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Heilung der Persönlichkeitsstörung Borderline: Gefühle außer Kontrolle

Noch immer wird Borderline in unserer Gesellschaft von vielen als "Fake-Krankheit" abgetan. Auch wenn die Akzeptanz in den letzten Jahren zugenommen hat, tun sich Betroffene schwer mit einem Zugeständnis. Dabei ist die Selbsterkenntnis der erste und wichtigste Schritt zur Heilung der Persönlichkeitsstörung. Unser Ratgeber nennt Symptome der Krankheit, leistet Hilfestellung für Betroffene und gibt Tipps für Angehörige.
Borderline Symptome und Behandlung

Es wird geschätzt, dass zwischen einem und fünf Prozent der deutschen Bevölkerung an der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) leiden. Genauere Zahlen sind leider nicht möglich, da nur ein Bruchteil der Betroffenen überhaupt zum Arzt geht. Ebenso verhält es sich mit der Frage, ob die Krankheit mehr Männer oder Frauen trifft. Statistisch sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Allerdings kann es auch sein, dass Frauen eher den Weg zum Therapeuten suchen als Männer. Borderline ist also noch immer eine schleierhafte Krankheit.

Steckbrief Borderline

Symptome: Starke Gefühlsausbrüche, Panikattacken, Depressionen, Selbstverletzung.

Behandlung: Verhaltens- oder Psychotherapie. In schwerwiegenden Fällen medikamentöse Einstellung.

Vorbeugung: Vorbeugende Maßnahmen sind nicht möglich. Häufig führen Traumen in der Kindheit zu BPS im Erwachsenenalter.

Ein Grund für die vagen Zahlen könnte die fehlende Akzeptanz in der Gesellschaft sein. Noch immer wird BPS von vielen als Ausrede zur Flucht aus der Realität angesehen. "Borderline ist auch ganz schön in Mode gekommen!" oder "Wer hipp sein will, braucht Borderline!" sind Aussagen, die zeigen, wie die Persönlichkeitsstörung von vielen wahrgenommen wird. Welche Auswirkungen solche Sätze auf Betroffene haben können, lässt sich leicht ausmalen. Viele zweifeln an der Richtigkeit ihrer Gedanken. Ein fataler Fehler. Ein weiteres Problem ist die fehlende Kenntnis der Symptome. Es kann durchaus sein, dass Betroffene an BPS leiden, ohne sich dessen bewusst zu sein. Dies kann dann verheerende Folgen haben, wenn als Ergebnis einer fehlerhaften Diagnose falsche Therapien oder sogar Medikationen verschrieben werden. 

Die Ursachen von Borderline

Ärzte und Wissenschaftler gehen heutzutage davon aus, dass die Ursachen von BPS oftmals schon in der Kindheit begründet sind. Viele Erkrankte haben in ihrer Kindheit schwere bis sehr schwere Traumen erlebt, wie beispielsweise Missbrauch, Misshandlungen, Vernachlässigung oder emotionale Kälte. Häufig stellte sich bei einer Therapie heraus, dass die Eltern der Betroffenen gleichzeitig sowohl Beschützer als auch Täter waren. Die Erkrankten wurden also einerseits geliebt, andererseits gehasst. Die Widersprüchlichkeit zweier so starker Emotionen kann die Psyche vieler Kinder überfordern und eine Störung begünstigen. Allerdings gibt es auch Personen mit Persönlichkeitsstörungen, die in einem völlig normalen Umfeld groß geworden sind. Eine weitere Ursache könnte eine hirnorganische Störung sein. So stellte sich bei vielen Patienten heraus, dass manche Mechanismen der Emotionskontrolle nicht so ausgeprägt sind, wie dies üblicherweise der Fall wäre.

