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Wellness Badewonne

Die Badewanne ist viel mehr als nur ein Platz zum Reinigen. Sobald wir eintauchen, kann sie uns genau in die Stimmung versetzen, die uns gerade guttut. Eine Anleitung zum Glücklichsein.
Es gibt zwei Sorten von Frauen. Solche, die gern im Wasser liegen, um nichts weiter zu tun, als zu atmen. Und jene, die finden, dass baden lästigerweise länger dauert als duschen. Baden ist etwa wie allein mit dem Zug reisen. Man kann nicht wirklich etwas tun. Es ist die Lizenz zum Gangrunterschalten, zum Gedankennachhängen, zum Ungestörtsein. Aber im Gegensatz zum Großraumabteil riecht es im wohltemperierten Wasser genau so, wie man es gern hätte. Leicht nach Rose, erfrischend nach Zitrone, kindheitserinnernd an Fichtennadel. Mit Schaumkronen oder ohne.
 
Die Wanne ist eine Art Schutzwall. Intimzone. Zeit, nur für sich selbst. Schließlich verwandelte schon die Göttin Diana den Halbgott Aktaion in einen Hirschen, weil er sie beim Baden gestört hatte. Selbst schuld. Baden ist ein Ego- trip. Zumindest bei uns. Meine Wanne – ein beherrschbarer Ort, an dem Seele und Körper gleichermaßen gepflegt werden. Entweder nur die empfohlenen 20 Minuten lang, oder aber, bis die Haut ganz weichrunzlig wird.
 

Die Badewanne ist für mich ganz allein

In Japan sieht das etwas anders aus. Da wird, wenn die Wanne nicht ohnehin so groß ist, dass mehrere Platz haben, noch immer nach Rangliste gewannt. Zuerst die Herren, dann die Damen. Alle nacheinander im selben Wasser. Nicht aus Sparsamkeitsgründen, wie früher bei uns, wo beim Herrn das Wasser sauber und warm, beim Knecht dagegen kalte Brühe war. Es gehört einfach zum Ritual. Es ist Wohlfühlglück, gründlich gewaschen wird sich selbstverständlich schon vorher. Sogar der Besuch darf einsteigen – zum Zeichen der Gastfreundschaft. Bei dem Gedanken fühlt man sich so allein im warmen Wasser doppelt befreit. Denn auch wenn uns oft eingeredet wird, wie romantisch ein Bad zu zweit sei, am besten noch mit Rosenblättern, Kerzenmeer und einem Glas Prosecco – eine haushaltsübliche Wanne ist einfach nicht für mehrere Menschen gemacht – es sei denn, Sie sind gelenkig wie Yogis nach einem halben Jahrhundert Asana-Praxis. Und selbst dann sitzt immer noch einer auf dem Stöpsel.
 
Also: alle raus hier. Nicht aus Prüderie. Sondern weil es einfach so guttut. Vorweg vielleicht, japanergleich, ein duftendes Peeling. Und dann: Wasser marsch! 36 bis 38 Grad Celsius sollte es haben – Körpertemperatur eben, dann löst es Verspannungen. Und wenn es nicht unbedingt Berge von kleinen Seifenbläschen sein müssen, die das Badewasser länger warm halten: Verzichten Sie lieber aufs Schaumbad. Denn das schadet dem Talgfilm der Haut und trocknet aus. Wenn es für Sie aber der Inbegriff von Entspannung ist: ab in die Schaumkronen und hinterher das Eincremen nicht vergessen! Ohne schlechtes Gewissen übrigens, denn die Tenside, die für die kleinen Bläschen verantwortlich sind, sind heute ökologisch abbaubar.
 
 
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Autor:
Manu Schmickler