[Alt-Text]

Eien Frau die Mut macht „Ein Halt in schweren Zeiten“

In ihrem Atelier näht Grit Hoff, 48, bunte Kissen für Brustkrebs-Patientinnen. Sie schützen OP-Narben und geben Hoffnung.

Grit Hoff ist gesund. Auch ihre Familie hat der Krebs bisher verschont. „Aber jeder von uns kennt doch mindestens eine von Brustkrebs betroffene Frau“, sagt die 48-Jährige. Fast 75 000 neue Fälle werden pro Jahr in Deutschland diagnosti- ziert. „Die Schicksale berühren mich.“ Und das motiviert Grit Hoff immer wieder: „Das Gefühl, diesen Frauen etwas geben zu wollen, ist ganz stark.“

Dafür tut die gelernte Erzieherin das, was sie am liebsten tut: nähen. Aus Stoff ein Unikat schaffen. Sofort war sie Feuer und Flamme, als sie vor etwa drei Jahren von den „Herzkissen“ hörte, einer Idee aus den USA. Ehrenamtliche nähen dort für Frauen mit Brustkrebs fröhlichbunte Kissen, die ihre OP-Narben entlasten sollen. „Man setzt sich einfach zusammen und hilft anderen. Diesen Gedanken fand ich toll“, erzählt Grit Hoff. Kurzerhand lud sie über das Internet Gleichgesinnte in ihr Atelier „Stich für Stich“ in Wiesbaden ein. Krankenhäuser spendeten bereitwillig Geld für Stoffe, das Füllmaterial kaufte Hoff selbst bei Ikea.

Herz gegen Schmerz

Bundesweit existieren mittlerweile ähnliche Nährgruppen wie die von Grot Hoff. Mehr Infos und Anmeldung unter: https://sites.google.com/site/herzkissendeutschland

Alle zwei Monate kommen seitdem etwa zwanzig Frauen für drei Stunden zusammen und gestalten 60 bis 80 neue herzförmige Kissen; die bringt Grit Hoff dann zu drei Kliniken in Wiesba- den und Frankfurt. Die 40 cm breiten Kissen mit extra tiefer Kerbe lassen sich bequem in eine Achselhöhle klemmen; sie entlasten das Gewebe und lindern die Schmerzen, ob beim Schlafen, Sitzen oder im Auto, wenn der Anschnallgurt auf die OP-Narbe drückt. Eine Wohltat für die Frauen, denen oft auch Lymphknoten entfernt wurden. Hilde, die gerade Stoff für neue Kissen zuschneidet, hat genau das selbst erlebt. „Das Kissen war mein ständiger Begleiter“, erzählt sie. Nähen ist für ihren Arm seit der Brustkrebs-OP zu an- strengend, doch die 59-Jährige hilft hier regelmä- ßig, seit sie ihre eigene Behandlung überstanden hat. Sobald es ihr damals besser ging, wollte sie unbedingt in Grit Hoffs Atelier dabei sein und anderen Mut machen.

Grit Hoff hat „Stich für Stich“ erst vor drei Jahren gegründet. Dabei hing sie schon als Mädchen an Oma Annis Lippen, wenn die ihr Stick- und Häkeltechniken erklärte. Auch ihre Mutter war jeden Abend mit einer Handarbeit beschäftigt. Von ihr lernte Grit Hoff das Schneidern. Doch erst als ihre beiden Kinder aus dem Haus waren, konnte sie einen Traum wahr und ihr Hobby zum Beruf machen. Hauptsächlich bietet sie Nähkurse für Einsteiger und Fortgeschrittene an. Inzwischen hat sich jedoch herumgesprochen, wie hilfreich und tröstend „ihre“ Herzkissen sind. Immer wieder klingelt das Telefon, weil eine der Kliniken Nachschub braucht. Dann trommelt Hoff ihre Helferinnen zusammen.
Aus vielen Briefen und E-Mails, die sie bekommt, weiß Grit Hoff, dass das Kissen auch Jahre nach der Operation für viele der betroffenen Frauen ein Symbol bleibt. „Es gibt ihnen Halt, weil es in der schweren Zeit ein Zeichen dafür war, dass jemand an sie denkt.“ Sie spüren: Jedes dieser Herzen kommt von Herzen.
 

Schlagworte: