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Kur und Kliniken Krebs bekämpfen

In dieser Klinik direkt an der Ostsee sind viele jung, oft keine 30 Jahre alt. Alle haben das gleiche Ziel: In einer einzigartigen Kur für Kinder und ihre Mütter mit Brustkrebs finden die Frauen neue Kraft und Zuversicht – und ihre Kinder lernen wieder zu lachen.

Der feine weiße Sand rieselt wie Zucker durch Heikes Finger in die glitzernden Holzdöschen von Kiana, 7, und Yara, 4. Jeden Abend nach der Gutenachtgeschichte. Er kommt direkt vom Sandmännchen, erklärt seine „Helferin“, Freizeitbetreuerin Heike, und wird den Schwestern mit jedem Körnchen einen Traum erfüllen. Die üblichen Mädchenträume, aber auch einen besonderen, der sie nicht mehr loslässt: „Unsere Mama soll wieder ganz gesund werden. Sie darf nicht sterben.“ Davon träumt jedes der 20 Kinder in der Grömitzer Klinik Ostseedeich, denn ihre Wirklichkeit ist hart: Die Mütter der Zwei- bis Zwölfjährigen haben Brustkrebs. Wie Ina Pleines, die Mutter von Kiana und Yara.

„Für mich hörte plötzlich die Welt auf, sich zu drehen, als ich die Diagnose bekam. Einen Tag vor Weihnachten 2008. Ich hatte einen seltenen Tumor in der rechten Brust, der durch eine Entzündung entsteht“, erzählt die 32-Jährige aus Waldalgesheim bei Bingen. „Weil der Krebs flächig wuchs, war er kaum zu ertasten und wurde erst sehr spät entdeckt. Da war der Tumor schon sechs mal vier Zentimeter groß und hatte 19 Lymphknoten befallen.“ Die Uniklinik Mainz fuhr Anfang 2009 harte Geschütze auf: achtmal Chemotherapie, um den Tumor zu verkleinern, Entfernen der Brust, danach 26 Bestrahlungen.

Die junge Mutter musste oft ins Krankenhaus und ihre beiden Töchter zurücklassen. Mal bei ihrem Mann, mal bei der Schwiegermutter, mal bei einer Freundin. Und wenn sie nach Hause kam, fühlte sie sich oft schlapp, müde, kaum alltagstauglich. „Ich merkte, wie sich Kiana und Yara immer mehr zurücknahmen, mir gegenüber vorsichtiger und bedachter wurden. Sie wollten die Mama halt nicht stören“, erinnert sich Ina Pleines. „Die Kleine steckte das besser weg. Sie ist seelisch robuster als ihre Schwester. Sie zeigte sich nur ein wenig ,motziger‘. Meine große Tochter ist zarter besaitet. Sie wurde noch stiller, noch zurückgezogener.“

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Autor:
Susanne Schütte