[Alt-Text]

Heilkunst - Fernöstliche Weisheiten Chinesische Medizin

Mit der Akupunktur fing es an. Doch die fernöstliche Heilkunst hat viel mehr zu bieten. Ihr mehr als 2000 Jahre altes Wissen wird heute intensiv erforscht – mit erstaunlichen Ergebnissen.   

Brust abtasten

Für den Besuch beim Hausarzt braucht man in China vor allem zwei Dinge: gute Nerven und viel Zeit. Die Warteräume sind überfüllt, der Lärmpegel erinnert an eine Markthalle. Stammpatienten lässt das kalt. Viele von ihnen kommen täglich zur Akupunktur. Neuzugänge werden dagegen vom Arzt erst mal beschnuppert. Denn Atem- und Körpergeruch spielen bei der Diagnose eine wichtige Rolle. Steht sie fest, erhält der Patient ein Rezept. Doch dafür bekommt er in der Apotheke nicht etwa eine Pillenpackung, sondern eine Mischung aus Pflanzenteilen, einen sogenannten Dekokt. Nicht nur der Geschmack dieser „Suppe“, das gesamte System dahinter ist für Europäer gewöhnungsbedürftig. Für Chinesen gehört es nämlich zum Alltag, dass es immer zwei Behandlungsmöglichkeiten gibt: die Schulmedizin und „ihre“ traditionelle chinesische Medizin (TCM).     

 Die Idee dahinter

Auch wer sich noch nie mit TCM beschäftigt hat, wird ein Schlagwort garantiert parat haben: Akupunktur. Nicht wenige glauben sogar, TCM sei nur ein anderes Wort für Akupunktur. „Das ist ein weitverbreitetes Vorurteil“, sagt Dr. Christian Schmincke, ärztlicher Leiter der Klinik am Steigerwald in Gerolzhofen. Doch es hat einen wahren Kern: In der Shang-Dynastie, zwischen dem 16. und 11. Jahrhundert vor Christus, war man davon überzeugt, dass Kranke von bösen Geistern beherrscht oder verflucht wurden. So entstand die Idee, diese Dämonen durch Nadelstechen zu vertreiben – der Vorläufer der heutigen Akupunktur. Einflussreiche Philosophen wie Konfutse oder Laotse sorgten dann jedoch mit ihren Schriften dafür, dass der Dämonenglaube am Ende Platz machen musste für die beiden wichtigsten Konzepte in der chinesischen Medizin: die Lebensenergie Qi („tschi“) und das Yin-und-Yang-Prinzip.   

 

1 2 3