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Krankmacher oder wertvolle Helfer? Streptokokken: Die Dualität der Natur

Milchverarbeitung wäre ohne Streptokokken undenkbar. Und unsere Verdauung würde wohl ohne sie nicht funktionieren. Sie sind aber auch für zahlreiche Krankheiten wie Mandelentzündung, Lungenentzündung, Blasenentzündung und Scharlach verantwortlich. Wie kann ein Bakterium so vielfältig sein? Kann es nicht. Wie beim Menschen gibt es bei Streptokokken die Guten und die Bösen. Vital vergleicht.
Streptokokken Behandlung und Ursachen

Steckbrief Streptokokken

Symptome: Je nach Art der Infektion. Diese kann von Mandel- und Mittelohrentzündung über Blasenentzündung bis hin zur Lungenentzündung und Wundinfektion alle Bereiche des Körpers betreffen.

Behandlung: Streptokokken sind mit Antibiotika sehr gut zu bekämpfen. Je nach Art der Infektion müssen mal leichtere, mal stärkere Antibiotika verschrieben werden.

Vorbeugen: Streptokokken sind überall. Du kannst dich also nicht hundertprozentig schützen. Eine gewisse Sicherheit bietet regelmäßiges Händewaschen und die Behandlung von bestimmten Flächen (wie der Klobrille oder der Küchenzeile) mit Desinfektionsmittel.

Wir wollen nicht hinter dem Berg halten: Streptokokken gehören zu den weitverbreitesten Bakterien überhaupt. Sie aus unserem Leben zu verbannen ist unmöglich. Man findet sie auf der Computertastatur genauso wie auf dem Display des Smartphones. Sie fühlen sich auf der Küchenplatte ebenso wohl wie auf der sauber geputzten Klobrille. Sogar auf unserer Haut und in unserem Darm sitzen sie. Die einzige Möglichkeit ihrer Herr zu werden, ist regelmäßiges und gründliches Waschen. Ganz so dramatisch, wie sich das jetzt liest, ist es in der Realität allerdings nicht. Denn unser Körper kann die kleinen Krankheitserreger im Allgemeinen sehr gut in Schach halten. Doch bevor wir die Gefahren, welche von Streptokokken ausgehen, näher beleuchten, schauen wir uns einmal ihre positiven Eigenschaften an.

Streptokokken: Kenne deinen Feind

Bakterien der Gattung Streptococcus sind vielartig. Über 20 verschiedene Typen gibt es. Manche von ihnen lösen Infektionen aus, andere sind durchaus nützlich. So leistet die Art Streptococcus thermophilus einen wichtigen Beitrag zur Herstellung von Joghurt, Quark oder anderen milchbasischen Lebensmitteln. Andere Streptokokken sitzen in unserem Mund und helfen uns bei der Zersetzung von Nahrung. Manche Arten haben auch gar keinen Effekt auf uns und leben friedlich auf unserer Haut. So finden sich verschiedene Typen von Streptokokken im Mund- und Rachenraum, im Darm und in der Scheide. Sie alle sind relativ harmlos und unser Körper erleidet keinen Schaden durch ihre Anwesenheit. Im Gegenteil. Der Darm würde wohl einige seiner zersetzenden Fähigkeiten einbüßen, wenn ihn keine Streptokokken bewohnen würden. 

Die Bad Guys

Wie wir alle wissen, gibt es aber auch eine ganze Reihe von gefährlichen Streptokokken. So sind die Streptokokken unseres Darms zwar sehr gesund für diesen Teil des Körpers, außerhalb dessen haben sie allerdings nichts zu suchen. So können die gleichen Bakterien, die unserem Darm helfen, Nahrung zu verdauen, im Hals eine Mandelentzündung hervorrufen. Oder in den Ohren eine Mittelohrentzündung. Richtig schlimm wird es, wenn bestimmte Streptokokken in die Atemwege gelangen. Die so genannten Pneumokokken können schwere Lungenentzündungen verursachen und fordern jedes Jahr weltweit Millionen Todesopfer. 

