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Medizin der Zukunft Gesund dank Nanotechnologie

Als vielversprechendstes Forschungsgebiet der Zukunft gilt die Nanowissenschaft: Teilchen im Zwergenformat sollen vor allem die Medizin revolutionieren.

Nanotechnologie

Es geht um Leben und Tod. Ein Team von Ärzten wird mitsamt seinen Lasergeräten und einem U-Boot auf Mikrobengröße verkleinert und in die Blutbahn eines schwer verletzten Patienten gespritzt. Die Mediziner arbeiten sich tapfer zu seinem Gehirn vor und beseitigen dort ein Blutgerinnsel – Happy End à la Hollywood. „Die phantastische Reise“ heißt dieser amerikanische Science-Fiction-Film von 1966, damals eine Gratwanderung zwischen medizinischem Fachwissen und blühender Fantasie. Doch was vor 45 Jahren noch als grotesk eingestuft wurde, ist heute in greifbare Nähe gerückt. Weltweit arbeiten Forscher unter Hochdruck an neuen Diagnose und Heilverfahren im Mini-, besser gesagt im Atomformat. Dabei geht es beispielsweise um winzige Kapseln, die Arzneimittel zielgenau dort freisetzen, wo sie benötigt werden, oder um ferngesteuerte Mini-Roboter, die sogar feinste Blutgefäße in den Augen reinigen können. Es geht um eine Technologie, die unter Wissenschaftlern gegenwärtig so kontrovers diskutiert wird wie kaum eine zweite: die Nanotechnologie. Hochspezialisierte Labors setzen Atome und Moleküle etwa so zusammen wie kleine Kinder ihre Bauklötze. Dabei entstehen völlig neue Strukturen und Materialien mit faszinierenden Eigenschaften – nicht nur für die Medizin.

Riesige Summen für winzige Teilchen – alle hoffen auf die Nanomedizin

Die heilsamen Zwerge – „Nano“ ist griechisch und bedeutet „Zwerg“ – gelten als Schlüsseltechnologie des Jahrhunderts, als „unsere Eintrittskarte in die Zukunft“. So steht es im Vorwort von Bundesforschungsministerin Annette Schavan zum „Aktionsplan 2010“, der deutschen Nano-Initiative. Seit ihrem Start im Jahr 2005 steckte Schavans Behörde allein in die Entwicklung der Nanomedizin 24 Millionen Euro Fördergelder. Die EU stellt bis 2013 zusätzlich 100 Millionen für Grundlagenforschung und Produktentwicklung bereit. Summen, die ahnen lassen, welche Hoffnungen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in die Nanotechnologie setzen. Aber was ist das eigentlich? Das Ganze basiert auf ultrakleinen Teilchen. „Diese bestehen aus wenigen Atomen oder Molekülen und werden in der Maßeinheit Nanometer gemessen“, erklärt Dr. Claus Duschl vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik, kurz IBMT, in Potsdam. „Sie können künstlich aus unterschiedlichsten Materialien hergestellt werden, kommen aber auch in der Natur vor.“ So gebe es zum Beispiel Bakterien, die sich mit winzigen Rotationsmotoren fort - bewegen. „Die sind nichts anderes als von der Natur entwickelte biologische Nanomaschinen“, sagt der Experte.

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