümpfen und Medikamenten, ausgeschöpft, kommen verschiedene operative Methoden in Betracht: Lange galt das „Stripping“ genannte Herausziehen beschädigter Venenabschnitte als gängigstes Mittel. Heute setzen Mediziner vor allem bei kleineren Krampfadern mehr auf weniger invasive Eingriffe, die zumeist ambulant bei örtlicher Betäubung durchgeführt werden können und nahezu schmerzfrei ablaufen.
Bei der Schaumsklerotherapie etwa wird ein spezieller Schaum in die kranke Vene gespritzt. Das Gewebe verklebt, der Körper baut es in den folgenden Wochen auf natürlichem Weg ab. Auch die Lasertherapie, bei der ein Arzt die beschädigte Venenwand verschweißt, gilt als sehr schonend. Immer mehr gesetzliche Krankenkassen übernehmen dafür inzwischen auch die Behandlungskosten.
Wenden Sie sich an einen Venenexperten (Phlebologen), um die Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen abzuwägen und die für Sie persönlich richtige zu finden. Je eher Sie Ihren Venen Beine machen, desto leichter lassen sich Schäden verhindern, aber auch noch beheben.  

Venen-Wellness

Weil Wärme die Blutgefäße weitet, verschlimmern sich bei Frauen mit schwachen Venen im Sommer die Beschwerden. Bringen Sie Ihre Beine in Form.

  • In Bewegung bleiben: Werfen Sie die „Muskel­pumpe“ an, jede Bewegung kommt gelegen: die Treppe statt den Lift nehmen, kleine Wege zu Fuß erledigen und im Sitzen die Fußgelenke kreisen lassen.
  • Mit Strümpfen stützen: Medizinische Kompres­sionsstrümpfe (werden auf Rezept individuell ange­passt und sind inzwischen in vielen Farben erhältlich) drücken ausgeleierte Venen zusammen, sodass die Venenklappen wieder schließen und das Blut problemlos zum Herzen gelangt. Bitte konsequent täglich tragen, bei mittel­schweren Krampfadern zumindest bei Belastungen wie langen Flügen, Auto­ oder Bahnfahrten.
  • Beine hochlegen: Wenn das Blut leichter zurückfließen kann, entlas­ten Sie die Venen und deren Klappen. Das elegante Übereinanderschlagen der Beine im Sitzen gewöhnen Sie sich im Namen Ihrer Venengesundheit besser ab.
  • Schuhe wechseln: Auf hohen Absätzen kön­nen die Füße die natürliche Abrollbewegung nicht machen. Doch die führt zu der so wichtigen An­- und Entspannung der Wadenmuskulatur. Tragen Sie nur ausnahmsweise High Heels, schlüpfen Sie danach in flache Schuhe und gehen Sie möglichst oft barfuß.
  • Kalt abbrausen: Lassen Sie morgens beim Duschen abwechselnd warmes und kaltes Wasser über die Unterschenkel laufen. Mit kalt aufhören. Durch den Temperaturreiz ziehen sich die Venenwände zusammen und gewinnen mit der Zeit an Spannkraft. Außerdem regt er die Durchblutung an.
  • Übungen machen: Um die Venen in Trab zu halten, können Sie viele kurze Übungen in den Alltag einbauen. Täglich etwa zehn Minuten, länger brauchen Sie dafür nicht. Gleich morgens noch im Bett strampeln Sie mit den Beinen wie beim Fahrrad­ fahren. Laufen Sie tagsüber immer mal abwechselnd auf den Hacken und den Zehenspitzen oder wippen Sie im Stehen.