Da Streptokokken quasi überall um uns herum sind, zählen sie zu den Haupterregern bei Infektionskrankheiten. Egal ob die Blase am Fuß oder die Operationsnarbe, heilt etwas schlecht oder gar nicht, sind höchstwahrscheinlich Streptokokken im Spiel. Gefährlich sind Streptokokken auch im Blut. Dort können sie eine Sepsis auslösen, welche nur schwer wieder aus dem Körper gelöst werden kann. Besonders gefürchtet sind Streptokokken im Zusammenhang mit Scharlach. Diese Kinderkrankheit, die vor allem im Alter zwischen vier und sieben Jahren auftritt, erstreckt sich entlang des Rachens und verursacht Fieber, Schüttelfrost sowie das charakteristische Schuppen der Haut. Wichtig: Scharlach ist das auftretende Symptom der Ansteckung mit Streptokokken, nicht der Erreger!

Nicht schlimmer machen als es ist

Das alles klingt schlimm und natürlich können manche Infektionen dramatische Formen annehmen. Trotzdem sollte den kugelförmigen Bakterien nicht mehr Beachtung geschenkt werden als nötig. Das soll nicht bedeuten, dass Ihr unbesorgt den nächsten Mülleimer oder den nächsten Pferdeapfel durchwühlen sollt. Es soll damit nur ausgedrückt werden, dass ein gesunder, menschlicher Körper so gut wie immer mit den kleinen Erregern fertig wird. Gefährlich wird es, wenn Euer Immunsystem (beispielsweise bei einer Schwangerschaft oder nach einer Operation) geschwächt ist. Diese Lücke im Abwehrriegel nutzen die Bakterien immer wieder gerne, um Krankheiten auszulösen. Besondere Vorsicht gilt bei Neugeborenen und Kleinkindern. Da das Immunsystem noch nicht so ausgeprägt ist wie bei Erwachsenen, sollte regelmäßiges Händewaschen oberste Priorität haben. Hilfreich ist auch eine gewisse pädiatrische Vorsorge, wie etwa Impfungen. Das Gleiche gilt für ältere Menschen. Bei ihnen sind die Abwehrmechanismen des Körpers meist geschwächt und deswegen anfällig für Infektionen. Wie gut ist Euer Immunsystem? Macht unseren Test. 

Medizinische Versorgung bei Streptokokken

Der Vorteil bei all den unangenehmen Ursachen durch Streptokokken-Infektionen ist, dass die Bakterien sehr gut erforscht und leicht zu behandeln sind. Streptokokken werden von der Medizin in die drei Arten α-, β- und γ-hämolysierende Streptokokken unterteilt. Diese Unterteilung sagt etwas über die Eigenschaft der Bakterien aus, rote Blutkörperchen aufzulösen. So bauen Streptokokken mit α-Hämolyse die Blutkörperchen nur teilweise ab, β-Hämolyse bedeutet, die Blutkörperchen werden vollständig abgebaut und bei γ-hämolysierenden Streptokokken findet gar keine Hämolyse statt. 

Durch die gute Kenntnis der Forschung über Streptokokken können bei einer Infektion gezielt Antibiotika verabreicht werden, welche immer erfolgreich anschlagen. Oftmals reicht eine Behandlung mit Penicillin, um den kleinen Erregern Einhalt zu gebieten. Die Medizin ist auf dem Gebiet der Streptokokken-Forschung sogar so weit, dass beispielsweise für Pneumokokken eine Impfung existiert. Diese ist im Übrigen für alle Personen ab 60 Jahren empfehlenswert, da sie nach Operationen besonders geschwächt und damit anfällig für eine Lungenentzündung sind. Wie weit die Forschung mittlerweile beim Kampf gegen Bakterien und Viren ist, sagt dir unser ausführlicher Artikel.

 

Autor:
Alexander Scherb