Symptome von Borderline

Das Krankheitsbild von BPS kann vielfältig sein. Gemein haben alle Erkrankten, dass sie Emotionen nicht richtig verarbeiten oder einordnen können. So leiden viele Patienten unter extremen Stimmungsschwankungen wie überbordende Wut, Panikattacken, Depressionen, aber auch extreme Freude und erhöhte Risikobereitschaft. Viele Erkrankte suchen ein Leben am Limit. Sie fahren zu schnell, trinken zu viel Alkohol oder betreiben extrem riskante Sportarten. Auch das bekannte selbstverletzende Verhalten gehört dazu. Die Wissenschaft geht davon aus, dass es sich bei einer Selbstverletzung um eine hilflose Reaktion des Organismus auf das innere Gefühlschaos handelt. Für einen kurzen Moment herrscht ein Gefühl vor, welches die anderen übertrifft. Für Patienten kann dies, zumindest kurzfristig, eine emotionale Befreiung bedeuten. Doch woran erkennt man, ob jemand "nur" jähzornig oder exzentrisch ist oder an BPS leidet? Fachleute machen dies am Leidensdruck fest. Während ein Exzentriker beispielsweise aus einem Gefühlsausbruch einen gewissen Lustgewinn zieht, ist bei einem Borderliner genau das Gegenteil der Fall. Er leidet unter seinen extremen Verhaltensweisen, kann diese allerdings nicht kontrollieren.  

Woher kommt der Begriff Borderline?

Das Problem an Borderline-Persönlichkeitsstörung ist, dass es sich um ein recht neues Krankheitsbild handelt. Noch immer sind sich Forscher bei der Klassifizierung, Einordnung und Definition der Störung uneinig. Früher ging man davon aus, dass Borderline eine Grenzkrankheit zwischen Neurose und Psychose sei. Daher rührt auch der Name "Borderline" (Grenzlinie). Heutzutage ist der Begriff schärfer umrissen. Nach neuester Definition handelt es sich bei BPS um eine "emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ"

Was können Betroffene tun?

Der erste Schritt eines Betroffenen muss es sein, die Krankheit als solche wahrzunehmen und sie zu akzeptieren. Oftmals ist der nachfolgende Schritt ein Termin beim Hausarzt. Nach getroffener Diagnose werden Patienten zu einem Facharzt überwiesen. Dies kann, je nach Ausprägung der Krankheit, ein Psychotherapeut oder Psychiater sein. Eine allgemeine Psychotherapie oder Verhaltenstherapie gibt es dabei nicht. Jeder Betroffene muss individuell nach dem eigenen Krankheitsverlauf  behandelt werden. Ausführliche und strukturierte Gespräche zwischen Patient und Therapeut sind Pflicht. Abstand sollte von Selbsttests mit Fragebögen genommen werden. Gerade das Internet ist voll davon. Eine verlässliche Auskunft ist solch ein Selbsthilfebogen in keinem Falle. Eine gute Hilfe kann dagegen die Seelsorge sein. Sie nehmen Betroffene behutsam an die Hand und bereiten sie auf die bestehenden Herausforderungen vor. Mehr unter telefonseelsorge.de.

Was können Angehörige tun?

Auch für Angehörige oder andere Bezugspersonen ist der Umgang mit BPS-Betroffenen schwierig. Dabei ist es gerade die Hilflosigkeit, welche vielen zu schaffen macht. Allerdings sollte man sich nicht vormachen, den Betroffenen aus eigener Kraft helfen oder sie gar heilen zu können. Die Erkrankten leiden unter einer Störung, in die sich Außenstehende nicht hineinversetzen können. Teilweise können Angehörige mit ihrem Verhalten das Syndrom noch verschlimmern. Je eher man als Außenstehender akzeptiert, dass nur eine professionelle Therapie der geliebten Person helfen kann, desto schneller ist der Schritt zur Heilung getan. Natürlich gibt es genügend Aufgaben, welche Angehörige tun können. Die Seite borderline-plattform.de hilft Betroffenen und Angehörigen, die Krankheit besser zu verstehen und mit der Situation zurechtzukommen. 

 

Autor:
Alexander Scherb