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Rezepte Komm, wir grillen

Keine Angst vor glühenden Kohlen: Mit Kreativität und guter Laune schmeißen Frauen die besseren Grillpartys. Obwohl´s manchmal etwas länger dauert.
Grillen

Die SMS von Sandra und Nikki klang vielversprechend: "Komm doch zum Frauen-Grillen vorbei. Bitte nichts mitbringen." Herrlich, dachte ich. Endlich mal eine Einladung ohne das klassische Sixpack-Mitbringsel. Außerdem hat Sandra einen Garten - unbezahlbar an einem Tag wo der Himmel strahlt, als kenne er keine Wolken. Sofort bekam ich Hunger und radelte los. Etwa drei Stunden später verfluchte ich mich, dieser Einladung je gefolgt zu sein. So lange wartete ich bereits in Sandras Garten, dass die Grillerei losging. 

Wann würde ich endlich in ein saftiges Steak beißen? Oder wenigstens an einem Lammkotelett knabbern? Nichts da, keine Spur von Essen. Aber au0er mir schien sich niemand an dieser skandalösen Tatsache zu stören. 15 Frauen wuselten durch den Garten, tranken Erdbeerbowle, spielten Boule oder Federball, ein paar Kinder sausten die Rutsche hinunter. Mein Hunger hatte sich inzwischen in ein abgrundtiefes Schwindelgefühl verwandelt. Ein kleines Mädchen hielt mir eine Reiswaffel hin, die ich gierig verschlang."Ich liebe diese entspannten Grilltage bei Sandra. Gegessen wird immer erst abends, und alle helfen beim Vorbereiten. In erster Linie geht es ja um das Zusammensein, nicht wahr?", flötete die Mutter des Reiswaffel-Mädchens. Mir ging es in erster Linie ums Essen, aber das wollte ich nicht zugeben. Ich schwatzte dem Mädchen noch ein paar Reiswaffeln ab und fühlte mich etwas besser. 

Gehören Frauen an den Grill?

Vielleicht gehörte das Warten zur Vorfreude dazu - und nur ich hatte das nicht begriffen. Bisher war ich es von Männer-Grillpartys gewohnt, das Würste und Spieße mit Bier bespritzt und dann unter großem Tantam halb verbrannt auf die Teller geladen werden. Maximal kommt noch ein Alibi-Blattsalat dazu - fertig aus. Dass Männer laut einer Studie immer noch zu 80 Prozent den Grillmeister spielen, stört mich nicht. Schließlich stehen Frauen oft genug am Herd. Solange der Griller hinterher den verkrusteten Rost selbst reinigt, nur zu. Kulturwissenschaftler sehen den Grill als eines der letzten Refugien der Männlichkeit an, nachdem ihnen die Frauen in vielen anderen Lebensbereichen bereits das Zepter abgenommen haben. Das erklärt vielleicht, warum Männer so großen Wert auf das Equipment legen: vom Hightech-Fleischthermometer bis hin zu intelligenten Aromaschienen – und am Ende nimmt so eine „Event-Grillstation“ die Ausmaße eines Kleinwagens an. Vielleicht wird daraus sogar ein Grillbuffet, bei dem verschiedenste Sorten Fleisch, Fisch und Beilagen mitgebracht werden und gemeinsam auf den Verzehr warten.

In Sandras Garten stand ein simpler Kugelgrill. „Schnippelst du mit?“ Nikki wedelte mit einem Keramikmesser. Immer mehr Zutaten wanderten aus der Küche nach draußen. Also spickte ich frischen Dorsch mit Knoblauch, streute Rosmarin auf Kartoffelspalten, träufelte Limettensaft auf Garnelen, steckte Pinienkerne in Zucchinischeiben, naschte vom Bärlauchpesto. Kurz bevor die Sonne unterging, war die Grillkohle durchgeglüht. Wir aßen im Schneidersitz auf Decken. Hemmungslos lud ich mir mehrmals den Teller voll. Zum Glück fällt Nachschlag draußen weniger auf, weil es so chaotisch zugeht. Man isst mit den Fingern, wirft Gläser um, verwechselt die Teller: ein fröhliches Durcheinander, wie wir es nur im Freien und im Sommer erleben. Tatsächlich war es rückblickend ein ziemlich perfekter Tag, an den ich mich sehr gern erinnere. An ein Grillfest, wie es sein sollte, eine Essenz aus den besten Zutaten des Sommers: Luft, Wärme, Geselligkeit, leckere Häppchen. Wenn Nikki und Sandra das nächste Mal grillen, gehe ich selbstverständlich wieder hin. Und esse vorher ein Brötchen.
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Autor:
Monika Dittombée