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Moderne Heiler Die Chrono-Ökotrophologin

Folge 1: VITAL besucht Frauen, die bewusst, fernab der Schulmedizin, kaum bekannte Verfahren gewählt haben, um zu helfen. Hier erklären sie, wie es dazu kam – und wie sie behandeln. Diesmal: Susann Sontag

Bittet man Susann Sontag, ihr Behandlungskonzept zu erklären, erhält man eine irritierende Antwort: „Gucken Sie mal aus dem Fenster.“ Es ist Sommer im Wendland. Hier in Clenze, 120 Kilometer südöstlich von Hamburg, arbeitet und lebt die gebürtige Berlinerin seit 2006. Die 56-Jährige liebt diese Jahreszeit, wenn die Natur alles im Überfluss bietet und der Alltag draußen stattfindet. „Nächstes Jahr wird das alles wieder so sein“, sagt sie, fasziniert von diesem Rhythmus, den niemand beschleunigen, bremsen oder verändern kann. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Alles hat seinen Takt. Darum geht es Susann Sontag.

Jeder Patient komme in einer bestimmten Jahreszeit zu ihr. „Damit meine ich nicht nur, dass draußen beispielsweise Winter ist, wenn er meine Praxis betritt“, erklärt die Heilpraktikerin für Psychotherapie, die auch Diplom-Ernährungsberaterin ist. „Die Jahreszeiten stehen für mich auch für ein bestimmtes Alter und für bestimmte Themen im Leben.“

Bauernhaus Susann Sontag

Ursprünglich nutzte die Familie die alte Scheune nur als Ferienhaus

Dem Frühling ordnet Susann Sontag die Kindheit zu. Pubertät, Berufsstart, eine Familie gründen – das ist der Sommer. Im Herbst lässt die Kraft langsam nach, der Körper verändert sich. Im Winter endet das Leben. „Wie die Natur folgt jeder Mensch einem Lebensrhythmus“, fasst sie zusammen, „der wird aber individuell gestaltet, und das ist angeboren. Meine Tochter Katrin schlief als Baby wie ein Murmeltier. Inken machte nachts durch. Holger schlief mondphasig. Das hat ihnen ja keiner beigebracht.“

Bei ihren ausschließlich erwachsenen Patienten stellt sie meist fest, dass die ihren Rhythmus verloren haben. Äußere oder innere Ansprüche nötigen sie seit Jahren, schneller zu leben als ihr innerer Taktgeber. Oder sie konnten eine Jahreszeit ihres Lebens nie wirklich abschließen, suchen z.B. immer noch nach dem „richtigen“ Selbst und schlucken die wütende Unzufriedenheit darüber buchstäblich hinunter. „Lebens- und Ernährungsthemen sind sehr eng miteinander verzahnt“, erklärt Susann Sontag. Ihre Patienten essen zu hastig, zu viel, zu wenig, zu einseitig. Sie leiden unter chronischen Magen- und Darm - beschwerden oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten.